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Menschen bei uns 2018

Auf diese Seite gehören noch viel mehr Menschen – Handwerker, Polizisten, Verkäuferinnen, Krankenschwestern und Ärzte, Müllfahrer und Bürgermeister. Wir mussten eine Auswahl treffen.

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Der Stadt- und Ortswehrleiter von Radeburg und Bärnsdorf, Marcus Mambk, am Einsatzleitwagen der FFW in Bärnsdorf.
Der Stadt- und Ortswehrleiter von Radeburg und Bärnsdorf, Marcus Mambk, am Einsatzleitwagen der FFW in Bärnsdorf. © Norbert Millauer

Mit Ruhe und Übersicht

Von Sven Görner

Radeburg. Als jemand, der nun schon seit einigen Jahren regelmäßig beruflich mit Marcus Mambk zu tun hat, fragt man sich manchmal, wie der 36-Jährige alles unter einen Hut bekommt – beruflich, ehrenamtlich und privat. Schließlich ist der Bärnsdorfer nicht nur Radeburger Stadtwehrleiter, Stadtrat der Unabhängigen Liste Radeburg und Vorstand im Verein bärnsdorferleben e.V., sondern hat auch Frau und zwei Kinder und nicht zuletzt einen Job als Sachbearbeiter beim Kreisbrandmeister.

Dennoch macht er immer den Eindruck, als könnte ihn nichts aus der Ruhe bringen. Aber solch eine Eigenschaft ist wohl auch wichtig, wenn man als Einsatzleiter vor Ort Entscheidungen treffen muss, von denen auch das Leben der eigenen Kameraden und das der Menschen abhängen kann, denen die freiwilligen Feuerwehrleute zu Hilfe kommen.

Mit bisher 151 Einsätzen mussten die Radeburger Ortswehren in diesem Jahr überdurchschnittlich oft ausrücken. Geschuldet war das neben dem Wüten von Friederike vor allem auch der langanhaltenden Trockenheit. Der Waldbrand in der Radeburger Heide, bei dem die Kameraden trotz Hubschrauberunterstützung zwei Tage im Einsatz waren, ist dem Stadtwehrleiter dann auch besonders in Erinnerung geblieben. Aber auch der Brand am Dach des Neubaus für Schenker, der für die betroffenen Bauarbeiter nicht ungefährlich war. Unfälle und andere Hilfeleistungen forderten die Feuerwehrleute ebenso.

Als Marcus Mambk Radeburgs erster Stadtwehrleiter wurde, war er gerade mal 29 Jahre alt. Bei der erneuten einstimmigen Wiederwahl hatte er angekündigt, 2021 nicht wieder kandidieren zu wollen. Ob das so kommt, bleibt abzuwarten. Denn seit diesem Jahr ist er, aus Mangel an einem anderen Kandidaten, noch zusätzlich Wehrleiter in Bärnsdorf.


Erntedankfest in Coswig 2018. Thomas Kretschmer (links) und Torsten Schröder mit einer Erntedankkrone von 2017 im Rathaus in Coswig.
Erntedankfest in Coswig 2018. Thomas Kretschmer (links) und Torsten Schröder mit einer Erntedankkrone von 2017 im Rathaus in Coswig. © Arvid Müller

Mit 50 000 Gästen gefeiert

Von Peggy Zill

Coswig. Es war zwar ein enormer Aufwand, das Landeserntedankfest zu organisieren, aber es hat sich gelohnt. Nicht finanziell – ein kleines Minus muss die Stadt noch ausgleichen – aber fürs Image. Die mediale Aufmerksamkeit war groß. Drei Tage lang feierten im September 50 000 Gäste bei bestem Wetter und ohne Zwischenfälle. 

„Noch heute werde ich von vielen Kunden in der Börse oder auch von Fremden auf der Straße angesprochen, die sagen, es sei einwandfrei gewesen“, so Cheforganisator Thomas Kretschmer. „Ohne überheblich zu klingen: Es gab keinen einzigen Kritikpunkt.“

So ganz allein hat er die Feier natürlich nicht auf die Beine gestellt. Zum Organisationsteam gehörten 25 Leute. Die meisten arbeiten in der Stadtverwaltung. Torsten Schröder vom Stadtmarketing kümmerte sich darum, dass der Festumzug reibungslos durch die Stadt kommt. 

