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Mit Gefühl an den Schmerz tasten

Osteopathin Ute Seidler eröffnete ihre neue Praxis in Großröhrsdorf. Das medizinische Zentrum entwickelt sich.

© Matthias Schumann

Von Reiner Hanke

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Großröhrsdorf. Vogelgezwitscher empfängt die Patienten von Ute Seidler am Donnerstagmorgen. Ein Vorgeschmack auf den Frühling in den Räumen. In dieser Woche hat sie ihre neue Praxis für Osteopathie im Ärztehaus an der Radeberger Straße im Lehngut eröffnet und sich damit selbstständig gemacht. Ein paar Bilder fehlen noch zur Dekoration. Ansonsten ist auf den 60 Quadratmetern alles perfekt in den zwei Behandlungsräumen. Hell und freundlich sollten sie sein, das ist der Osteopathin wichtig. Mit lichtgrauer Farbe an den Wänden und Deckenleuchten aus einer oberlausitzer Manufaktur. Die lassen die Räume sanft erstrahlen, um für die Patienten eine Atmosphäre zu schaffen, in der sie sich wohlfühlen. So habe sie auch ein bisschen den Wald in die Räume geholt mit Ästen zur Deko. Der Empfangstresen ruht auf einem Baumstamm.

Am runden Tisch ist der Platz fürs Gespräch. Das steht immer am Anfang. Denn es ist Ute Seidler wichtig, ausführlich über die Krankengeschichte zu sprechen, bevor es auf die Therapieliege geht. Auch eine intensive Untersuchung gehört vor der Therapie dazu. „Ich muss alles wissen zur Krankengeschichte, über Unfälle. Da kann auch ein Fahrradunfall aus der Kindheit Bedeutung haben.“ Der Osteopath schaue sich den ganzen Menschen an. So können die Ursachen für Beschwerden auch weit weg vom eigentlichen Schmerz liegen: „Ich möchte diese Ursache ergründen.“ Mit viel Gefühl tasten sich Osteopathen dorthin vor. Die Hände zum Beispiel nach Gewebe, das nicht mehr so gut beweglich ist, wie es sein sollte. Von Hause aus ist die Bretnigerin Physiotherapeutin und war bisher in einer Praxis tätig. Nebenberuflich habe sie sich sechs Jahre zur Osteopathin und Heilpraktikerin weitergebildet. Dabei sei schon angedacht gewesen, sich selbstständig zu machen. In einer Physiotherapie sei schon allerhand los, nicht genug Zeit für die Patienten, sagt sie. So habe sich auch der Wunsch entwickelt, selbstständig zu arbeiten. So könne sie viel ruhiger arbeiten und sich „viel intensiver mit den Patienten beschäftigen“, sagt die 47-Jährige. Es sei der richtige Zeitpunkt gewesen, denn die drei großen Söhne seien aus dem Haus.

Lob an die Handwerker

Im Dezember habe sie mit dem Ausbau begonnen und sei nun glücklich, dass alles fertig und so schön geworden ist, lobt sie die Handwerker. Der Zuschnitt der Räume sei ja nicht einfach, weil sie für ein Büro geplant waren. Sie hatte schon seit einiger Zeit die Fühler nach Räumen ausgestreckt, ein Tipp brachte sie dann mit dem Lehngut-Investor Maik Lösel zusammen. Der fand das Projekt sofort gut. Er freut sich, dass mit der Praxis die medizinische Infrastruktur in der Stadt und in dem Ärztehaus noch reicher wird. Und er hat auch Respekt vor dem Mut, sich selbstständig zu machen, sagt er anerkennend. Die Büroräume müssen nun wohl im noch sanierungsbedürftigen Wohnhaus nebenan entstehen. Erfolg hatten inzwischen auch die Bemühungen von Hausärztin und Internistin Dr. Simone Krause im Untergeschoss. Sie hatte ja schon im Herbst in der SZ angekündigt, noch genug Raum für eine weitere Arztkollegin zu haben, für eine Praxisgemeinschaft. Nun hat Frau Dr. von Wolffersdorff ihre Arbeit aufgenommen. Sie übernimmt in den neuen Räumen die Praxis und gewissermaßen die Nachfolge von Ärztin Gabriele Kanitz aus Pulsnitz, die in den Ruhestand gegangen ist. Damit entwickelt sich hier ein medizinisches Zentrum. Dazu gehören natürlich seit dem vorigen Herbst auch die beiden Kinderärztinnen im Erdgeschoss des Ärztehauses.

Eine Etage darüber hat jetzt die neue Praxis von Ute Seidler eröffnet. Sie richtet ihren Fokus auf die Osteopathie. Die werde auch in gewissem Umfang von Krankenkassen bezuschusst. Physiotherapeutische Behandlungen seien möglich, aber nur auf privater Basis. Ihre Praxis stehe allen Altersgruppen offen, sagt die Osteopathin – von älteren Menschen bis zum Baby nach einer schwierigen Geburt. Oder auch bei Kindern mit Haltungsproblemen. An diesem Tag ist ein Mann in den mittleren Jahren der erste Patient, der von der Osteopathin und Vogelgezwitscher empfangen wird.