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„Dieses Haus hat eine nationale Bedeutung“

Rolf Mützenich, Chef der SPD-Bundestagsfraktion, war im Kollwitz-Haus. Geld hat er nicht mitgebracht, aber versprochen, sich für das Haus einzusetzen.

Margitta Hensel, Vorstandsvorsitzende der Käthe-Kollwitz-Stiftung, führte den Vorsitzenden der SPD-Bundestagsfraktion, Rolf Mützenich, durch die Räume des Kollwitz-Hauses.
Margitta Hensel, Vorstandsvorsitzende der Käthe-Kollwitz-Stiftung, führte den Vorsitzenden der SPD-Bundestagsfraktion, Rolf Mützenich, durch die Räume des Kollwitz-Hauses. © Norbert Millauer

Moritzburg. Welche hochrangigen Besucher die vor 26 Jahren eröffnete Gedenkstätte denn schon begrüßen konnte, wollte Rolf Mützenich bei der Führung durch die Ausstellungsräume wissen. Und schien dann doch etwas überrascht zu sein, dass keine Spitzen der Bundespolitik genannt wurden, sondern die einstige Königin der Niederlanden, Beatrix. Diese habe bei ihrem Aufenthalt bewusst das Kollwitz-Haus besucht und sei sehr interessiert gewesen, wusste Moritzburgs Bürgermeister Jörg Hänisch (parteilos) zu berichten, der den Gast in seiner Funktion als Beiratsvorsitzender der Stiftung Käthe Kollwitz Haus Moritzburg begleitete.

Insofern ist der Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion damit in guter Gesellschaft. Auch wenn man sich in Moritzburg durchaus ein größeres nationales Engagement für den einzigen noch erhaltenen authentischen Aufenthaltsort der bedeutenden Künstlerin des 20. Jahrhunderts wünscht. Das hatte auch der Gemeinderat Ende vergangenen Jahres deutlich zum Ausdruck gebracht. Auf die Dauer könne eine Gemeinde von der Größe Moritzburgs nicht jährlich Zuwendungen in Höhe von 58.000 bis 88.000 Euro für das Haus stemmen. Diese Beträge weist ein vom Rat in Auftrag gegebenes Gutachten aus.

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Im laufenden Jahr gibt die Gemeinde 30.000 Euro, die gleiche Summe kommt von der Kreissparkasse Köln und weitere 27.240 Euro vom Kulturraum Meißen - Sächsische Schweiz-Ostergebirge. Ab 2022 sollen es dann 30.000 Euro sein. Möglich ist das, weil der Kulturraum für die Gedenkstätte und weitere Einrichtungen einen Sonderstatus geschaffen hat.

Freistaat gibt für drei Jahre Geld

Nachdem Ende vergangenes Jahres die weitere Finanzierung des Hauses infrage stand und der Gemeinderat auch in Erwägung zog, bei fehlender überregionaler Unterstützung die Moritzburger Zahlungen zu reduzieren, hatte eine Online-Petition an den Sächsischen Landtag zum Erhalt des Hauses bundesweit über 6.000 Unterstützer gefunden. Dieser hat im Mai mit dem Doppelhaushalt für 2021/22 auch jeweils 30.000 Euro für die Förderung des Kollwitz-Hauses beschlossen. Auch 2023 soll es diese Summe noch einmal geben.

Sachsens Kulturministerin Barbara Klepsch hatte bei ihrem Besuch im Juni in Moritzburg gesagt, dass der Verwendungszweck des Geldes relativ offen sei. Nur für die Erarbeitung der vom Gemeinderat geforderten Konzeption zum Fortbestand des Hauses solle das Geld nicht genommen werden, so die Ministerin. „Dafür gibt es andere Töpfe.“ Jörg Hänisch bedauerte, dass nun aber genau dafür ein Antrag geschrieben werden soll, um an das Geld zu kommen.

Margitta Hensel begrüßte Rolf Mützenich (2.v.l.), Frank Richter (li.) und die anderen Besucher auf dem Gelände des Käthe-Kollwitz-Hauses Moritzburg.
Margitta Hensel begrüßte Rolf Mützenich (2.v.l.), Frank Richter (li.) und die anderen Besucher auf dem Gelände des Käthe-Kollwitz-Hauses Moritzburg. © Norbert Millauer

Er sagte aber auch, er denke, dass der jetzt durch die große Öffentlichkeit eingeschlagene Weg der richtige ist. „Wir haben viele Puzzleteile, die alle wichtig sind.“ Vom Engagement des Freundeskreises, über das der Kölner Kreissparkasse - das 600 Kilometer entfernt von der eigenen Wirkungsstätte vermutlich einzigartig ist - bis hin zum Kulturraum und dem Freistaat. „Ein wichtiges Teil fehlt allerdings noch - der Bund.“

Rolf Mützenich bestätigte dann auch: „Dieses Haus hat eine nationale Bedeutung.“ Und ergänzte: „Der Bundesrepublik würde es gut zu Gesicht stehen, wenn sie auch diesem Haus die gebührende Aufmerksamkeit geben würde.“ Es sei nicht seine Art, große Versprechungen zu machen, sagte der SPD-Mann. Dennoch sagte er Unterstützung zu. Etwa bei dem Ziel der Aufnahme des Käthe-Kollwitz-Hauses in das Blaubuch der kulturellen Gedächtnisorte. Zu diesen gehören unter anderem das Barlach-Haus in Güstrow und die Hauptmannorte. Die Moritzburger Gedenkstätte würde gut dazu passen. Vor vier Jahren hatte das Staatsministerin Monika Grütters bei einem ersten Versuch der Moritzburger allerdings anders gesehen, so Jörg Hänisch.

Ziel: Aufnahme ins Blaue Buch

Der Sozialdemokrat unterstrich daraufhin noch einmal die nationale Bedeutung der Einrichtung. „Ich werde mich gern dafür einsetzen, dass das Käthe-Kollwitz-Haus ins Blaue Buch aufgenommen wird.“ Er bat darum, ihm weitere Unterlagen zur Verfügung zu stellen.

Nach Moritzburg eingeladen hatte den aus Köln stammenden Bundestagsfraktionschef das Meißner SPD-Landtagsmitglied und kulturpolitischer Sprecher seiner Fraktion Frank Richter.

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Ob nach dem Besuch von Rolf Mützenich in nächster Zeit weitere Bundespolitiker den Weg ins Kollwitz-Haus finden, bleibt ebenso abzuwarten, wie die Ergebnisse der Zusammenkunft. Diese werden auch vom Ausgang der Bundestagswahl am 26. September abhängen, räumte der Gast mehrfach ein.

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