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Wieder mehr Geld vom Kulturraum fürs Kollwitz-Haus

Die Höhe der früheren Förderung wird aber nicht erreicht. Das Problem der Finanzierung bleibt so bestehen. Und damit auch das drohende Aus für das Haus.

Derzeit ist das Käthe-Kollwitz-Haus nur coronabedingt geschlossen. Sollte kein neues Finanzierungskonzept gefunden werden, ist der Fortbestand der Einrichtung in den nächsten Jahren allerdings in Gefahr.
Derzeit ist das Käthe-Kollwitz-Haus nur coronabedingt geschlossen. Sollte kein neues Finanzierungskonzept gefunden werden, ist der Fortbestand der Einrichtung in den nächsten Jahren allerdings in Gefahr. © Arvid Müller

Moritzburg. Es ist eine gute Nachricht: Das Käthe-Kollwitz-Haus in Moritzburg bekommt in diesem Jahr vom Kulturraum Meißen – Sächsische Schweiz – Osterzgebirge eine Förderung in Höhe von 27.240 Euro. Das bestätigt das Kulturraum-Sekretariat auf Anfrage der SZ. Die Zuwendung liegt damit rund 2.500 Euro über der von 2020 und entspricht der für 2021 beantragten Summe.

Sabine Hänisch, die Leiterin des Hauses, kann damit nun auch verbindlich weiter für dieses Jahr planen. Denn die Fördersumme des Kulturraums ist Bestandteil des Etats, auf dessen Grundlage der Moritzburger Gemeinderat im Oktober nach kontroverser Diskussion über die finanzielle Unterstützung der Gemeinde für die Stiftung Käthe-Kollwitz-Haus abgestimmt hatte.

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Damals stand allerdings auch noch eine andere Zahl im Raum. Laut Sabine Hänisch war zu diesem Zeitpunkt zu befürchten gewesen, dass der Kulturraum seine Förderung für das Haus nochmals drastisch reduzieren könnte - auf etwas mehr als 17.000 Euro.

Sonderstatus als Gedenkstätte

Auf die Nachfrage, wieso die Fördersumme stattdessen nun sogar angehoben wurde, heißt es in der Antwort des Kulturraum-Sekretariats: „Die Aussage, dass für 2021 eine weitere Kürzung der Mittel auf 17.000 Euro angekündigt wurde, ist so nicht korrekt.“ Der Kulturraum habe der Einrichtung für das Jahr 2020 mitgeteilt, dass basierend auf dem Bewertungsmodell in der Sparte Museen, Sammlungen, Ausstellungen ein Geldwert in Höhe von 17.320,67 Euro errechnet wurde. Der berechnete Geldwert werde jedem Antragsteller im Zuwendungsbescheid mitgeteilt. „Daraus ergibt beziehungsweise ergab sich jedoch zu keinem Zeitpunkt, dass im Jahr 2021 nur noch diese Höhe bewilligt wird.“ In der Praxis sei es generell so, dass ein Teil des Budgets zwischen den Einrichtungen umverteilt werden kann. Von diesem Umstand habe die Gedenkstätte - der Kulturraum sieht das Kollwitz-Haus als eine nicht museale Einrichtung - seit der Initiierung des Bewertungsmodells im Jahr 2013 partizipiert. Das sei der Museumsleitung bekannt gewesen, da sie bis 2018 Mitglied der entscheidenden Facharbeitsgruppe (FAG) war.

„Zu der Änderung des bereitgestellten Budgets kommt es, da die FAG seit 2013 die finanziellen Entwicklungen sehr aufmerksam verfolgt. Im Ergebnis wurde im Antragsverfahren für 2020 nicht nur der Sonderstatus der Einrichtung als Gedenkstätte herausgestellt und eine Anpassung des Bewertungsmodells zugunsten des Kollwitz-Hauses vorgenommen, sondern auch im Antragsverfahren 2021 ein gesondertes Budget festgelegt“, heißt es weiter in der Antwort des Kulturraums.

