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Zum Scheitern verurteilt?

Fünf Engagierte wollen eine Kita auf einem Bauernhof ins Leben rufen. Doch die Hürden sind enorm. Sie wünschen sich Hilfe.

Magdalene Richter, Luise Steul und Rabea Ulrich (v.l.) sind drei der fünf Initiatoren, die auf dem Hof Mahlitzsch einen Bauernhof-Kindergarten gründen wollen.
Magdalene Richter, Luise Steul und Rabea Ulrich (v.l.) sind drei der fünf Initiatoren, die auf dem Hof Mahlitzsch einen Bauernhof-Kindergarten gründen wollen. © Claudia Hübschmann

Nossen. Eine etwas bizarr wirkende Tür steht auf dem Gelände des Bio-Bauernhofes in Mahlitzsch. Mit Symbolcharakter. Auf einem Schild steht mit großen Buchstaben geschrieben: Mahlinki. Fünf junge Leute wollen seit mehr als zwei Jahren einen Bauernhof-Kindergarten gründen. Vier Frauen und ein Mann. Alle vom Fach, Erzieher- oder Kindheitspädagogik-Ausbildung. Im Herbst 2018 starteten sie mit der Initiative. Doch der anfänglich enorme Enthusiasmus wurde durch Bürokratie inzwischen ausgebremst.

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Immer wieder kommen Anfragen, wann es denn nun endlich losgeht. „Die Eltern scharren schon mit den Füßen“, sagt Rabea Ulrich. Sie ist, wie Luise Steul, auf dem Hof aufgewachsen. Die Idee: 20 Kinder ab drei Jahre, ein Bauwagen, gemeinsam das Landleben erkunden, Zusammenhänge erforschen, Feuer machen, Tiere versorgen, eigenes Brot backen. Die Bio-Hofgemeinschaft stimmt dem Vorhaben zu. Das Kreisjugendamt beriet schon 2019 die Initiatoren, machte Mut, die Idee sei toll.

Doch dann folgen die ersten Hürden: Ein Träger muss gefunden, die Finanzierung geklärt werden. Aber braucht die Stadt Nossen überhaupt noch Kindergartenplätze? Wichtiger sind Krippenplätze. Doch für jüngere Kinder sind feste Räume verpflichtend. Und dann gibt es auch noch die Rahmenbedingungen in Sachsen. Das Gefühl macht sich breit, einen Schritt nach vorn und zwei zurück zu machen.

„Wir haben jetzt das Gefühl, dass man nur Hindernisse bekommt.“

Das Jahr 2020: Die Initiatoren kämpfen weiter. Ein Verein wird gegründet, um Spenden zu sammeln. Auch ein Elternabend findet statt. Dann erschwert auch noch die Corona-Pandemie alles. Gespräche werden immer schwieriger. Im Sommer gibt es ein Treffen mit der Nossener Stadtverwaltung: „Die Stadt ist uns entgegengekommen und wollte uns im Bedarfsplan aufnehmen. Wir hatten eine mündliche Zusage bekommen“, erzählt Rabea Ulrich. „Der Beschluss sollte im September vorigen Jahres im Stadtrat erfolgen.“ Doch dazu kam es nicht. „Das Landesjugendamt habe nicht zugestimmt“, so die Begründung damals, sagt sie und ergänzt enttäuscht, „wir kennen bis heute nicht die Gründe.“ Einziger Lichtblick: Es sollte ein Gespräch mit dem Landesjugendamt stattfinden. Doch dazu ist es nie gekommen. „Wir haben jetzt das Gefühl, dass man nur Hindernisse bekommt“, sagt Luise Steul.

Was sagen die Jugendämter?

Auf SZ-Nachfrage beim sächsischen Sozialministerium – bei dem das Landesjugendamt angesiedelt ist –, warum es zu diesem Treffen nicht gekommen sei, heißt es: „Der richtige Ansprechpartner wäre das Jugendamt des Landkreises, welches für die Planung eines bedarfsgerechten Angebotes an Kindertagesbetreuung nach Bundesrecht zuständig ist. Sicher kann auch die Stadt Nossen Auskunft geben, die an der Planung des bedarfsgerechten Angebotes zu beteiligen ist und die für die Umsetzung und Finanzierung verantwortlich ist.“

Beim Kreisjugendamt angefragt, teilte dies unter anderem mit: „Der Beratungstermin am 24. September 2020 mit dem Landesjugendamt, dem Kreisjugendamt, Vertretern des Stadtrates und den Initiatoren des Mahlinki e.V. wurde durch das Landesjugendamt Sachsen abgesagt.“ Mit dieser Aussage konfrontiert, antwortete das sächsische Sozialministerium: „Leider ist uns nicht ganz klar, welcher Termin gemeint ist.“ Verwirrend, wussten doch die Initiatoren und das Kreisjugendamt davon.

Laut Sozialministerium hätte die Stadtverwaltung 2020 beim Landesjugendamt nachgefragt, ob es bezüglich der Aufnahme der Bauernhofkindergarten-Initiative in die Bedarfsplanung beraten könne. „Dem Landesjugendamt obliegt es jedoch nicht, hinsichtlich der Aufnahme einer Einrichtung in den Bedarfsplan zu beraten“, heißt es weiter. Die Initiatoren sollen sich laut Landesjugendamt an die Stadt Nossen wenden.

Der Ball scheint nun bei der Stadt zu liegen

Unbefriedigend für die Initiatoren. Seit Ende September 2020: Still ruht der See. Inzwischen gab es einen Amtswechsel an der Spitze des Nossener Rathauses. Den neuen Bürgermeister Christian Bartusch (SPD) angefragt, was die Stadt und die Initiatoren machen können, um das Bauernhofkindergarten-Projekt voranzutreiben, antwortete er: „Leider kann ich zum Projekt Mahlinki noch keine konkreten Aussagen tätigen.“ Seitens der Stadt sei noch zu ermitteln, ob und wo ein zusätzlicher Bedarf an Krippen- und Kindergartenplätzen bestehe. „Hiermit wird sich der Stadtrat zu gegebener Zeit auseinandersetzen.“ Und genau mit der Aufnahme in den Bedarfsplan steht und fällt das Projekt. „Die ist wichtig, damit wir uns finanzieren können“, sagt Magdalene Richter. Trotzdem: Aufgeben gibt es nicht. Deshalb auch die Tür an der Straße: „Wir wollen damit ein Zeichen setzen: Uns gibt es noch“, sagt Rabea Ulrich.

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