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PLUS Meißen

Hier landet, was wir im Klo runterspülen

Seit 25 Jahren ist das Klärwerk in Diera-Zehren in Betrieb. Rund 5,3 Milliarden Liter Abwasser aus dem Landkreis Meißen werden dort jährlich gereinigt.

Mario Tröger ist Betriebsleiter der Kläranlage, die zur Abwasserentsorgungsgesellschaft Meissener Land gehört. Das Werk ist rund um die Uhr in Betrieb.
Mario Tröger ist Betriebsleiter der Kläranlage, die zur Abwasserentsorgungsgesellschaft Meissener Land gehört. Das Werk ist rund um die Uhr in Betrieb. © Claudia Hübschmann

Was die Leute aus Meißen, Radebeul, Coswig und den umliegenden Gemeinden in ihren Toiletten hinterlassen, kommt in Diera-Zehren wieder zum Vorschein. Feuchttücher, Wattestäbchen, Binden und Tampons dürfen nicht im Klo runtergespült werden – soweit die Regel. Dass sich daran oft nicht gehalten wird, davon zeugt der große Container, voll mit einer durchgeweichten, stinkenden Pampe, der in der Kläranlage oberhalb der Elbe zwischen den Orten Karpfenschänke und Zadel steht. „Feuchttücher machen den Großteil der Verschmutzungen aus“, sagt Betriebsleiter Mario Tröger. Am Ende des Reinigungsprozesses wird die braune Brühe so sauber sein, dass man sie trinken könnte.

Rechen filtern Feuchttücher, Tampons und andere Dinge heraus, die gar nicht im Wasser sein dürften.
Rechen filtern Feuchttücher, Tampons und andere Dinge heraus, die gar nicht im Wasser sein dürften. © Claudia Hübschmann

Die Kläranlage feiert 2020 ein Jubiläum: Seit 25 Jahren ist sie mittlerweile in Betrieb. Hier kommt das Abwasser aus den Städten Meißen, Radebeul und Coswig sowie den Gemeinden Weinböhla, Niederau, Diera-Zehren und Klipphausen mit nahezu allen Ortsteilen an: Vom Duschwasser, über den Küchenabfluss bis zu Fäkalien und Regenwasser sind das im Jahr rund 5,3 Millionen Kubikmeter, also 5,3 Milliarden Liter. Die Hauptsammler beginnen in Radebeul mit einem Durchmesser von 60 Zentimetern und enden vor der Kläranlage mit einem Durchmesser von 1,80 Meter. Fünf große Pumpwerke in Radebeul, Coswig, Neusörnewitz, Meißen-Ost und Meißen-Knorre sowie 31 weitere kleinere Pumpwerke und Messstationen sorgen dafür, dass das Wasser zur Kläranlage gelangt, die jeden Tag rund um die Uhr läuft.

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Kein dreckiges Abwasser mehr in die Elbe

Die Idee für ein Gemeinschaftsklärwerk fiel nach der Wende. Es war der erste sächsische Kläranlagenneubau, der unmittelbar der Elbe zugutekommen sollte, die zu DDR-Zeiten hochgradig verschmutzt war. „Für die Gewässerökologie der Elbe bedeutet diese Kläranlage, dass die Einleitung von völlig unzureichend behandeltem Abwasser von über 100.000 Einwohnern aus dem Ballungsgebiet Meißen-Coswig-Radebeul nun endgültig der Vergangenheit angehört“, schrieb der damalige Staatsminister für Umwelt und Landesentwicklung, Arnold Vaatz (CDU), in einer Broschüre, die zur Inbetriebnahme der Anlage veröffentlicht wurde. Das Heft ist heute eine Rarität und wird in den Büroräumen sicher aufbewahrt. Nach einem Generationenwechsel arbeiten heute fast nur junge Leute dort, die die Anfangszeiten nicht mehr kennengelernt haben.

In diesem Becken wird Fett aus dem Wasser gefiltert.
In diesem Becken wird Fett aus dem Wasser gefiltert. © Claudia Hübschmann

Mikroorganismen reinigen das Wasser

Betriebsleiter Mario Tröger ist 35 Jahre alt und hat den Überblick über alle Abläufe. Bevor das Abwasser den Reinigungsprozess durchläuft, wird es aus acht Metern Tiefe über ein Pumpwerk gefördert. Wie ein Wildwasserbach läuft es in einer tiefen Rinne zu den Rechen, welche die groben Verschmutzungen herausfiltern. „Wenn es viel regnet, ist die Rinne fast bis oben voll“, sagt Tröger. Kritisch wird es aber nur, wenn die Elbe Hochwasser führt. In der Vergangenheit war das Klärwerk schon abgesoffen und hatte großen Schaden genommen.

Im nächsten Schritt fischen feinere Rechen Verschmutzungen wie Sand und Haare aus dem Wasser. Auch Fette, die beispielsweise beim Abwasch und durch die Waschmaschine in die Rohre gelangen, werden herausgefiltert. Bereits ein Drittel aller Abwasserverschmutzungen werden bei diesem ersten mechanischen Verfahren beseitigt. Danach folgt die biologische Reinigung des Wassers. Mikroorganismen zersetzen Verunreinigungen, die im Wasser gelöst sind. Das Verfahren ahmt den natürlichen Selbstreinigungsprozess eines Gewässers nach. Bakterien und Kleinstlebewesen wandeln Kohlenstoff-, Phosphor- und Stickstoffverbindungen so um, dass sie anschließend aus dem Abwasser entfernt werden können. Die Bakterienanzahl in den Becken muss dafür in einem schmalen Grat gehalten werden. „Sind es zu viele oder zu wenige, dann kippt das Wasser“, erklärt Tröger. Durch Sauerstoffzugabe wird die Bakterienanzahl reguliert.

Nach und nach wird das Wasser immer sauberer und klarer. Am Ende des Prozesses fließt es in die Elbe.
Nach und nach wird das Wasser immer sauberer und klarer. Am Ende des Prozesses fließt es in die Elbe. © Claudia Hübschmann

Klärananlage erzeugt selbst Strom

Im Nachklärbecken erfolgt die Trennung von gereinigtem Wasser und Rücklaufschlamm, der sich abgesetzt hat. Der Schlamm erfüllt neben der Filterfunktion im Klärwerk noch eine andere wichtige Funktion. Nicht mehr benötigter Überschuss wird in einem 20 Meter hohen, ei-förmigen Turm bei 35 Grad gelagert. Dabei entsteht Klärgas, das in der klärwerkseigenen Stromanlage zur Erzeugung elektrischer Energie und Wärme genutzt wird. „Die Anlage muss dadurch nicht selbst Strom einkaufen“, so der Betriebsleiter.

Im Büro können die Mitarbeiter alle Vorgänge in der Kläranlage überwachen.
Im Büro können die Mitarbeiter alle Vorgänge in der Kläranlage überwachen. © Claudia Hübschmann

Zuletzt werden Proben genommen und im Labor analysiert, dann kann das Wasser – inzwischen ganz klar – in die Elbe fließen. Für 105.000 Einwohner ist die Kläranlage ausgelegt und damit aktuell fast komplett ausgelastet.

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