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"Meißner Krankenhaus wieder im Normalbetrieb"

Die Pandemie macht dem Elblandklinikum aktuell weniger Arbeit. Durch modulare Isolationseinheiten ist es vorbereitet. Das gilt bei Bedarf auch für das Impfen.

Die Elblandkliniken haben die Behandlung von Corona-Patienten in ihrem Meißner Haus konzentriert und sind damit gut gefahren.
Die Elblandkliniken haben die Behandlung von Corona-Patienten in ihrem Meißner Haus konzentriert und sind damit gut gefahren. © Claudia Hübschmann

Meißen. Zusammen mit Verwaltungschef Hasan Akgün hat jetzt der ärztliche Direktor des Elblandklinikums Meißen, Martin Wolz, eine Bilanz der vergangenen Corona-Monate gezogen und blickt im Gespräch mit Sächsische.de auch nach vorn.

Herr PD Dr. med. Martin Wolz, die Elblandkliniken erleben das zweite Jahr der Corona-Pandemie. Wie sind die Häuser bisher durch die schwierige Zeit gekommen?

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Im Herbst kämpfen viele Menschen mit Viren und Co. Mit den richtigen Maßnahmen wird Schlimmeres verhindert.

Wir haben in den Elblandkliniken die Besonderheit, die Corona-Patienten von Anfang an konzentriert am Standort Meißen zu behandeln. Diese Entscheidung hat sich im Nachhinein als richtig und gut herausgestellt. So sind wir in den Wochen und Monaten nach dem Jahreswechsel, als der Landkreis Meißen teils deutschlandweit die höchsten Infektionszahlen verzeichnete, handlungsfähig geblieben und konnten in Riesa und Radebeul mit Einschränkungen Normalbetrieb fahren. Trotzdem hatten wir durch die Pandemie auch bei unseren Mitarbeitern größere krankheitsbedingte Ausfälle, im Bereich der Pflege in Summe circa 50 Prozent. Dabei ist gerade der Umgang mit Corona-Erkrankten sehr personalaufwändig.

Wie macht sich das bemerkbar?

Die stationär eingewiesenen Patienten waren überwiegend schwer krank und das in sehr komplexer Art und Weise, häufig mit Beatmung verbunden. Gerade auf der Intensivstation gab es dadurch deutlich mehr zu tun als sonst üblich. Alle haben ihr Möglichstes gegeben, wobei wir aufgrund des fehlenden Informationsrücklaufs aktuell nicht sagen können, wie es für die Patienten im Anschluss an den Krankenhausaufenthalt weiterging. Trotzdem bleibt die bittere Bilanz, dass - je nach Zeitraum - jeder vierte bis fünfte Patient mit Virusnachweis an Corona gestorben ist.

Chefarzt PD Dr. med. Martin Wolz konnte den Betrieb, der als Stroke Unit bezeichneten speziellen Schlaganfall-Station, über alle Corona-Wellen hinweg bislang weitgehend aufrechterhalten.
Chefarzt PD Dr. med. Martin Wolz konnte den Betrieb, der als Stroke Unit bezeichneten speziellen Schlaganfall-Station, über alle Corona-Wellen hinweg bislang weitgehend aufrechterhalten. © SAE Sächsische Zeitung

Was lässt sich aktuell zur Lage speziell in Meißen sagen?

Noch ist die Situation entspannt. Wir hatten in letzter Zeit höchstens einstellige Zahlen an Corona-Patienten. Aus den Erfahrungen von 2020 und Anfang 2021 heraus haben wir ein modulares System aufgebaut, mit dem wir bei erhöhtem Bedarf weitere Isolationsbereiche nach und nach in Betrieb nehmen können. Die baulichen Voraussetzungen sind da und die Abläufe organisiert. Wir gehen davon aus, dass aufgrund der guten Impfquote beziehungsweise der hohen Zahl der Genesenen die Lage beim Personal nicht erneut eine solche Zuspitzung erfährt wie während der vergangenen Wellen.

Im Prinzip funktioniert also auch in Meißen wieder der Normalbetrieb?