Allerdings räumt das Kulturraum-Sekretariat auch ein, dass die Entscheidung zwar bereits im Oktober 2020 getroffen wurde, jedoch erst nach der Sitzung des Kulturraum-Konventes Anfang Dezember offiziell kommuniziert werden konnte. Insofern gab es bis dahin als konkrete Aussage dann doch nur die 17.320,67 Euro.

Tragfähiges Konzept gefordert

Ab 2022 sollen für die Gedenkstätte dann im Jahr 30.000 Euro zur Verfügung stehen, lautet eine weitere gute Nachricht. Mit der Einschränkung, dass die Einnahmen des Kulturraumes in der jetzigen Höhe bestehen bleiben.

„Der Kulturraum schöpft damit alle ihm zur Verfügung stehenden Möglichkeiten zur Kofinanzierung der Einrichtung aus. Es ist nun an der Stiftung, mit weiteren Partnern einen gemeinsamen Weg zu finden“, heißt es abschließend in der Antwort des Kulturraums Meißen – Sächsische Schweiz – Osterzgebirge.

Der Moritzburger Gemeinderat hatte bei seiner Entscheidung im Oktober zwar erneut einer Unterstützung des Hauses mit 30.000 Euro - und damit einem deutlich höheren Betrag als dem für die Förderung durch den Kulturraum erforderlichen Sitzgemeindeanteils - zugestimmt, daran aber gleichzeitig auch eine Forderung geknüpft: Bis Ende nächsten Jahres soll von der Stiftung ein tragfähiges Konzept für deren Fortbestand vorgelegt werden. Anderenfalls wird die Stiftung danach nur noch den Sitzgemeindeanteil bekommen.

Blick in die Dauerausstellung im Sterbehaus von Käthe Kollwitz in Moritzburg.
Blick in die Dauerausstellung im Sterbehaus von Käthe Kollwitz in Moritzburg. © Arvid Müller

Allerdings sieht die Mehrheit der Gemeinderäte nicht nur die Stiftung in der Pflicht. Sondern auch den Freistaat Sachsen. Dieser sollte sich perspektivisch direkt an der Finanzierung der Stiftung beteiligen. „Schließlich hat das Kollwitz-Haus als einziger noch erhaltener authentischer Aufenthaltsort der Künstlerin eine weit über Moritzburg hinausgehende Bedeutung“, begründete der CDU-Fraktionschef Volker John diese Überlegungen.

Freistaat mit ins Boot holen

Seit dem Bestehen des Kollwitz-Hauses wird dieses zu einem Großteil durch die regelmäßigen Zuwendungen von drei Akteuren getragen: der Gemeinde Moritzburg, der Kreissparkasse Köln und dem Kulturraum. Während die beiden Erstgenannten ihr finanzielles Engagement in den vergangenen Jahren sogar erhöht haben - auch die Kreissparkasse unterstützt das Haus in diesem Jahr wieder mit 30.000 Euro - wurde die Förderung durch den Kulturraum Stück für Stück zurückgefahren. Ursprünglich, so Sabine Hänisch, hatte dieser pro Jahr 45.000 Euro für den Etat des Hauses beigesteuert. Hinzu kamen weitere 6.000 bis 7.000 Euro für die museumspädagogische Arbeit. Der Vorjahresbetrag entsprach dagegen nicht einmal mehr 50 Prozent dieser Summe.

Gleichzeitig prognostiziert ein vom Gemeinderat im Vorjahr in Auftrag gegebenes Gutachten auch wegen zu erwartender Instandsetzungsarbeiten weiter steigende Ausgaben für die Gemeinde, die ein Träger der Stiftung ist und seinerzeit das Grundstück in diese eingebracht hatte. Die erforderlichen Zuschüsse würden sich in den nächsten Jahren demnach auf Summen zwischen 58.000 und 88.000 Euro bewegen.

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