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Mehr Platz für Tote im Krematorium Meißen

Das Städtische Bestattungswesen baut eine unterirdische Leichenhalle. Den ungewöhnlichen Grund verrät Chef Jörg Schaldach.

Der Geschäftsführer des Meißner Krematoriums Jörg Schaldach steht vor der Grundsteinlegung für ein wichtiges Projekt seines Unternehmens.
Der Geschäftsführer des Meißner Krematoriums Jörg Schaldach steht vor der Grundsteinlegung für ein wichtiges Projekt seines Unternehmens. ©  Archivfoto: Claudia Hübschmann

Herr Schaldach, Ihr Unternehmen nimmt am 2. November ein wichtiges Vorhaben in Angriff. Worum handelt es sich?

Am Sonnabend, dem 1. November 1930, fand die Grundsteinlegung für das Krematorium Meißen mit geladenen Gästen statt. Über fast 20 Jahre hinweg war zuvor auf diesen Tag hingearbeitet worden. 90 Jahre später wird ein weiterer Grundstein gelegt. Diesmal ist es der Baubeginn für eine unterirdische Leichenhalle. Die Kapazität  wird um 17 Stellplätze ausgebaut. Es werden die Stellflächen für leere Särge vergrößert, zusätzlicher Lagerraum entsteht. Damit passt sich das Krematorium an die neuen und veränderten Umstände an.

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Welche sind das?

Mittlerweile wird deutlich mehr als die Hälfte der Verstorbenen in Deutschland eingeäschert - bei ungebrochen steigender Tendenz. Der Anteil an Feuerbestattungen fällt im Norden und Osten des Landes und in Großstädten höher aus als im Süden und Westen sowie in ländlichen Gebieten. Im Landkreis Meißen liegen wir mittlerweile bei 92 Prozent. Hinzu kommt ein steigender bürokratischer Aufwand.

Was meinen Sie damit?

Seitdem die EDV durchgängig in den öffentlichen Verwaltungen eingesetzt wird, ist die Bearbeitungszeit für Sterbeurkunden massiv angestiegen. Früher wurden die Stammbücher handschriftlich und die Urkunden mit Schreibmaschine ausgefüllt. Die Bearbeitungszeit lag bei einem Tag. Seit der Einführung der Computer erhöhte sich die Wartezeit schrittweise. Waren es um die Jahrtausendwende schon manchmal drei Tage, so benötigen die Standesämter jetzt bis zu einer Woche, um Sterbeurkunden fertigzustellen. In den Großstädten sind die Wartezeiten teilweise länger. Die hauptstädtischen Standesämter haben schon Bearbeitungszeiten von mehreren Wochen erreicht. Da die Kühlkapazitäten bei den privaten Bestattern nicht auf diese Entwicklung ausgelegt sind, müssen wir den Lagerraum erweitern.

Die Basis für den Bau eines Krematoriums in Meißen bildete 1911 die Gründung des hiesigen Feuerbestattungsvereins. Durch den Ersten Weltkrieg und die Inflation der Nachkriegsjahre musste das Vorhaben mehrfach verschoben werden. Am 1. November 1930 konnte
Die Basis für den Bau eines Krematoriums in Meißen bildete 1911 die Gründung des hiesigen Feuerbestattungsvereins. Durch den Ersten Weltkrieg und die Inflation der Nachkriegsjahre musste das Vorhaben mehrfach verschoben werden. Am 1. November 1930 konnte © Bestattungswesen Meißen

Auf welcher Basis und mit welchem Geld erfolgt der Ausbau der Anlage?

Die grundlegenden Beschlüsse wurden bereits 2001 und 2002 im Stadtrat gefasst. Seitdem wird regelmäßig gebaut. Das Projekt umfasst rund 1,5 Millionen Euro. Diese Summe haben wir aus Eigenmitteln erwirtschaftet. Eine Kreditaufnahme erfolgte in der Vergangenheit nicht und wird auch in Zukunft nicht erfolgen. Es ist also falsch - wie mitunter geschehen - die Frage von Investitionen mit dem Jahresgewinn in Verbindung zu bringen. Unsere Investitionen werden aus den erwirtschafteten Abschreibungen getätigt. Das notwendige Geld liegt deshalb bereits auf dem Betriebskonto bereit.

Wie sieht die technische Realisation aus?

Es werden Bohrpfähle in einer Tiefe von zwölf Metern gegründet und anschließend zwei Etagen als unterirdische Keller angelegt. Hier sollen zusätzlich Verstorbene gelagert werden. Das durchschnittliche Einäscherungsgewicht hat sich durch die veränderten Essgewohnheiten um zehn Kilogramm seit der Wende erhöht. Tendenziell ist immer noch ein Anstieg zu bemerken. Mit einer veränderten Organisation des innerbetrieblichen Transports können rückenschonende Arbeitsabläufe einfließen. Gleichzeitig kann die gleichmäßige Kühle der Erde energiesparend genutzt werden, um die Verstorbenen aufzubewahren.

Die Fertigstellung des Meißner Krematoriums schritt nach der Grundsteinlegung im Herbst 1930 zügig voran. Das Bild zeigt das Richtfest. Bereits 1931 konnten erste Probe-Einäscherungen vorgenommen werden. Die Feierhalle des Baus gestaltete der bedeutende M
Die Fertigstellung des Meißner Krematoriums schritt nach der Grundsteinlegung im Herbst 1930 zügig voran. Das Bild zeigt das Richtfest. Bereits 1931 konnten erste Probe-Einäscherungen vorgenommen werden. Die Feierhalle des Baus gestaltete der bedeutende M © Bestattungswesen Meißen

Von Kritikern aus Meißen und anderen Orten wird dem Städtischen Bestattungswesen immer wieder der Vorwurf gemacht, eine "Massen-Abfertigung" zu betreiben und Normen nicht einzuhalten. Was antworten Sie darauf?

Unser Unternehmen wurde 1911 als Feuerbestattungsverein gegründet und steht seit nunmehr 107 Jahren im Dienste des Menschen. In dieser langen Zeit konnte das Wirkungsfeld des Städtischen Bestattungswesens Meißen in territorialer wie auch in technischer Hinsicht wesentlich erweitert werden. Gerade das schafft die Möglichkeit, das Spektrum der Feuer- und Erdbestattungen durch eine tiefere Hinwendung zum Hinterbliebenen zu ergänzen. Dazu zählt in jüngster Zeit die Öffnung des Hauses als Kulturkrematorium, welches vielfältige Veranstaltungsangebote zur Beschäftigung mit den Themen Sterben, Tod und Bestattung macht. Letztlich schafft auch die bauliche Erweiterung die Voraussetzung für eine würdevolle Lagerung der Verstorbenen.

Bleibt die Frage nach den Abgasnormen.

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