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Hat der Verein das verdient?

Die Stadt will den Hafenstraße e.V. weiter finanziell unterstützen. Über das Prozedere waren sich die Stadträte im Sozial- und Kulturausschuss nicht einig.

Beliebter Treffpunkt seit Jahrzehnten - das Vereinsgebäude des Hafenstraße e.V..
Beliebter Treffpunkt seit Jahrzehnten - das Vereinsgebäude des Hafenstraße e.V.. © Claudia Hübschmann

Meißen. Vor einer Woche erst gab es ein Konzert, das via Livestream aus dem Saal übertragen wurde, berichtet Antje Kypke vom Verein Hafenstraße. Das zeige, dass dort auch in Corona-Zeiten allerhand angeboten wird. Auch wenn das traditionelle Kunstfest Cölln in diesem Jahr verschoben werden und letztlich ausfallen musste – am Weinfestwochenende gab es einen Ersatz in kleiner Form. Für Internet-Projekte, Ferienlager und Chorproben in kleineren Gruppen stand die Hafenstraße auch in diesem Jahr offen.

Wie ihr Mann Christian ist Antje Kypke langjähriges Mitglied im Verein Hafenstraße e.V. – das soziokulturelle Zentrum in und für Meißen. Der Musikpädagoge und die Veranstaltungsleiterin arbeiten wie ihre Kollegen ehrenamtlich und auf Honorarbasis in dem blauen Haus an der Hafenstraße. Sie kümmern sich dort um verschiedene Projekte, wegen der Kinder und Jugendliche regelmäßig hierher kommen. Für seine besonderen Angebote an Senioren oder Menschen mit Behinderungen ist der Verein ebenso bekannt. Beliebt ist auch die Kulturkneipe.

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Schwierig ist die Finanzierung der Angebote. Seit der Kulturraum sich aus der Förderung zurückzog, kommt die Stadt in der Hauptsache dafür auf, dass die Honorare gezahlt und Projekte im Verein am Laufen gehalten werden können.  Im vorigen Dezember hatten die Stadträte 55.800 Euro aus dem städtischen Haushalt für den Hafenstraße e.V. freigegeben. Die Zahlung ist an Bedingungen geknüpft. In sechs Punkten legt der Beschluss der Stadträte fest, was Meißen vom Verein Hafenstraße erwartet. Dabei geht es um die Wahrnehmung des Kulturzentrums in der Öffentlichkeit ebenso wie um die exakte und transparente Abrechnung über die Verwendung des Geldes.

Antje und Christian Kypke arbeiten ehrenamtlich für den Verein Hafenstraße. Die Veranstaltungsleiterin und der Musikpädagoge betreuen hier verschiedene Projekte. Dazu gehört auch ein von Kindern für Kinder gestaltetes Sagenhaftes Stadtbuch von Meißen.
Antje und Christian Kypke arbeiten ehrenamtlich für den Verein Hafenstraße. Die Veranstaltungsleiterin und der Musikpädagoge betreuen hier verschiedene Projekte. Dazu gehört auch ein von Kindern für Kinder gestaltetes Sagenhaftes Stadtbuch von Meißen. © Claudia Hübschmann

Daran scheiden sich jetzt die Geister, wie sich am Mittwochabend zeigte. Im Sozial- und Kulturausschuss befassten sich die Stadträte mit einem Beschluss, der die Finanzierung in den nächsten Jahren regelt. Demnach übernimmt die Stadt weiterhin Mietkosten für das vom Verein genutzte Anwesen an der Hafenstraße 28, das sich auf städtischem Grund und Boden befindet. Außerdem gibt es im nächsten Jahr 55.000 Euro für den Verein. In den Jahren bis 2025 soll sich diese Summe um jährlich 5.000 Euro verringern, so dass der Hafenstraße e.V. 2025 noch mit einem städtischen Zuschuss von 35.000 Euro rechnen kann.

"Die Förderung erfolgt zur Erreichung der Ziele der Neuausrichtung des Vereins sowie die Akquise weiterer Fördermöglichkeiten durch den Verein", heißt es abschließend in dem vom Familienamt vorgelegten Beschlussentwurf, der bei zwei Gegenstimmen mehrheitlich angenommen wurde.

