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Ergebnisse zu Gestank bei Schaumaplast

Die Geruchsstunden bei dem Unternehmen in Nossen liegen unter den Grenzwerten. Gesundheitliche Auswirkungen lassen sich nur schwer beurteilen.

Anwohner von Schaumaplast in Nossen kritisieren immer wieder Gestank und gesundheitliche Probleme durch Abluft aus dem Unternehmen.
Anwohner von Schaumaplast in Nossen kritisieren immer wieder Gestank und gesundheitliche Probleme durch Abluft aus dem Unternehmen. ©  Archiv/Claudia Hübschmann

Nossen. Das Nossener Unternehmen Schaumaplast überschreitet die gesetzlich zulässigen Geruchsstunden innerhalb eines Jahres nicht. Dies hat am Freitagmorgen das Landratsamt Meißen (LRA) mitgeteilt. Somit sei der Nachweis erbracht worden, dass bezogen auf die Geruchshäufigkeit innerhalb eines Jahres die Grenzwerte durch die Firma nicht verletzt würden.

Erfreut über diese Entwicklung äußerte sich am Freitagnachmittag Schaumaplast-Geschäftsführer Bernhard Hauck: „Das Ergebnis der Messungen des LRA entspricht unseren Erwartungen und bestärkt uns in unserer Meinung, dass wir von Anfang an alle gesetzlichen Auflagen vollumfänglich erfüllt und teilweise sogar übererfüllt haben, um eine eventuelle Beeinträchtigung der Bewohner möglichst ausschließen zu können", so der Manager. Es sei gut, dass dies nun erneut von einer neutralen Stelle untermauert werden konnte. Die Firma blicke nach vorn und hoffe, dass sich das Gewerbegebiet in Nossen zukünftig weiter entwickeln könne.

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Landratsamt bringt sich ein

Seit dem Jahr 2017 verfolgen die Medien in Abständen die Kritik der Anwohner vom Augustusberg in Nossen. Bei den Beschwerden handelt es sich sowohl um Geruchsbelästigungen, als auch um die Sorge vor gesundheitlichen Schäden durch die Abluft des Styropor-Herstellers.

Das Landratsamt Meißen als zuständige Immissionsschutzbehörde hat sich der Problematik angenommen und arbeitet  mit Beschwerdeführern, Firma und Fachbehörden an einer Lösung. Allerdings gebe es in Sachsen beziehungsweise Deutschland nur mangelhafte gesetzliche Grundlagen, so die Behörde.

Wie es vom Landkreis heißt, konnten nach entsprechenden organisatorischen und fachlichen Vorbereitungen am 3. und 4. Juli 2018 durch die Staatliche Betriebsgesellschaft für Umwelt und Landwirtschaft (BfUL) 16 Geruchsproben an mehreren Emissionsquellen auf dem Dach von Schaumaplast gezogen und die Analyseergebnisse per Messbericht dem Landratsamt Meißen übergeben werden. Die Beurteilung von Geruchsbelästigungen basiert auf der Geruchsimmissionsrichtlinie (GIRL), die den Anteil der Geruchsstunden an den Stunden eines ganzen Jahres (8.760 Stunden) limitiert. Für Wohngebiete liegt die Grenze bei  zehn Prozent.

Es musste im Landratsamt eine Methode erarbeitet werden, welche den Produktionsprozess und die sich ergebenden Geruchsemissionen für ein ganzes konkretes Jahr abbildet. Ein entsprechendes Modell lag dazu nicht vor. Aus den 8.760 Stunden eines Jahres und über 80 unterschiedlichen Geruchsquellstärken musste eine Tabelle mit etwa 750.000 Werten per Hand erstellt werden. Die Geruchsausbreitungsrechnung wurde mit mehreren Rechengängen durch das Sächsische Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) bis Mitte 2020 ausgeführt.

Einflüsse auf Gesundheit schwer zu beurteilen

Während zum Geruchsproblem nun ein Ergebnis vorliegt, steht dies für mögliche gesundheitliche Beschwerden noch aus. "Mangels geeigneter rechtlicher Bewertungsgrundlagen gestaltet sich eine Beurteilung der vorgebrachten starken gesundheitlichen Beeinträchtigungen für das Landratsamt sehr schwierig", teilt die Behörde mit. Trotzdem wurden Immissionsmessungen bei den Anwohnern veranlasst und im September 2020 durchgeführt. Die Resultate stehen noch aus.

Weil das Landratsamt, die von den Beschwerdeführern vorgebrachten Beeinträchtigungen sehr ernst nimmt, wird der Pressemitteilung vom Freitagmorgen zufolge weiter nach Wegen gesucht, die Differenzen zwischen der Firma Schaumaplast und ihren Nachbarn zu minimieren.

Unterdessen hat das Thema auch seinen Weg in die Politik gefunden. Der für die SPD im Landtag sitzende Meißner Politiker Frank Richter plant für den 30. September eine Bürgerversammlung. 

Abgasreinigung in der Schweiz

Schaumaplast stellt sogenanntes expandierbares Polystyrol (EPS), besser bekannt als Styropor, her. Bei dessen Produktion werden das Treibmittel Pentan und das geruchsintensive Styrol freigesetzt. Letzteres hat einen süßlichen Geruch, Pentan ist fast geruchsfrei. Beide Stoffe gelten in größeren Mengen als gesundheitsgefährdend und umweltschädlich. Wenn sie nicht von freier Luftströmung erfasst werden, breiten sie sich bodennah wie eine Schwergaswolke aus.

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Bislang gibt es nur Messungen hinsichtlich einer Belästigung durch Gerüche. Das Prüfen auf Schadstoffe ist schwierig.

Während beispielsweise in der Schweiz derartige Anlagen mit Abgasreinigung betrieben werden und es Vorgaben zur Pentan-Erfassung gibt, ist dies in Deutschland nicht der Fall. Sie sind nach Bundes-Immissionsschutzgesetz (BImSchG) nicht genehmigungsbedürftig.

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