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Der etwas andere Campingurlaub

Seit Corona haben Wohnwagen- und Zelturlaub in Deutschland Konjunktur. Da trifft ein neues Angebot in Moritzburg offenbar genau ins Schwarze.

Peggy und Mike Burkhardt aus Lohmen haben gemeinsam mit Sohn Eric Schäferwagenurlaub in Moritzburg gebucht - und waren begeistert.
Peggy und Mike Burkhardt aus Lohmen haben gemeinsam mit Sohn Eric Schäferwagenurlaub in Moritzburg gebucht - und waren begeistert. © Norbert Millauer

Moritzburg. Pferdegespanne - ob nun mit herausgeputzten Pferden vor hübschen Kutschen oder mit kräftigen Rössern vor viele Leute fassende Kremserwagen - gehören in Moritzburg fest zum Ortsbild. Selbst Touristen schauen da ob der Vielzahl manchmal schon gar nicht mehr so aufmerksam hin. Ganz anders ist das, wenn die ungewöhnlichen Gespanne durch Moritzburg und die reizvolle Umgebung tuckern, die ihr Zuhause im Hochseilgarten am Mittelteich haben. Sind sie in Aktion, ziehen sie sofort neugierige und staunende Blicke auf sich.

Die historischen kleinen Traktoren mit den hölzernen Wohnwagen im Schlepp sind selbst die besten Werbeträger für den Schäferwagenurlaub, sagt der Bärnsdorfer Dariusz Wieczorek, der gemeinsam mit seinen beiden Kollegen vom Unternehmen WTH Moritzburg den Hochseilgarten am Mittelteich betreibt. In der fünften Saison.

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Mitten im ersten Corona-Jahr, als die Inzidenzen im Sommer wieder etwas Normalität ermöglichten und viele Menschen im Urlaub die Heimat statt die Ferne entdeckten, starteten sie ihr neues Angebot mit dem mobilen Hotelzimmer im eigens dafür gebauten Schäferwagen. Der kleinere bietet Platz für zwei Personen plus einer Aufbettung, der größere ist für vier Leute gedacht. Eine komplette Campingausrüstung, Geschirr, ein Grill, ein kleiner Kühlschrank für Speisen und Getränke und ein Waschbecken mit fließend Wasser sind mit an Bord.

Die Langsamkeit ist das besondere Erlebnis

Gezogen werden die Gefährte von einem grünen Deutz-Traktor und einem roten Mc Cormmick, die beide so langsam unterwegs sind, dass sie manchmal sogar von Radfahrern überholt werden. Die Leute, die auf diese Weise unterwegs sind, stört das nicht, weiß der Bärnsdorfer, denn so bleibt Zeit, die Umgebung und das besondere Fahrerlebnis intensiver zu genießen. „Und wer am ersten Tag noch ständig auf sein Handy geschaut hat, ist spätestens am dritten Tag viel ruhiger geworden und findet sich damit ab, dass der Empfang an vielen Stellen schlecht ist.“

Die Nachfrage in der ersten Saison war den Umständen entsprechend gut. Auch ohne große Werbung seien Touristen sogar aus Hamburg gekommen. Viele waren aber auch aus der Umgebung. So wie jetzt die Familie Burkhardt aus Lohmen. „Eigentlich hatten wir vor, unsere Flotte in diesem Jahr auszubauen“, sagt Dariusz Wieczorek. Doch wegen Corona musste der Hochseilgarten lange geschlossen bleiben, waren weder Klettertouren noch Feiern oder anderes möglich. „Da haben wir die zwei geplanten neuen Wagen erst einmal wieder abbestellt.“ Gekauft wurde dagegen ein dritter Traktor - ein Güldner. „So haben wir jetzt einen in Reserve, falls mal einer ausfallen sollte“, ergänzt der Bärwalder. Bisher sei das aber noch nicht der Fall gewesen. „Nur eine Dieselleitung war mal verstopft.“ Sollte es mal ein Problem wie dieses geben, genügt ein Anruf und Dariusz Wieczorek ist in kürzester Zeit an Ort und Stelle.

So sieht es im Inneren des Hotelzimmers auf Rädern aus.
So sieht es im Inneren des Hotelzimmers auf Rädern aus. © Arvid Müller

Denn für die Routen gibt es Streckenpläne und Partner, bei denen die Urlauber ihren Wagen für die Nacht hinstellen können. Dusche und Toilette können dort ebenfalls genutzt werden. Waren die Stationen im Premierenjahr neben dem Hochseigarten am Mittelteich ein Bauernhof, ein Reiterhof und Bad Sonnenland, sind in diesem die Bockwindmühle Ebersbach und der Pilgerhof in Tauscha neu hinzugekommen. Damit gibt es nun natürlich auch andere Routen.

Verschiedene Routen im Angebot

Und noch etwas ist neu: Die dreitägige Variante wird jetzt als Schnuppertour angeboten. Dabei bleibt der Wagen am Mittelteich stehen und mit dem Traktor können entspannte Ausflüge unternommen werden“, erklärt Dariusz Wieczorek. Das erste Jahr habe gezeigt, dass mancher Urlauber trotz ausführlicher praktischer Einweisung unsicher ist, wenn er neben der ungewohnten Fahrt mit dem Traktor auch noch an den Wagen hintendran denken muss. Denn der Traktor hat weder beim Lenken noch beim Bremsen Unterstützung wie ein Pkw und auch Runterschalten ist nicht möglich.

Auch die Familie aus Lohmen hat die Schnuppervariante gewählt - und ist begeistert. „Wir sind über die Felder getuckert, haben die Pferde beobachtet und konnten zwischendurch baden gehen“, erzählt Vater Mike. Picknick wurde am Frauenteich gemacht. Dem zehnjährige Sohn Eric habe es so gut gefallen, „dass wir noch bei den Eltern seines Freundes angerufen haben“. Den letzten Tag des Schäferwagenurlaubs konnten die beiden Jungs dann zusammen verbringen. „Wir kommen bestimmt mal zu einer großen Tour wieder“, ist sich Mike Burkhardt ziemlich sicher. Diese kann man für fünf oder sieben Tage buchen. Wie Dariusz Wieczorek sagt, gibt es auch in diesem Jahr noch freie Termine. Gefahren werden kann, so lange es das Wetter und die Corona-Regelungen zulassen.

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