„Das geht so nicht“, wandte Stadträtin Ute Czeschka von der Fraktion Bürger für Meißen/SPD in der Debatte ein. Aus ihrer Sicht hat der Verein keine der Bedingungen erfüllt, an welche die Förderung für 2020 geknüpft war. Ein Konzept, dass der Verein bis zum 30. Juni vorlegen sollte, sei die Abschrift dessen gewesen, was der Verein bislang vorgelegt habe.

Die Einstellung dieser Förderung durch den Kulturraum im vorigen Jahr kam mit Ansage. "Denn bereits im Jahr 2016 hat der Landesverband der Soziokultur dem Verein gegenüber signalisiert, dass die Qualität ihrer Arbeit im Bereich Soziokultur deutlich nachgelassen hat und sie sich bemühen sollten, inhaltlich besser zu arbeiten, um nicht die Förderung zu verlieren. Ein Manko war die fehlende sozialpädagogische Kompetenz im Verein. Eine weitere Beratung und Begleitung des Vereins durch den Landesverband hat der Verein abgelehnt", erklärt Ute Czeschka in einer Stellungnahme ihrer Fraktion am Tag nach der Ausschusssitzung.

Im Ausschuss hatte sie  vorgeschlagen, auch über neue Strukturen nachzudenken. Gemeinsam mit der Stiftung Soziale Projekte und dem Verein Jugendclub ließe sich eine Arbeitsgemeinschaft oder ein Runder Tisch Soziokultur bilden und dort die Kräfte bündeln. Das sei vom Verein abgelehnt worden.

Vergleichsweise sehr viel Geld

Verglichen mit anderen sozialen Vereinen in der Stadt – etwa dem Kaff, dem Schmalen Haus oder dem Schiffchen in Meißen links der Elbe – gibt die Stadt sehr viel Geld als Zuschuss für die Hafenstraße aus. Auch deshalb sei von diesem Verein mehr zu erwarten als lediglich ein „Weiter so!“, ist sie überzeugt. Außerdem liegen bislang keinerlei Abrechnungen zu der von der Stadt für dieses Jahr ausgereichten Förderung vor, bemängelte die Stadträtin.

Ute Czeschka bestreitet nicht, dass der Verein Hafenstraße mit seinen Angeboten sehr wichtig ist, vor allem in Meißen rechts der Elbe. Sie hatte deshalb am Mittwochabend vorgeschlagen, die Entscheidung zur Vereinsfinanzierung in den nächsten fünf Jahren um eine halbes Jahr zu vertagen und dem Verein die Möglichkeit zu geben, die Auflagen der Stadt zu erfüllen. In der Debatte unterstützte Dr. Oliver Morof von der CDU/FDP/Freie Bürger/U.L.M.-Großfraktion das Ansinnen, den Verein, der seit 29 Jahren eine sehr gute Arbeit leistet, „für neue Ideen zu öffnen“. Die vorgeschlagene Sechs-Monate-Frist sei dafür aus seiner Sicht aber zu kurz.

„Wir haben zu allen sechs Punkten Unterlagen bei der Stadt eingereicht“, erklären hingegen Antje und Christian Kypke vom Verein Hafenstraße. Gemeinsam mit dem Familienamt sei am Konzept gearbeitet worden – und das Amt habe es für gut befunden, so die ehrenamtlichen Mitarbeiter. Im Beschluss, den die Stadträte am Mittwoch mehrheitlich fassten, sehen sie sich und ihre Projekte bestätigt und gewürdigt. 

Die sich in den nächsten Jahren verringernde Förderung werde der Verein dadurch ausgleichen, dass mehr Veranstaltungen und neue Projekte angeboten werden sollen. Höhere Eintrittspreise bei Konzerten könnte eine Option sein – der Verein wolle aber daran festhalten, Angebote für diejenigen bereitzuhalten, die nicht so viel Geld haben.

„Da wir nun leider keine Mehrheiten für unseren Vorschlag gefunden haben, bleibt uns nun erst einmal nur die vollständige Umsetzung des Stadtratsbeschlusses vom Dezember 2019 zu kontrollieren", heißt es in Uta Czeschkas Stellungnahme im Namen der BI/SPD-Fraktion.  Man werde sich "die Sach- und Prüfberichte genauer anschauen und die Arbeit des Hafenstraße  e.V. vor Ort etwas intensiver zu beobachten“, kündigt sie an.

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