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„Wir werden die Gemeinde einmal komplett aufgraben“

Bald beginnen die Bauarbeiten für das schnelle Internet in ganz Klipphausen. Noch nie wurde ein Verfahren so schnell durchgezogen.

Grundsteinlegung für Breitbandbau in Klipphausen, den die Gemeinde selbst vornimmt.
Grundsteinlegung für Breitbandbau in Klipphausen, den die Gemeinde selbst vornimmt. © Claudia Hübschmann

Klipphausen. Die Gemeinde ist Vorbild im Breitbandausbau. Bei der Grundsteinlegung diese Woche in Klipphausen hat Dirk Orlamünder, Abteilungsleiter Digitalisierung des sächsischen Wirtschaftsministeriums, die Kommune für ihren eingeschlagenen Weg für ein schnelles Internet gelobt. Denn sie entschied sich für das sogenannte Betreibermodell, bei dem die Kommune baut und das Netz dann vermietet. Für diese Variante entscheiden sich laut Orlamünder leider nur eine von vier Kommunen, obwohl es Vorteile bietet. „Das Netz bleibt in der Hand der Kommune. Damit hat sie strategischen Einfluss. Das ist wertvoll für die Kommune. Uns als Wirtschaftsministerium gefällt das sehr“, sagte er.

Seit vier Jahren bemüht sich Klipphausen intensiv um den Bau. Schon damals war der heutige Bürgermeister Mirko Knöfel (parteilos) als IT-Experte involviert. Es begann mit einer Machbarkeitsstudie. Eines war schon unter Alt-Bürgermeister Gerold Mann klar: Es sollten alle Bürger an das Netzt angeschlossen werden. Bereits damals wurde schon in der Gemeinde auf Glasfaser gesetzt und nach Fördermöglichkeiten dafür gesucht, berichtete Knöfel. „Das war nicht einfach. Einige Tiefschläge mussten wir verkraften“.

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Am 1. September dieses Jahres konnte nun das erste Baulos vergeben werden. Start der Bauarbeiten werde Ende Oktober sein, sagte Uli Thurmann, Geschäftsführer von Rhön-Montage aus dem bayrischen Frammersbach. Bis dahin haben Hauseigentümer, die ihren Gestattungsvertrag noch nicht unterschrieben haben, Zeit, dies nachzuholen. Eigentlich ist der Termin schon verstrichen, „aber wir nehmen jeden mit“, betonte Bürgermeister Knöfel. Wichtig sei nur, dass dies vor Baubeginn noch geschehe. Derzeit sind 3.000 Verträge an die Gemeinde unterschrieben zurückgeschickt worden, 700 fehlen noch. Einen Einfluss auf das Bauvorhaben der Gemeinde hat das aber nicht.

Der Breitbandausbau kostet mehrere Millionen

Der Vertrag mit dem späteren Betreiber Vodafone wurde nun offiziell unterschrieben. „Die Kommune ist ein Vorbild“, sagte Vodafone-Vertriebsleiter Stefan Andrien. Im Mai hatte das Unternehmen den Zuschlag der Gemeinde bekommen. „Normalerweise dauert es dann sechs bis acht Monate, bis wir in die Vermarktung gehen können. Wir haben einen mega-kompetenten Bürgermeister, der Planer ist sehr kompetent. Alle haben ihre Hausaufgaben gemacht. Deshalb ist es das erste Mal, dass ein Verfahren so schnell ging“, sagte Andrien.

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Mit den Bauarbeiten wird im Bereich des Klipphausener Gewerbegebietes begonnen. Zwar gibt es dort nicht so viele weiße Flecken, „aber dort haben wir den Anschluss an den Versorger“, erklärte Knöfel die Entscheidung. Von Klipphausen aus wird weiter nach Röhrsdorf gebaut. Danach geht es sternenförmig in die Ortschaften. „Wir werden einmal komplett die Gemeinde aufgraben“, sagte Knöfel. Insgesamt werden 260 Kilometer Trasse gebaut, 330 Kilometer Rohre verlegt, 1.000 Kilometer Kabel gezogen. Es wird 180 Schächte und Verteilerstationen geben. Ein Mammutprojekt. Nicht nur hinsichtlich Bauvolumen, sondern auch Kosten. So sprach Knöfel bei aller Freude auch den „Wermutstropfen“ an, den die Gemeinde zu verdauen hat. „Von anfangs in der Planung bei 20 Millionen Euro liegen wir jetzt bei 35 Millionen Euro.“ 90 Prozent werden gefördert. Zehn Prozent der Kosten trägt die Kommune, ein Kredit wurde aufgenommen. In diesem Zusammenhang bedankte sich der Bürgermeister beim Gemeinderat. Denn ohne seine Zustimmung wäre das nicht möglich. 2023 sollen die Bauarbeiten fertig sein.

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