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Meißen revanchiert sich

Der Gewerbeverein startet eine Hilfsaktion für die vom Hochwasser betroffenen Gebiete im Westen. Wenn Schlamm und Müll weggeräumt sind, soll sie wirken.

Wie sich die Bilder gleichen: So wie jetzt in Rheinland-Pfalz und in Nordrhein-Westfalen sah es 2002 auch in Meißen aus. Damals kam die Hilfe aus dem Westen, jetzt aus dem Osten.
Wie sich die Bilder gleichen: So wie jetzt in Rheinland-Pfalz und in Nordrhein-Westfalen sah es 2002 auch in Meißen aus. Damals kam die Hilfe aus dem Westen, jetzt aus dem Osten. © Claudia Hübschmann

Meißen. Die Flutkatastrophe in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz lässt Erinnerungen an unsere Hochwasser von 2002 und 2013 hochkommen. Mit diesen Worten wandte sich der Chef des Gewerbevereins Meißen Uwe Reichel am Dienstagabend an seine Gäste. Viele könnten das Ganze nachvollziehen, „denn an die Schäden können wir uns noch ganz genau erinnern“, sagte er beim Sommerfest, zu dem der Verein in die Weinerlebniswelt der Winzergenossenschaft geladen hatte.

Unter den 80 Gästen, die der Einladung folgten, waren Oberbürgermeister Olaf Raschke, Georg Prinz zur Lippe, der Chef des Meißner Polizeireviers Peer Bartel, Superintendent Andreas Beuchel, die Geschäftsführerin der Elbland Philharmonie Sachsen Carola Gotthardt, Albrechtsburg-Schlossherr Uwe Michel, SEEG-Chefin Birgit Richter sowie Unternehmer, Gewerbetreibende und Stadträte.

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Uwe Reichel nutzte dieses zwanglose Zusammentreffen innerhalb des Vereins, das seit dem Neujahrsempfang 2020 erstmals wieder möglich war, um zur Hilfe für die vom aktuellen Hochwasser Betroffenen aufzurufen. „Wir wollen als Gewerbeverein zwei Vereinen in den am schlimmsten betroffenen Regionen helfen und Geld zur Verfügung stellen, damit die Händlergemeinschaften dort sich vorbereiten können und pünktlich nach dem Reinigen und Aufbauen wieder für ihre Region werben können“, sagte er, „damit – wie bei uns vor acht Jahren – Handel und die Gastronomie wieder von den Umsätzen leben können“.

Gemeinsam mit Weinprinzessin Ann-Kathrin Schatzl hatten Uwe Reichel (r.) und Andreas Krause vom Vorstand des Gewerbevereins 80 Gäste zum Sommerfest begrüßt.
Gemeinsam mit Weinprinzessin Ann-Kathrin Schatzl hatten Uwe Reichel (r.) und Andreas Krause vom Vorstand des Gewerbevereins 80 Gäste zum Sommerfest begrüßt. © Claudia Hübschmann

So könne sich der Verein revanchieren für die Hilfe, die Meißner Händlern und Gewerbetreibenden 2013 aus vielen Gegenden der Bundesrepublik zuteil wurde. „Wir hatten damals die Idee, bei vielen Gewerbevereinen um Spenden zu bitten“, berichtete Uwe Reichel. Diese Bitte war verbunden mit der Mitteilung, wofür das Geld verwendet werden soll. So gab es ein paar Ideen, um die Werbung anzukurbeln. Viele der materiellen Schäden durch die Fluten ließen sich mit staatlicher und Hilfe aus privater Hand teilweise kompensieren. Damit aber die Geschäfte nach dem Aufräumen wieder anliefen und Händler und Gewerbetreibende wieder von den Umsätzen leben können, bedurfte es gezielter Werbung für Meißen, so die Überlegung im Vereinsvorstand.

Die Resonanz war riesengroß: Etwa 35.000 Euro gingen beim Gewerbeverein ein. Mit vielen Partnern konnten verschiedene Werbeaktionen gestartet werden, nachdem der Schlamm und die Schäden beseitigt waren. Uwe Reichel erinnerte an die erste Sommer-Kneipennacht 2013. Aus den Spenden konnten Werbung und Musiker bezahlt werden. Auch eine Aktion, bei der frankierte Postkarten an die Meißner Haushalte verteilt wurden – mit der Bitte, damit Verwandte, Freunde und Bekannte zu einem Besuch nach Meißen einzuladen –, wurde möglich. Ebenso konnte die Werbung für die Weihnachtsstadt Meißen mit diesen Spenden finanziert werden.

Die Geldspenden, um die der Gewerbeverein jetzt bittet, sind für je eine Händlergemeinschaft in NRW und Rheinland-Pfalz gedacht, kündigte Uwe Reichel an. Er nannte das Gebiet um Bad Neuenahr-Ahrweiler sowie den Raum Erftstadt – wo die größten Schäden zu beklagen sind. Auf den Tischen lagen bereits Flyer mit der Kontonummer des bei der Sparkasse Meißen eingerichteten Spendenkontos zur Hilfe für die Opfer in den Katastrophengebieten. Dieses Konto solle genutzt werden, um den Aufwand gering zu halten, sagte Uwe Reichel. Um später Bilanz ziehen zu können, soll die Überweisung mit dem Kennwort Gewerbeverein Meißen versehen werden.

Wie Uwe Reichel informierte, hat der Verein bereits zwei Trockner in die westdeutschen Katastrophengebiete entsandt. Sie wurden Mitgliedern des Gewerbevereins zur Verfügung gestellt, die mit diesen Geräten Verwandten oder Bekannten helfen. Auch eine Ferienwohnung in Meißen steht für einen Monat kostenlos zur Verfügung, um Betroffenen zu helfen.

Oberbürgermeister Olaf Raschke lobte die Aktion des Gewerbevereins. Er erinnerte an die Jahre 2002, 2006, 2013 und 2014, in denen Meißen von Hochwassern und einer Schlammflut heimgesucht wurde, die Millionenschäden in der Stadt anrichteten. „Wir hatten Glück, dass hier keine Menschenleben zu beklagen waren“, fügte er angesichts der vielen Toten bei der aktuellen Katastrophe in Westdeutschland hinzu.

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Wenn Schlamm und Müll beseitigt sind, werden in den betroffenen Kommunen große Anstrengungen zum Wiederaufbau notwendig sein. Das erfordere viel Kraft und Zeit. So seien in Meißen zum Beispiel die Maßnahmen zum Wiederaufbau und Hochwasserschutz nach der Flut von 2002 erst im Jahr 2018 erledigt gewesen.

Für die Hochwasser-Opfer in Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen und Sachsen hat die Sparkasse Meißen dieses Konto eingerichtet:

IBAN: DE21 8505 5000 9871 8718 70
Verwendungszweck: Hochwasser 2021

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