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Mörder von Löbauer Tourist versteckte sich in Jamaika

Dreizehn Jahre hat das FBI ermittelt. Durch einen anonymen Hinweis fand die amerikanische Polizei den Täter. Er steht nun vor Gericht.

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Von Tilo Berger

Es war der Abend des 12. Oktobers 1998. Fietzes und Ulbers, zwei seit Jahren befreundete Ehepaare aus Löbau, saßen auf einer Bank im kalifornischen Santa Monica und ließen den gemeinsamen Urlaub noch einmal Revue passieren. Drei Wochen lang waren sie zusammen durch die USA gereist.

Horst und Astrid Fietze hatten sich die Reise gemeinsam zum Geburtstag geschenkt – ihr zum 47., ihm zum fünfzigsten. Einen Tag vor dem Rückflug nach Deutschland geschah das Unfassbare.

Auf dem Rückweg zum Hotel bemerkte Gisela Ulber die Angreifer zuerst. „Jetzt gibt es Ärger“, sagte die Touristin. Astrid Fietze beobachtete, wie ein Unbekannter auf ihren Mann zurannte. „Und er hielt eine Pistole an seine Brust“, sagte sie zweieinhalb Jahre später als Zeugin vor Gericht. Ihr Mann habe sich nicht gewehrt.

Ein Schuss fiel. Horst Fietze stolperte, wandte sich dann seinem Angreifer zu. Der feuerte weitere Schüsse ab.

Es dauerte nur eine Minute

Horst Fietze, Hausmeister am Löbauer Geschwister-Scholl-Gymnasium, wurde von drei Kugeln getroffen und starb innerhalb weniger Sekunden – nur 20 Tage nach seinem runden Geburtstag. Die Täter flüchteten in einem gestohlenen Auto. Das Ganze dauerte kaum eine Minute. „Im ersten Moment hat man gedacht, der kann nicht tot sein“, sagte Jürgen Ulber später in Los Angeles vor Gericht. „Ich habe in meinem Leben nur einen besten Freund gehabt. Den da so liegen zu sehen, das tat verdammt weh.“

Drei der vier Täter wurden bald nach dem Überfall gefasst und kamen in Untersuchungshaft, darunter Lamont Santos. Er hatte die tödlichen Schüsse auf den Löbauer Hausmeister abgegeben. Die zur Tatzeit 17-jährige Tyrina Griffin hatte eine der deutschen Touristinnen am Handgelenk gegriffen und vom Bürgersteig abgedrängt. Die damals 18-jährige Roshana Roberts saß am Steuer des Fluchtautos.

Im Februar 2001 standen die drei Beschuldigten in Los Angeles vor Gericht. Santos gab den Angriff zu, nur die Schüsse auf Horst Fietze hätten sich von selbst gelöst. Der Richter folgte aber eher der Version des Staatsanwaltes: „Er wollte ihn töten!“ Das Gericht verurteilte den Haupttäter und Tyrina Griffin zu lebenslanger Haft, Roshana Roberts zu mehr als 14 Jahren Gefängnis.

Strafmaß noch offen

Der vierte Täter blieb flüchtig. Paul C. tauchte unter falschem Namen auf Jamaika unter. Dort führte er lange ein unauffälliges Leben, bis Anfang 2009 die US-amerikanische Bundespolizei FBI einen anonymen Hinweis erhielt.

Am Montag dieser Woche stand C. in Los Angeles vor Gericht – fast auf den Tag genau 13Jahre nach der Bluttat von Santa Monica. Der Richter befand ihn für schuldig, den 50-jährigen Touristen aus Löbau überfallen und getötet zu haben. Nach amerikanischem Recht geht das, auch wenn er nicht Haupttäter ist. Dem 34-Jährigen droht lebenslange Haft. Ob er die bekommt, verkündet das Gericht Ende November.