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Mietenexplosion und Leerstand

Großstädte ziehen immer mehr Menschen an, Mieten und Immobilienpreise schießen in Höhe. Gleichzeitig könnten ganze Landstriche verwaisen - vor allem in Ostdeutschland.

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© dpa/dpaweb

Berlin/Dresden. Explodierende Mieten in den Großstädten und massenhafter Leerstand vor allem im Osten - der Wohnungsmarkt in Deutschland driftet weiter auseinander. Leer gefegte Landstriche drohen vor allem in den ostdeutschen Bundesländern - aber nicht nur, wie aus am Donnerstag vorgestellten Berechnungen des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) hervorgeht. Sachsen-Anhalt und Thüringen trifft es demnach besonders hart. Und auch Sachsens Innenminister Markus Ulbig (CDU) warnt vor einer Zerfaserung der Städte.

„Die Stadtränder sind vielerorts unattraktiv geworden, die Leute strömen in die City“, sagte Ulbig der Wochenzeitung „Die Zeit“. Dem müsse auch die Stadtentwicklungspolitik Rechnung tragen: „Indem wir die Zentren ausbauen - und im Zweifel weniger beliebte Wohngebiete in der Peripherie abreißen.“ Bisher sei die Stadtentwicklung immer auf Expansion ausgerichtet gewesen, sagte Ulbig. „Jetzt lernen wir, wie Schrumpfen funktioniert. Da sind wir, was Deutschland angeht, Pioniere. Auf den Westen kommt das noch zu, vielleicht wird er eines Tages von unseren Erfahrungen profitieren.“

Schlimme Situation in Sachsen-Anhalt und Thüringen

Schlechter als in Sachsen sieht es mit dem drohenden Leerstand in Sachsen-Anhalt und Thüringen aus. Schlimmstenfalls könnte dort bis zum Jahr 2030 jede fünfte Wohnung nicht mehr gebraucht werden. Aber auch Regionen im Westen und Süden Deutschlands sind betroffen. Als Beispiel nennt das IW das niedersächsische Goslar oder Wunsiedel in Bayern.

Besonders stark steigen würde die Nachfrage hingegen im Speckgürtel von München. Dort liegen alle vier Kreise mit dem größten Potenzial. Ausreißer unter den ersten Plätzen, die nach Bayern gehen, ist allein Potsdam. Dort wird ein Plus zwischen 12 und 31 Prozent prognostiziert.

„Die Entwicklung hängt stark von den zukünftigen Wohnungsgrößen ab und wie stark die Bevölkerung in Deutschland sinkt“, sagte Ralph Henger, Immobilienökonom beim IW. Wenn Zuwanderung und Geburtenrate dauerhaft höher und die Wohnungen größer werden, könnte die Nachfrage nach Wohnraum insgesamt noch bis 2045 steigen - im günstigen Fall bis zu 20 Prozent. Spätestens dann wäre der Gipfel überschritten.

In den vergangenen zehn Jahren hat die durchschnittliche Wohnungsgröße zugenommen. Ginge das so weiter, würde die Nachfrage nach Wohnungen nur in 38 von 402 Landkreisen und kreisfreien Städte zurückgehen. Bleiben die Wohnungen so groß wie jetzt, trifft es sechsmal so viele: 240 Kreise. Für die Experten ist das das realistischere Szenario.

Doch egal welches Szenario - der Sog der Großstädte hält nach IW-Annahmen in jedem Fall an. Acht der zehn größten deutschen Städte - Berlin, Hamburg, München, Köln, Frankfurt am Main, Düsseldorf, Stuttgart und Bremen - wachsen der Prognose zufolge weiter. Dortmund und Essen würden dagegen im ungünstigsten Fall schrumpfen.

In den meisten Großstädten werden hohe Mieten und lange Schlangen bei der Wohnungssuche also ein Problem bleiben. Doch dies betrifft laut IW derzeit nur etwa 15 der 80 Millionen Menschen in Deutschland. (dpa)