Anja Illgen und Britta Eiselt waren für den Inhalt zuständig. 650 Leute sind beim Umzug mitgelaufen. Rechnet man noch die Polizei, Rettungsdienst und Streckenposten dazu, waren fast 800 Menschen daran beteiligt. Und selbst Ministerpräsident Michael Kretschmer war begeistert, wie Torsten Schröder erzählt. Wie alle Besucher und Teilnehmer. Für Torsten Schröder war es nicht der erste Umzug, den er organisiert hat. Schon zur 1 000-Jahr-Feier in Brockwitz war das seine Aufgabe.

Als sich die Stadt vor zwei Jahren als Ausrichter beworben hat, war noch nicht klar, welche Ausmaße das Fest annehmen wird. Fast zwei Monate lang kümmerte sich Thomas Kretschmer ausschließlich um die Organisation. Mit 70 Händlern und Schaustellern sowie 50 Künstlern und Vereinen hatte der Eventmanager viel zu tun.

Da waren große Themen wie die Sicherheit, die nach den Vorfällen in Chemnitz noch mal neu betrachtet werden mussten. Und es gab kleinere Probleme, wie eine Beschwerde über den Standort der Dixis. Thomas Kretschmer blieb gelassen, auch wenn er kaum einen Satz zu Ende bringen konnte, ohne dass sein Handy klingelte. 

Obwohl er als Geschäftsführer der Kulturbetriebsgesellschaft Meißner Land mbH viel Erfahrung hat, war ein Fest in dieser Größenordnung doch neu für ihn. „Ich mache es gern, aber jedes Jahr braucht man das nicht“, sagte er wenige Tage vor der Eröffnung. Eine Meinung, bei der er geblieben ist. „In dieser Größenordnung wird es das so schnell nicht noch einmal geben.“ 

Die 50 000 Besucher seien eine gute Zahl gewesen, aber viel mehr hätten es nicht sein dürfen. „Wir wissen jetzt, was Coswig aushält.“ Einen Tag der Sachsen mit mehr als 200 000 Gästen nicht. „Das sollen mal andere machen“, meint Kretschmer, der schon über das Stadtfest 2019 nachdenkt.


Ein 500er Trabi - 30 Jahre alt - mit den Trabant-Verrückten um den Lößnitztalschänken-Wirt Jens Seidel gewann das Rennen.
Ein 500er Trabi - 30 Jahre alt - mit den Trabant-Verrückten um den Lößnitztalschänken-Wirt Jens Seidel gewann das Rennen. © privat

Das Rennpappen-Wunder

Von Peter Redlich

Radebeul. Wer heutzutage noch mit dem DDR-Klassiker Trabant fährt, muss Bastler sein oder gehörig Geld investieren oder auch beides. Noch einen Zacken schärfer wird die Sache, wenn es ein 500er Trabi, 30 Jahre alt ist. Und der absolute Wahnsinn, wenn die Pappe eigentlich nur noch Rost und Schrott ist. Doch das schreckte eine Radebeuler Gruppe von autoverrückten Freunden um Lößnitztalschänken-Wirt Jens Seidel nicht ab.

Die Trabi-Leiche rostete in der Lackierwerkstatt von Torsten Simon an der Meißner Straße vor sich hin, als die Freunde zu Jahresbeginn beschlossen: Das wird unser Rennauto für den Deutschlandwettbewerb aller Trabant-Verrückten auf dem Motodrom im tschechischen Most am 1. Mai.

Vom Beschluss bis zur Wirklichkeit waren da nur gut drei Monate Zeit für die Männer, die jeder einen Beruf haben und bis auf einen auch täglich nicht selten mehr als acht Stunden ihre Brötchen verdienen müssen. Es gab Früh- und Abendschichten, die morgens, 5 Uhr, begannen und nicht selten erst gegen Mitternacht endeten. Entrosten, schrauben, schweißen, lackieren. Nebenher hatten die Männer noch Fitnesstraining absolviert – etwa auf der Spitzhaustreppe –, um auch wirklich für das 24-Stunden-Rennen gewappnet zu sein.

