merken
PLUS Meißen

„Viele haben mich für verrückt erklärt“

Die Herzensbäckerei in Klipphausen gilt noch als Geheimtipp. Trotzdem kommt sie schon an Kapazitätsgrenzen.

Mehl, Wasser und Salz. Das sind die Zutaten für Anja Rackettes Brote und Brötchen in Pegenau. Vor einem Jahr gründete sie ihre kleine Bäckerei.
Mehl, Wasser und Salz. Das sind die Zutaten für Anja Rackettes Brote und Brötchen in Pegenau. Vor einem Jahr gründete sie ihre kleine Bäckerei. © Claudia Hübschmann

Klipphausen. Der typische Geruch nach Mehl liegt in der Luft. In der Küche der alten Schule auf dem Rittergut im Klipphausener Ortsteil Pegenau hat Anja Rackette im Oktober vorigen Jahres eine kleine Backstube eingerichtet. Nach mehr als 20 Jahren Tätigkeit im Einzelhandel suchte die 47-Jährige nach einer beruflichen Neuorientierung. Und fand sie eher zufällig im Brot- und Brötchenbacken. Durch Mundpropaganda sprach sich ihr Angebot in der Region herum. Inzwischen verkauft sie samstags bis zu 1.200 Semmeln.

Das Getreide kommt aus der Region, ist ökologisch angebaut. Dafür muss sie gar nicht weit gehen. Denn Lutz Gläser, der einen Teil des früheren Rittergutes 2001 erwarb, ist nebenberuflich Bio-Landwirt und baut unter anderen Weizen, Hafer und Roggen an. Nach Demeter-Richtlinien. „Dieses Jahr geht es auch mit Dinkel los“, sagt er. Der hauptberufliche Tierarzt freut sich über die Zusammenarbeit, die sich nun ergeben hat. „Es ist ein Glücksfall. Jetzt weiß ich, wofür ich mein Getreide anbaue.“ Verarbeitet wird das Getreide teilweise auf dem Hof, das Auszugsmehl wird in der Miltitzer Mühle produziert. „Mir ist die Symbiose zwischen Bauer, Müller und Bäcker wichtig“, sagt Anja Rackette.

StadtApotheken Dresden
Die Stadt Apotheken Dresden sind für Sie da
Die Stadt Apotheken Dresden sind für Sie da

Die Stadt Apotheken Dresden unterstützen Sie bei einer gesunden Lebensweise und stehen Ihnen sowohl mit präventiven als auch mit therapeutischen Maßnahmen, Arzneimitteln und Gesundheitsprodukten zur Seite.

Und noch etwas ist ihr wichtig: Zusatzstoffe, wie Tausende von Enzymen, kommen in ihre Produkte nicht hinein. „Für gutes Brot brauche ich nur Mehl, Wasser, Salz und Zeit“. Selbst in die Brötchen gibt sie nur ein Mü Hefe. Dafür bekommt der Teig viel Zeit. Bis zu 24 Stunden vorher werden sie gemacht.

Bauer hat sie ermutigt

Begonnen hatte alles vor etwa zweieinhalb Jahren. Damals begann sie mit ihrem Mann zu Hause für sich Brötchen zu backen. Dann für Familien aus der Hausgemeinschaft, nur aus Spaß. Später kam Brot hinzu. „Den Sauerteig habe ich selbst gezüchtet.“ Immer mehr Brot backte sie für die Familie, Freunde und Bekannte. Eines Tages, so berichtet sie, habe sie mit Lutz Gläser zusammengesessen. „Er sagte zu mir: Du musst mehr machen.“ Da war sie schon an einem Punkt angekommen, das ihr klar war: Eine Entscheidung musste her. Aufhören oder beruflich betreiben.

Unmengen an Literatur hat sie verschlungen. „Ich habe gelesen, gelesen, gelesen.“ Ist zur Handwerkskammer gelaufen, hat eine Prüfung abgelegt, damit sie sich als Bäckerin für Brot und Brötchen selbstständig machen darf. Die alte Schulküche angemietet und die Ausstattung angeschafft. „Ich hätte nie erwartet, dass es so gut läuft“, sagt Anja Rackette. „Viele Leute haben mich für verrückt erklärt. Klar, alle kleinen Bäcker machen zu und wir machen auf.“ Aber versuchen wollte sie es. Und „ich konnte schnell davon leben. Für meine Ansprüche reicht es“, resümiert sie nach fast einem Jahr. Inzwischen reicht der vierstufige Backofen schon nicht mehr. „Ein größerer muss her.“ Dabei hatte sie anfangs nur über einen zweistufigen nachgedacht.

Kleiner Bio-Hofladen in Planung

Noch ein Jahr will sie in der alten Schule backen. Ziel ist es, im danebenstehenden Gebäude auf dem Hof eine Bäckerei mit einem kleinen Bio-Hofladen zu eröffnen. Ende 2021 sollen die Baumaßnahmen fertig sein.

Verschiedene Brotsorten bietet Anja Rackette an. Vom 100-prozentigen Roggenbrot über ein Misch-Roggen-Weizenbrot bis hin zu Walnuss- und Dinkelbrot. Die Palette bei den Brötchen reicht von der klassischen Weizen-Doppel-Semmel über das Dinkel- bis zum Sauerteigbrötchen mit Hafer. Immer dienstags, freitags und samstags verkauft sie direkt aus der Backstube. „Hier kann ich mit den Leuten reden. Es ist kein Geheimnis, was in meinen Produkten drin ist. Die Leute können es sehen.“ Sie empfiehlt allerdings, vorher online zu bestellen, denn ihre Kapazitäten sind begrenzt.

Ob Anja Rackette zünftig auch einmal Kuchen bäckt und verkauft, weiß sie noch nicht. Ein weiterer Abschluss wäre dann nötig. Ambitionen dazu gibt es zumindest jetzt noch nicht.

Mehr lokale Nachrichten aus Meißen und Umgebung lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Meißen