Ja, und zwar schon längere Zeit. In vielen Bereichen laufen zudem bereits wieder Zertifizierungprozesse. Wir hoffen, mit der Allgemein- und Viszeralchirurgie in Meißen unter Chefarzt Prof. Dr. med. Oliver Stöltzing, erneut auf der aktuellen Focus-Bestenliste vertreten zu sein. Das Elblandzentrum für Orthopädie und Unfallchirurgie entfaltet mittlerweile hausübergreifend seine Kompetenz bei Wirbelsäulenerkrankungen. Beim Endoprothetik- und beim Traumazentrum stehen die Re-Zertifizierungen an. Uneingeschränkt lief über den gesamten Zeitraum der Pandemie die Schlaganfallbehandlung weiter. Durch die Einbindung in das Neurovaskuläre Netzwerk und das Parkinson Netzwerk Ostsachsen hat sich die Behandlungsqualität auch auf diesen Gebieten weiter auf hohem Niveau gehalten.

Wie schaut es bei der Geburtshilfe aus?

Hier sind wir sehr glücklich wieder in Präsenz Geburtsvorbereitungskurse und Elternabende anbieten zu können. Für werdende Eltern sind die vergangenen Monate tatsächlich nicht so einfach gewesen.

Mit der Neubesetzung des Verwaltungschefpostens durch Hasan Akgün ist das Meißner Team um den Ärztlichen Direktor Martin Wolz und Pflegedirektorin Bianca Svoboda seit Sommer wieder komplett.
Mit der Neubesetzung des Verwaltungschefpostens durch Hasan Akgün ist das Meißner Team um den Ärztlichen Direktor Martin Wolz und Pflegedirektorin Bianca Svoboda seit Sommer wieder komplett. © Claudia Hübschmann

Herr Verwaltungsdirektor Hasan Akgün, welche Änderungen haben Sie durch die Herausforderungen der Pandemie in den Elblandkliniken bemerkt?

Ein Effekt für mich ist ein noch besserer Zusammenhalt innerhalb der Mitarbeiterschaft, aber auch zwischen den Kliniken. Alle haben bemerkt, dass sie aufeinander angewiesen sind und sich helfen – dies betrifft nicht nur die Mitarbeiter am Standort Meißen, sondern auch der anderen Kliniken, Personal war hier hausübergreifend im Einsatz. Mit dem von der normalen Notfallambulanz abgetrennten Infektionsbereich wurde eine sinnvolle Struktur geschaffen, um das Ansteckungsrisiko zu minimieren. Das trifft ebenso auf die jetzt modular einzurichtenden Isolationsräume zu.

Aus manchen Unternehmen wurde von Schwierigkeiten beim Abschluss der Ausbildung berichtet. Mussten Sie ähnliche Erfahrungen machen?

Nein, überhaupt nicht. Alle Auszubildenden haben ihre Lehre bestanden und sind, so es gewünscht war, auch übernommen worden. Ganz neu bilden wir Notfallsanitäter für die Notfallambulanz aus. Wie ich aus der Personalabteilung höre, kommen auch viele Praktikumswünsche herein, und wir registrieren mehr Bewerbungen für den Intensivbereich. Das finde ich in insofern erstaunlich, da in den Medien immer einmal die Rede davon war, dass die Pandemie auf diesem Gebiet zu einer erhöhten Fluktuation beim Personal führen könnte.

Herr Dr. Wolz, da das Unternehmen sehr schnell gehandelt hat, konnte es schon sehr früh im Laufe des Jahres 2020 auf eigene Technik zum Testen zurückgreifen. Wie hat sich diese bewährt?

Mittlerweile liegen zu dieser Frage bereits wissenschaftlich belastbare Auswertungen in einem renommierten Fachmagazin vor. Wir haben ja sehr frühzeitig doppelt getestet, mit Schnell-Tests und PCR-Tests, was die Sicherheit nachweislich deutlich erhöht hat. Wir halten auch weiterhin an unserem strikten Besuchsregime fest. Manchmal trifft dies auf Unverständnis. Unser Ziel besteht jedoch darin, die Risiken sowohl für die Patienten als auch das Personal so gering wie möglich zu halten. Auf diese Weise ist es gelungen, größere Ausbrüche in der Klinik zu vermeiden.

Steht genügend Material bereit, wenn die vierte Welle sich doch ernster entwickeln sollte?

Die Elblandkliniken haben dazu ein externes Lager angemietet und entsprechende Vorräte angeschafft. Ich gehe davon aus, dass alles im ausreichenden Ausmaß vorhanden ist.

Momentan wird diskutiert, wie es mit dem Impfen weitergehen soll. Könnten Sie als Elblandkliniken einspringen?

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