Mitte April stand die froschgrüne Rennpappe startklar auf Rädern. Stefan Weickert, Lothar Scheffler, Maximilian Paul, Jens Seidel, Torsten Simon sollten abwechselnd die Piloten sein. Außer Maximilian, der als Kart-Profi in einem italienischen Rennstall fährt, mussten alle noch trainieren. 

Bis zu welchem Tempo kann ich mit dem Trabi, ohne umzukippen, in die Kurve gehen? Hält der Motor wirklich 24 Stunden durch? Wie lange braucht ein Räderwechsel? Was muss an Werkzeug und Kraftstoff bereitstehen? Wer stoppt die Rundenzeiten? Was ist die beste Ernährung während des Rennmarathons? Vor allem Jens Seidel sorgte immer wieder dafür, dass alles akribisch vorbereitet war. Viel geredet wurde nicht. Aber eines war klar – die Radebeuler wollten nicht nur nicht ausscheiden, sondern vorne mitfahren.

In der eigens angemieteten Rennbox vom Motodrom Most fieberten beinahe über die volle Rennzeit drei Dutzend Radebeuler Freunde mit. Und: Sie durften jubeln. Der 500er ließ alle anderen Renntrabis hinter sich. „Vom Rost zum Sieg“ schrieb die SZ. Das Wunder von Most – verwirklicht von verschworenen Radebeulern.


Melanie und Christian Prohl in ihrer Nudelmanufaktur Pestorado in Weinböhla. 
Melanie und Christian Prohl in ihrer Nudelmanufaktur Pestorado in Weinböhla.  © Arvid Müller

Erfolg mit Pasta und Pesto

Von Ines Scholze-Luft

Weinböhla. Er war schon ein gewisses Risiko, der Umzug von der Weinböhlaer Friedensstraße auf den Kirchplatz, in den Zentralgasthof. Die Nudelmanufaktur Pestorado – seit 2014 im Ort ansässig – hat Ende März den Schritt in die Ortsmitte gewagt. Mit Erfolg. Das Geschäft läuft sehr gut, sagt Pestorado-Chefin Melanie Prohl (39), die die Manufaktur zusammen mit ihrem Mann Christian (46) betreibt. 

Die Stammkunden sind dem Unternehmen treu geblieben, neue kamen dazu. Und zur Kernarbeit, der Nudel- und Pesto-Produktion, haben sich weitere Aufgaben gesellt. Winzerstube, Kulturbuffet, Brunch-Termine, Firmen- und Familienfeiern. Das Kulturbuffet, bisher bei Konzerten und Ähnlichem im Zentralgasthof angesagt, soll 2019 auch unabhängig von Veranstaltungen angeboten werden.

In diesem Jahr haben sie viel Kraft und Zeit in die Gastronomie gesteckt, erklärt Melanie Prohl. 2019 wollen sie sich mehr auf die Produkte und ihre Herstellung konzentrieren, will sich Christian Prohl mit neuen Pesto- und Nudelsorten beschäftigen, das Urgetreide-Sortiment weiter ausbauen. Ein weiteres Ziel: Mehr auf Messen zu gehen, um mit den Erzeugnissen wahrgenommen zu werden. Beispielsweise im Februar beim Handmademarkt im Alten Schlachthof in Dresden und im Mai bei dessen Sommerspezial in Adams Gasthof in Moritzburg.

Wie in den vergangenen Jahren will Pestorado weiter langsam und gesund wachsen, sagt Melanie Prohl. Der Zentralgasthof bietet gute Voraussetzungen dafür. Eine große Küche, mehr Platz für die Herstellung und fürs Catering in größerem Maße. Personell hat das Unternehmen ebenfalls aufgestockt. Ins zuvor dreiköpfige Team wurde eine Mitarbeiterin aufgenommen, die fließend italienisch spricht. Außerdem ist eine Pauschalkraft im Einsatz. Für die Küche wird noch jemand gesucht.