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Kollwitz-Haus: Hoffnung, aber noch keine Rettung

Eine Petition mit über 6.000 Unterschriften zum Erhalt der Gedenkstätte in Moritzburg wurde an den Landtag übergeben. Dessen Präsident hat bereits eine gute Nachricht.

Noch ist nicht klar, wie das Kollwitz-Haus in Moritzburg dauerhaft gerettet werden kann. Doch es gibt erste Ansätze dafür.
Noch ist nicht klar, wie das Kollwitz-Haus in Moritzburg dauerhaft gerettet werden kann. Doch es gibt erste Ansätze dafür. © Arvid Müller

Moritzburg. Das Wetter hat am Freitagvormittag ein Einsehen mit der kleinen Gruppe vor dem Haupteingang des Landtagsgebäudes in Dresden. Der Wind weht zwar kalt und kräftig, aber es regnet für den Moment wenigstens nicht. Landtagspräsident Matthias Rößler trifft sich coronabedingt vor dem Haus mit der Dresdner Malerin und Bildhauerin Konstanze Feindt Eißner und Mitgliedern des Petitionsausschusses. Auch Sabine Hänisch, die Leiterin des Käthe-Kollwitz-Hauses in Moritzburg, ist dabei.

Die Dresdner Künstlerin überreicht dem Präsidenten eine von ihr initiierte Online-Petition. In den vergangenen Monaten wurde diese von rund 6.400 Menschen unterschrieben. Nicht nur die Zahl lässt aufhorchen, sondern auch der Umstand, dass das Interesse an dem Inhalt der Petition weit über die Grenzen des Freistaats hinaus reicht. „Mit 3.400 leben nur etwas mehr als die Hälfte in Sachsen“, sagt die Initiatorin. Unterstützung kommt auch aus Italien, Österreich, der Schweiz und sogar Amerika.

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Ziel der Petition ist, den Erhalt des Käthe-Kollwitz-Hauses in Moritzburg dauerhaft zu sichern. Das Sterbehaus der Künstlerin ist der einzig noch erhaltene authentische Aufenthaltsort. Seit 1995 gibt es dort eine Dauerausstellung zu Leben und Werk der Kollwitz und regelmäßig Sonderschauen.

Getragen wird die Gedenkstätte von der dafür gegründeten Stiftung. Finanziert wird sie vor allem durch die Zahlungen der Gemeinde Moritzburg, der Kreissparkasse Köln und des Kulturraums Meißen - Sächsische Schweiz - Osterzgebirge. Ursprünglich hatte der Kulturraum pro Jahr 45.000 Euro zum den Etat des Hauses beigesteuert. Hinzu kamen weitere 6.000 bis 7.000 Euro für die museumspädagogische Arbeit. Die Gemeinde beteiligte sich mit 22.750 Euro und zahlte damit mehr als den eigentlich erforderlichen Sitzgemeindeanteil. Aus Köln kamen 23.000 Euro.

Kulturraum-Gelder dramatisch gekürzt

In den vergangenen Jahren hat der Kulturraum seine finanzielle Beteiligung allerdings immer weiter verringert. Im Vorjahr auf nicht einmal mehr 25.000 Euro. Das Geld für die Museumspädagogik war schon 2019 komplett gestrichen worden. Die Kölner und die Gemeinde Moritzburg sprangen in die Bresche und erhöhten ihre Zuwendungen deutlich. Auch für das aktuelle Jahr haben beide jeweils 30.000 Euro zugesichert. Der Gemeinderat hatte mit seinem Beschluss im Oktober vergangenen Jahres daran aber gleichzeitig auch eine Forderung geknüpft: Bis Ende 2021 soll von der Stiftung ein tragfähiges Konzept für den Fortbestand des Hauses vorgelegt werden. Anderenfalls wird die Stiftung danach nur noch den Sitzgemeindeanteil bekommen.

Allerdings sieht die Mehrheit der Gemeinderäte nicht nur die Stiftung in der Pflicht. Sondern auch den Freistaat Sachsen. Dieser sollte sich perspektivisch direkt an der Finanzierung der Stiftung beteiligen. Schließlich habe das Kollwitz-Haus eine weit über Moritzburg hinausgehende Bedeutung.

