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Ein Herz für Tiere

Aus einer zugelaufenen Katze auf einem Gehöft wurde eine Katzenfamilie. Aber dort konnte sie nicht bleiben.

In der Hundehütte wurden die Kätzchen während der Pfingstfeiertage geboren.
In der Hundehütte wurden die Kätzchen während der Pfingstfeiertage geboren. © Claudia Hübschmann

Meißen. Drollig sind sie die kleinen Knäuel anzuschauen: fünf Katzenbabys. Ihre Mutter wacht über die niedlichen Kleinen und achtet darauf, dass ihren Jungen niemand zu nahe kommt. Pfingsten wurden die Kätzchen geboren – in einer Hundehütte auf dem Grundstück von Monika Motzek.

Wenige Tage zuvor war die streunende Katze hier plötzlich aufgetaucht: „Das Tier war völlig verängstigt, wahrscheinlich ist es misshandelt worden“, berichtet Monika Motzek. Sie kennt sich aus – mehr als 20 zugelaufene Katzen hatte sie in ihrem Leben schon bei sich aufgenommen.

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„Aber jetzt geht das nicht mehr“, fügt die Meißnerin hinzu. Mit dem Hinweis auf ihr Alter und gesundheitliche Probleme erklärt die 75-Jährige, warum sie sich um die Katzenfamilie nicht auf Dauer kümmern kann. Aber die Tiere einfach ihrem Schicksal überlassen – nein, das bringt die Tierliebhaberin einfach nicht übers Herz.

Naheliegend schien Frau Motzek, sich an das nächstgelegene Tierheim zu wenden. Sie rief im Tierheim Meißen, in Winkwitz, an. Dort sind derzeit etwa 40 Katzen in Pflege. Gerne hätte man Frau Motzek geholfen, aber das Winkwitzer Tierheim ist nicht zuständig. Der Umgang mit zugelaufenen, aufgefundenen oder herrenlosen Tieren ist in Vereinbarungen mit den Kommunen geregelt. Mit der Stadt Meißen gibt es eine solche nicht. Das Winkwitzer Tierheim hat sich an die Nossen, Thiendorf, Radeburg und Diera-Zehren gebunden.

Monika Motzek ist sehr tierlieb und hat sich bereits um mehrere Katzen gekümmert. Nun macht sie sich Sorgen um eine ausgesetzte Katze, die bei ihr Junge zur Welt brachte.
Monika Motzek ist sehr tierlieb und hat sich bereits um mehrere Katzen gekümmert. Nun macht sie sich Sorgen um eine ausgesetzte Katze, die bei ihr Junge zur Welt brachte. © Claudia Hübschmann

Wer ist zuständig?

Meißner Fundtiere werden nach Niederau vermittelt. Dazu wurde eine Vereinbarung mit der dortigen Tierpension geschlossen, die seit Beginn dieses Jahres gilt, heißt es aus dem Rathaus. Ehe über eine Aufnahme entschieden werden kann, bedarf es nach den geltenden Rechtsvorschriften einer Meldung beim Fundbüro. Dann entscheidet die Stadt. Sie kann die Tierpension beauftragen, das gefundene Tier aufzunehmen. Meldet sich innerhalb von sechs Monaten kein Eigentümer, erlischt dessen Besitzanspruch, und das Tier kann an ein neues Herrchen oder Frauchen vermittelt werden.

Die meisten der etwa 250 Fundtiere, die im Verlauf eines Jahres in der Stadtverwaltung gemeldet werden, sind Hunde und Katzen. Bei Hunden, die nach den Vorschriften als gefährliche Tiere gelten, müssen Stadt und Tierpension sofort handeln: Das Tier wird unmittelbar nach der Fund-Meldung in die Pension gebracht. Bei streunenden und herrenlosen Katzen ist die Stadtverwaltung aber nicht zuständig – denn sie gelten nicht als Fundtiere. Und damit greifen die Paragrafen des Bürgerlichen Gesetzbuches nicht, die den Umgang mit Fundsachen festlegen.

Lücke im Ortsrecht

Hier zeigt sich eine Lücke im Meißner Ortsrecht. Die Stadt hat keine Satzung, die den Umgang mit aufgefundenen Tieren, die nicht als gefährlich gelten, regelt. Damit gibt es – außer allgemeinen Bestimmungen – keine Kriterien, die bei Entscheidungen im Einzelfall einen Ermessensspielraum zuließen. Wie dem von Frau Motzek. Denn hier ist nicht geregelt, wer die Kosten für die Aufnahme und Betreuung der Kätzchen übernimmt. Die Stadträte sollten sich mit Fällen wie diesem befassen.

Monika Motzek, der das Gehen schwerfällt, schaute in der vorigen Woche regelmäßig in die Hundehütte auf ihrem Hof. Die hatte sie eingerichtet, damit Igel darin überwintern können. Die Katzenfamilie schien sich bei ihr wohlzufühlen, noch. Aber wenn die kleinen Kätzchen größer werden, sind sie hier in der Gegend am Steinweg, wo allerhand Waschbären unterwegs sind, in Gefahr. Auch deshalb wäre es Monika Motzek am liebsten, wenn die Kätzchen ein neues Zuhause fänden.

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Hilfe kam am Wochenende von der Tierpension – ganz unbürokratisch. Deren Leiter Karlheinz Heyne hat sich bei Monika Motzek gemeldet und die Katzenkinder abgeholt. In Niederau fanden die Kätzchen ein neues Heim. Damit ist der Meißner Tierliebhaberin eine große Sorge genommen. Als Dankeschön lässt sie der Tierpension eine Spende zukommen.

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