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Warum Bauschutt so teuer ist

Die Kosten haben sich von 2019 zu 2020 vervierfacht. Das wirft Fragen auf.

Bauschutt - wie hier vom früheren Möbelwerk Döbeln - nimmt in Deutschland überhand. Deshalb musste auch der Zweckverband Abfallwirtschaft Oberes Elbtal seine Preise drastisch erhöhen.
Bauschutt - wie hier vom früheren Möbelwerk Döbeln - nimmt in Deutschland überhand. Deshalb musste auch der Zweckverband Abfallwirtschaft Oberes Elbtal seine Preise drastisch erhöhen. © Jens Hoyer

Meißen. Gut, dass Gerald Holzer (Name geändert, aber der Redaktion bekannt) die Rechnung aufgehoben hat. Im Mai 2019 hatte der SZ-Leser in der Umladestation Gröbern des Zweckverbandes Abfallwirtschaft Oberelbe (ZAOE) 20 Euro pro Einheit Bauschutt bezahlt. Im Juli dieses Jahres wurden dann plötzlich 83 Euro pro Einheit für die gleiche Abfallart fällig. Wie kann das sein, fragte Holzer bei der SZ nach.

Antworten gibt die Geschäftsstelle des ZAOE. Ihren Angaben zufolge stammt die niedrige Rechnung noch aus einem Kalkulationszeitraum, in dem der Bauschutt auf der Deponie entsorgt werden konnte. Das allerdings ist jetzt nicht mehr möglich. Zwischenzeitlich hat der Verband das Entsorgen des Bauschutts ausgeschrieben. Im Ergebnis der Vergabe kam es zu dem von Gerald Holzer kritisierten exorbitanten Preisanstieg.

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Tatsächlich folgt der Abfallzweckverband damit einem bundesweiten Trend. Der anhaltende Bauboom in Deutschland spiegele sich deutlich in der Abfallbilanz wider: Mit rund 220 Millionen Tonnen machten Bau- und Abbruchabfälle etwas mehr als die Hälfte des bundesweiten Abfallaufkommens aus, schreibt das Branchenportal Sonderabfall-Wissen.de. Viele Deponien gerieten dadurch an ihre Kapazitätsgrenze. Baufirmen würden zu Logistikunternehmen und kutschierten ihre Abfälle quer durch Deutschland, teilweise außer Landes. Dadurch stiegen die Kosten, heißt es in dem Bericht weiter.

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Der Preissprung beim Bauschutt ist keine singuläre Erscheinung auf dem Abfallmarkt. Auf allen Gebieten haben die Ausgaben zugelegt. Aufgrund dieser Entwicklung sah sich der ZAOE bereits vergangenes Jahr dazu gezwungen, seine Gebühren vorzeitig neu zu kalkulieren. In der Folge kam es zu einem veritablen Preissprung. Die Radebeuler Geschäftsstelle legt allerdings Wert darauf, dass die Erhöhung beim Bauschutt einzig und allein aufgrund der dortigen Kostensituation erfolgte. Es gebe keine Verrechnung mit anderen Bereichen.

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