Bereits vor dieser Entscheidung und verstärkt in den vergangenen Monaten wurde daher intensiv nach Lösungen gesucht. Sowohl Matthias Rößler (CDU), zu dessen Wahlkreis das Kollwitz-Haus gehört, als auch der Moritzburger Bürgermeister Jörg Hänisch (parteilos) und der Meißner SPD-Landtagsabgeordnete Frank Richter führten Gespräche. „Ein institutionelle Förderung, wie sie sich viele vielleicht wünschen, konnte dabei nicht erreicht werden“, so Rößler. Dennoch hatte er am Freitag bei der Übergabe der Petition eine gute Nachricht: „Im aktuellen Haushaltsentwurf, der am 19. Mai im Plenum beraten wird, sind jeweils 30.000 Euro für die nächsten drei Jahre eingeplant.“

Die Dresdner Malerin und Bildhauerin Konstanze Feindt Eißner übergab am Freitag die von ihr initiierte Petition an Landtagspräsident Matthias Rößler.
Die Dresdner Malerin und Bildhauerin Konstanze Feindt Eißner übergab am Freitag die von ihr initiierte Petition an Landtagspräsident Matthias Rößler. © SLT

Und das ist noch nicht alles. Kulturministerin Barbara Klepsch (CDU) und er hätten zudem die Idee, dass die Landesstelle für Museumswesen dem Kollwitz-Haus Unterstützung bei der Erarbeitung einer nachhaltigen Konzeption geben könnte. Eine weitere Überlegung sei eine Einbindung des Hauses in die Staatliche Schlösser, Burgen und Gärten Sachsen gGmbH. Schließlich war es Prinz Ernst Heinrich, der letzte Wettiner auf Schloss Moritzburg, gewesen, der die Kollwitz 1944 nach Moritzburg geholt hatte.

„Das kleine Team des Kollwitz-Hauses hat seit dessen Bestehen eine hervorragende Arbeit geleistet. Diesen wichtigen Erinnerungsort gilt es zu erhalten“, so Rößler. Er gehe davon aus, dass trotz der jetzt angekündigten direkten Förderung durch den Freistaat auch weiterhin Geld vom Kulturraum kommt. „Alles andere hätte keinen Sinn.“

Für das laufende Jahr hat dieser eine Zuwendung in Höhe von 27.240 Euro angekündigt und damit 2.500 Euro mehr als 2020. Im nächsten Jahr sollen es dann sogar 30.000 Euro sein, hatte es im Januar auf Nachfrage der SZ geheißen. Allerdings mit der Einschränkung, dass die Einnahmen des Kulturraums in der jetzigen Höhe bestehen bleiben.

Kostenexplosion für Gemeinde vorerst verhindert

Die befürchtete Explosion der Kosten für die Gemeinde sind damit für die nächsten zwei, drei Jahre offenbar erst einmal abgewendet. Ein vom Gemeinderat 2019 in Auftrag gegebenes Gutachten ging davon aus, dass die Gemeinde ihre Zuwendungen in den Jahren bis 2024 auf Beträge zwischen 58.000 und 88.000 Euro erhöhen müsste, um auch notwendige Sanierungs- und Instandhaltungsmaßnehmen vornehmen zu können. Haus und Grundstück hatte die Gemeinde Moritzburg seinerzeit in die Stiftung eingebracht.

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Konstanze Feindt Eißner ist am Freitag positiv überrascht und auch sehr erfreut. „Mein Eindruck ist sehr gut. Ich hatte noch nicht mit solch konkreten Aussagen gerechnet.“ Die Initiatorin der Petition bekräftigt aber auch noch einmal, dass das eigentliche Anliegen die langfristige Sicherung des Hauses sei.

Bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Fast scheint es so, als wollte das Wetter das ebenfalls verdeutlichen. Neben ein paar Sonnenstrahlen zeigen sich ringsum viele dunkle Wolken.

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