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Mit Leidenschaft für Polen

Dr. Ulrike Bischof hat ein Herz fürs Nachbarland – und das Polenmobil für Freitag ans Gymnasium Bischofswerda geholt.

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© Regina Berger

Constanze Knappe

Bischofswerda. Durch und durch ein Polenfan ist Dr. Ulrike Bischof. Als Kind sei sie schon oft mit den Eltern im Nachbarland gewesen. Das habe sie so geprägt, dass daraus berufliche Ambitionen wurden, erzählt die Ringenhainerin. Mit ihrer Begeisterung für Polen steckt die Übersetzerin gerne andere an. Deshalb holt sie für die Nacht der offenen Tür an diesem Freitag das Polenmobil ans Bischofswerdaer Gymnasium – ausgestattet mit Material über Land und Leute und begleitet von einem jungen deutsch-polnischen Team.

Das Polenmobil ist ein Projekt des Deutschen Polen-Instituts in Darmstadt und der Stiftung für deutsch-polnische Zusammenarbeit. Es tourt seit Herbst 2015 durch die deutschen Lande, um Schüler zur Beschäftigung mit Polen zu motivieren. Dabei werden landeskundliche, historische, kulturelle und politische Inhalte vermittelt, die neugierig auf das Land machen und später im Unterricht aufgegriffen werden können. Das Interesse dafür ist so groß, dass es für dieses Schuljahr längst keine Termine mehr gibt. Ulrike Bischof hatte sich gleich anfangs dafür beworben. Es sei eine gute Möglichkeit, Schüler spielerisch in die polnische Sprache einzuführen, ebenso auf Geschichte, Literatur und die polnische Gesellschaft neugierig zu machen. Am Vormittag haben 16 Schüler der Klassenstufe 8 diesen besonderen Unterricht. Während der Nacht der offenen Tür werden am Abend die Ergebnisse dessen im Zimmer F2 auf dem Fremdsprachengang präsentiert. „Die Schüler bringen hoffentlich eine große Portion Neugier mit“, wünscht sich Ulrike Bischof.

Weg für Kontakte ebnen

Das Thema an sich ist am Gymnasium nicht neu. Seit 2003 bestehen freundschaftliche Beziehungen zwischen Schulen in Bischofswerdas Partnerstadt Gryfow Slaski (Greifenberg) und dem Goethe-Gymnasium, seit 2010 sogar eine Schulpartnerschaft. Regelmäßig trifft man sich hier wie da zum Kindertag am 1. Juni oder zu Sportwettkämpfen, zu gemeinsamen Kunst- und anderen Projekten. Bei derlei Aktivitäten fallen erfahrungsgemäß die Sprachbarrieren geringer aus, ansonsten behelfen sich die Schüler aus beiden Ländern auch mit Englisch weiter. Es sei ihr wichtig, die Wege für den Kontakt der deutschen Schüler mit Gleichaltrigen in Polen zu ebnen, sagt Ulrike Bischof. Zwar würden manche Familien zum Tanken und Einkaufen nach Polen fahren, die meisten aber hätten ansonsten keinen Kontakt dorthin. „Entsprechend groß sind die Wissenslücken“, hat Ulrike Bischof festgestellt. Von 2006 bis 2013 vermittelte sie am Goethe-Gymnasium Grundlagen der polnischen Sprache. Eine Stunde pro Woche mit acht bis 15 Schülern im Rahmen eines Ganztagsangebots – bis ihr aus beruflichen Gründen die Zeit dafür fehlte und sie den „Staffelstab“ an Alexander Schwarz vom Gymnasium übergab. Ihr Anliegen aber, Kinder und Jugendliche auf das Nachbarland neugierig zu machen, das ist geblieben. Gern begleitet sie Schüler bei ihren interkulturellen Begegnungen. „Durch das Übernachten in Gastfamilien, das Kennenlernen anderer Gewohnheiten, gemeinsame Erlebnisse und Tätigkeiten verschwinden Vorbehalte am schnellsten“, erklärt sie.

Man ist nie fertig

Ulrike Bischof, Jahrgang 1963, hat selbst am Bischofswerdaer Gymnasium gelernt. In den 1980er-Jahren studierte sie an der Universität Leipzig, wurde dort zur Diplom-Sprachmittlerin für Russisch/Polnisch ausgebildet. Mit der russischen Sprache hat sie nur noch selten zu tun, dafür umso mehr mit dem Polnischen. „Man ist nie fertig“, sagt sie. Auch, weil Fachausdrücke einer Branche nun mal nicht zum allgemeinen Wortschatz gehören. Insofern lernt auch sie immer noch dazu. Sie hat gut zu tun. Mindestens einmal im Monat weilt die Übersetzerin in Polen. Es gab schon Zeiten, da war sie jede Woche dort. Sie dolmetscht auf Konferenzen, begleitet Unternehmer zu Wirtschaftsverhandlungen. Sie übersetzt Verträge und anderweitige Korrespondenz für sächsische Firmen. Es kam auch schon vor, dass sie im Gerichtssaal gedolmetscht hat.

Über die Jahre haben sie und ihre Familie viele Freunde in Polen gefunden. Einige kennt sie schon seit 1982. Und wenn sie nicht dienstlich im Nachbarland unterwegs ist, dann zieht es sie vor allem ins Riesengebirge, wo ihr das Hirschberger Tal sehr vertraut ist, oder an die Masuren. Das Riesengebirge sei ja für einen Tagesausflug von der Oberlausitz aus gut zu erreichen. Ihre beiden Töchter teilen ihre Leidenschaft für Polen, auch wenn beide sich beruflich anderweitig orientiert haben.

Für den Tier- und Kulturpark hat Ulrike Bischof ebenfalls schon übersetzt. Sie freut sich über das Interesse der Stadt Bischofswerda, trotz der komplizierten Haushaltslage die Partnerschaft weiterzupflegen. Bischofswerdaer Gymnasiasten reisen am 1./2. März zum trinationalen Handballturnier in die Partnerstadt, wozu Gryfow auch ukrainische Partner eingeladen hat.

Nacht der offenen Tür „Mensch. Bildung. Verantwortung“ im Bischofswerdaer Goethe-Gymnasium am 26. Februar von 16 bis 19 Uhr, Eröffnung 16 Uhr in der Aula.