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Interessenten für Meißens Tierpark gesucht

Der Tierpark in Siebeneichen soll in eine neue gemeinnützige GmbH umgewandelt werden, um ihn weiter betreiben zu können.

Noch in privater Hand: Der Tierpark in Siebeneichen.
Noch in privater Hand: Der Tierpark in Siebeneichen. © Claudia Hübschmann

Meißen. Sein Nachfolger werde schon gesucht. So kam es dem Chef des Tierparks Meißen Heiko Drechsler in den vergangenen Tagen zu Ohren. Immer wieder wurde er darauf angesprochen. Für ihn ist das nur ein weiterer Mosaikstein in einem Bild, das für ihn die Entfremdung mit der Stadt über Jahre hinweg dokumentiert. „Ich hatte gehofft, dass die Stadtverwaltung auf mich zukommt, um mit mir darüber zu sprechen, wie es mit dem Tierpark weitergehen soll“, sagt Heiko Drechsler.

Ein solches Gespräch war eigentlich für die letzte August-Woche in Aussicht gestellt worden. Das gehörte zu den Vereinbarungen, die im Juni getroffen wurden, als die AG Tierpark des Stadtrates bei Heiko Drechsler in Siebeneichen zu Besuch war. Für den Chef der privat geführten Anlage mit 350 Tieren wäre das sehr wichtig gewesen: Zu diesem Zeitpunkt standen die Planungen für den Winter wie etwa die Bestellung des Futters an.

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Die Stadtväter aber ließen nichts von sich hören, sagt Heiko Drechsler. Aus der Zeitung erfuhr er vom Abschlussbericht, den die AG Tierpark Ende September im Stadtrat präsentierte. Darin wird u. a. vorgeschlagen, den Pachtvertrag mit Heiko Drechsler aufzulösen und den bislang privat geführten Tierpark in gemeinnütziger Trägerschaft zu betreiben. Mehrheitlich folgten die Stadträte der Empfehlung der Arbeitsgruppe und stimmten dafür, einen neuen Betreiber mit einem jährlichen Zuschuss von 100.000 Euro zu unterstützen.

„Ich hatte gehofft, dass die Stadtverwaltung auf mich zukommt“: Noch-Tierpark-Chef Heiko Drechsler.
„Ich hatte gehofft, dass die Stadtverwaltung auf mich zukommt“: Noch-Tierpark-Chef Heiko Drechsler. © Claudia Hübschmann

„Meine Liebe zum Tierpark ist erkaltet“ – so das bittere Fazit von Heiko Drechsler nach 18 Jahren seines Engagements in Meißen. Dass er den Tierpark durch Auftritte im Fernsehen und bei vielen unterhaltsamen Veranstaltungen über die Grenzen der Stadt hinaus bekannt gemacht hat, sieht er in Meißen nicht gewürdigt. Mehrfach habe er bei der Stadt um Hilfe gebeten, um Tierpfleger auch im Winter bezahlen zu können, wenn weniger Besucher kommen. Viele Jahre hat er auf tatkräftige Unterstützung beim Bau eines Spielplatzes im Tierpark warten müssen.

Corona und die wochenlange Sperrung der B 6, die am Tierpark in Siebeneichen vorbeiführt, ließen die Besuchszahlen und Umsätze noch mehr einbrechen als in schlimmsten Hochwasser-Zeiten. All das habe auch seiner Gesundheit zugesetzt, sagt der 57-Jährige. Auch deshalb habe er der Stadt seine Bereitschaft signalisiert, über die Zukunft des Tierparks zu reden. 

Vielleicht hätte dabei eine Überlegung aufgegriffen werden können, die von Frank Richter stammt, der vor zwei Jahren bei den OB-Wahlen für die Initiative "Bürger für Meißen – Meißen kann mehr!" kandidiert hatte:  Demnach läge die Zukunft des Tierparks in einem Betrieb der Stadt – denkbar wären eine Angliederung an den städtischen Bauhof oder an die Stiftung Soziale Projekte. Heiko Drechsler hätte sich die Tierpark-Leitung in einem Angestellten-Verhältnis durchaus vorstellen können, wie er sagt. 

Seit der Begegnung mit der AG Tierpark in Siebeneichen hat Heiko Drechsler nichts mehr aus dem Meißner Rathaus gehört.  Die Weichen für die Zukunft des Tierparks werden offenbar hinter seinem Rücken gestellt. Zu diesem Schluss kam er, als er davon hörte, dass die Stadt Interessenten für den Tierpark-Betrieb sucht. 

Die Stadt werde demnächst zu einer sogenannten Interessensbekundung aufrufen, bestätigt Stadtrat Tilo Hellmann (Linke). So sei es jetzt im Sozial- und Kulturausschuss, dem Tilo Hellmann angehört, vereinbart worden. Die Stadt hofft, dass sich im Zuge eines solchen Verfahrens Bewerber samt Vorstellungen zum Betrieb und zur Finanzierung des Tierparks melden. Dies wäre eine wichtige Voraussetzung für die beabsichtigte Gründung einer gemeinnützigen Tierpark-GmbH. Dies wird einige Zeit in Anspruch nehmen, weil dem Finanzamt gegenüber nachgewiesen werden muss, dass diese Gesellschaftsform eines Unternehmens nachhaltig und nicht auf Gewinne orientiert ist.

Unbedingt müsse der jetzige Tierparkleiter Heiko Drechsler in diesen Prozess einbezogen werden, auch um einem neuen Betreiber den Start zu ebnen, sagt Tilo Hellmann. Außerdem müsse Heiko Drechsler das ersetzt bekommen, was er als sein Eigentum und seine Eigenleistung in Siebeneichen eingebracht hat.

Heiko Drechsler hat bereits eine Summe genannt, um den Pachtvertrag mit der Stadt, der noch acht Jahre läuft, vorfristig aufzulösen und sein Eigentum und seine Eigenleistungen abzulösen. Diese Abstandszahlung beläuft sich nach seiner Rechnung auf 90.000 Euro.

Am 28. Oktober hat sich eine Gutachterin im Tierpark angekündigt. Sie wird im Auftrag der Stadt die Anlage in Augenschein nehmen – für ein Wertgutachten.

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