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Mit einer Million gegen das Ende

Verliert die TU Dresden das Jura-Studium? Dagegen setzen Stifter eine Finanzspritze. Das gefällt aber nicht allen.

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© dpa

Von Susanne Sodan

Nicht mit den sächsischen Juristen. Sie wollen die drohende Schließung der Juristischen Fakultät an der TU Dresden nicht akzeptieren. „Oft sind Juristen Konkurrenten“, sagt der Dresdner Notar Heribert Heckschen. In einem solchen Fall hält man aber zusammen. Juristen aus 50 sächsischen und überregionalen Kanzleien, Notariaten und juristischen Unternehmen wollen deshalb nun zwei Stiftungsprofessuren schaffen – und die Fakultät damit retten. „Der Juristenbedarf wird vor allem in den Jahren 2020 bis 2030 stark ansteigen in Sachsen“, begründet das Heckschen. In den kommenden Jahren gingen viele Richter, Anwälte, Steuerberater und Notare in den Ruhestand.

Die Organisatoren haben bereits die Zusagen für eine Million Euro. Damit ließen sich die zwei Professuren für fünf Jahre finanzieren. „Und wir haben das Signal vieler, die sich auch darüber hinaus engagieren wollen“, sagt Heckschen. Am Freitag überreichen er und andere Stifter einen symbolischen Scheck an Arnd Uhle, Professor und Dekan der Juristischen Fakultät. „Zwei Stiftungsprofessuren“ steht darauf. Das ist optimistisch, vielleicht ein bisschen voreilig. Denn es gibt auch Gegenstimmen.

„Nicht überlebensfähig“

Die Diskussion um die Fakultät begann im Frühjahr, als der neue Hochschulentwicklungsplan des Freistaats bekannt wurde. Von einer Schließung steht dort nichts, da die Landesregierung nicht einfach eine Fakultät abschaffen kann; das können die Universitäten nur selber. Geplant aber ist, Professorenstellen, die an der Fakultät frei werden, nach Leipzig zu verlagern, acht Professuren sollen in Dresden bleiben. „Damit ist eine Fakultät aber nicht überlebensfähig“, so Arnd Uhle. Die juristische Ausbildung in Dresden wäre beendet. Dafür will der Freistaat Leipzig stärken. „Der Freistaat Sachsen benötigt für die nächsten Jahre eine gesicherte Perspektive für die Juristenausbildung“, so Andreas Friedrich, Sprecher des Wissenschaftsministeriums. Und derzeit werden Studenten nur in Leipzig zu Volljuristen mit Staatsexamen ausgebildet. Die TU Dresden dagegen bietet seit einigen Jahren statt des Staatsexamens nur Bachelor- und Masterabschlüsse an.

„Das ist für uns keine Dresden-oder-Leipzig-Nummer“, sagt Arnd Uhle. Der Plan der Juristen: Die Stiftungsprofessuren sollen genutzt werden, um auch die Dresdner Studenten nach dem Bachelor wieder zum Staatsexamen zu führen. Voraussetzung dafür: Der Freistaat belässt alles beim Alten, die fünf Professuren bleiben in Dresden. Das Problem, das der Freistaat dabei sieht: „Für eine Volljuristenausbildung in Dresden würden mindestens sechs neue Professuren und eine noch deutlich höhere Anzahl weiterer Mitarbeiter benötigt“, sagt Friedrich. „Stiftungsprofessuren sind immer eine willkommene Ergänzung. Sie bieten aber keine Dauerlösung.“ Die TU selbst sieht noch einen ganz anderen Punkt: Mit dem neuen Hochschulentwicklungsplan ist der alte hinfällig, erklärt Uni-Sprecherin Kim-Astrid Magister. Und das bedeutet wiederum, 250 Stellen, die eigentlich abgebaut werden sollten, könnten gerettet werden. „Das dürfen wir bei allem Bedauern über die Einstellung der Juristischen Studiengänge nicht außer Acht lassen.“

Die Juristen haben aber auch Unterstützer, Günther Schneider von der CDU-Fraktion im Landtag zum Beispiel. „Die TU Dresden ist eine Exzellenz-Universität. Bald steht die Anschlussbewerbung an, um den Status zu erhalten.“ Er fürchtet: Mit dem Verlust einer Fakultät könnte auch der Exzellenzstatus gefährdet sein. Schneider plädiert für den Erhalt der Dresdner Studiengänge, die auch bei ausländischen Studenten beliebt seien. „Gerade jetzt wäre es gut, damit Weltoffenheit zu zeigen.“