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Mythos August nimmt Abschied

Auf Schloss Moritzburg geht die Schau zum 350. Geburtstag Augusts des Starken zu Ende. Das Museum hatte nach dem Start im Mai trotz Corona viele Besucher.

Landesvater, Baulöwe, Kunstmäzen, Ladykiller, Salonlöwe, Hufeisenverbieger, Polenkönig – August der Starke, wohl der bekannteste sächsische Kurfürst, hat bereits zu Lebzeiten an seinem eigenen Mythos kräftig mitgearbeitet. Auch das zeigt die Scha
Landesvater, Baulöwe, Kunstmäzen, Ladykiller, Salonlöwe, Hufeisenverbieger, Polenkönig – August der Starke, wohl der bekannteste sächsische Kurfürst, hat bereits zu Lebzeiten an seinem eigenen Mythos kräftig mitgearbeitet. Auch das zeigt die Scha © Norbert Millauer

Moritzburg. Er ist ohne Zweifel eine der bekanntesten Persönlichkeiten der langen sächsischen Gesichte. Und eine der schillerndsten obendrein. Gemeint ist Friedrich August I. - besser bekannt als August der Starke. Ihm hat Schloss Moritzburg - die einstige Jagdresidenz des sächsischen Kurfürsten und polnischen Königs - anlässlich seines 350. Geburtstags eine Sonderausstellung in der Barockschau gewidmet.

Nach dem coronabedingten verspäteten Saisonstart war die Ausstellung gerade noch rechtzeitig zum Jubiläumstag am 12. Mai eröffnet worden. Seitdem erfreut sie sich eines für diese ungewöhnliche Zeit großen Zuspruchs, der selbst die Verantwortlichen beim Schlösserland Sachsen überrascht.

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„Die Besucherzahlen sind, an den Umständen gemessen, sehr gut“, sagt am Montag Schlösserland-Sprecher Uli Kretzschmar auf Nachfrage der SZ. Zwar nennt er keine konkreten Zahlen, die offiziellen und detaillierten Daten werden wie immer erst in der Bilanz im Februar nächsten Jahres bekannt gegeben, „aber wir konnten in Moritzburg vor allem im Oktober mehr als 80 Prozent der Besucher im Vergleich zum Vorjahreszeitraum begrüßen“.

Damit liege Moritzburg etwas über dem Durchschnitt aller zur Staatliche Schlösser, Burgen und Gärten Sachsen gGmbH gehörenden Einrichtungen, der etwa 75 Prozent beträgt. „Gründe für die gute Besucherresonanz sind sicher auch, dass Schloss Moritzburg neben dem Museum auch Außenanlagen zu bieten hat und der Ort Moritzburg selbst ein beliebtes Ausflugsziel ist“, ergänzt Uli Kretzschmar.

Am Montag wurde nun der Endspurt für die Geburtstagsausstellung eingeläutet, die den Besuchern den Jubilar auf eine eher ungewöhnliche Art näherbringt. Denn nicht der historische August ist Thema, sondern der verklärte, der glorifizierte, der übertriebene August der Starke. Der Landesvater, Baulöwe, Kunstmäzen, Ladykiller, Salonlöwe, Hufeisenverbieger, Polenkönig - der inzwischen fast schon Supermannqualitäten besitzt. Obwohl vieles davon nur ein Mythos ist.

War August der Starke ein Supermann des Barock?
War August der Starke ein Supermann des Barock? © Norbert Millauer

Genau diesem ist die Schau auf der Spur. Mit zwölf Stationen in der Beletage des Schlosses mit Steinsaal, Monströsensaal, den Kurfürstenzimmern und Speisesaal illustriert die Ausstellung auf unterhaltsame und manchmal auch unerwartete Art und Weise die Geschichte von 350 Jahren Mythos August der Starke. Wer allerdings Antworten darauf erwartet, ob August der Starke wirklich Hufeisen verbiegen konnte und ob er tatsächlich 365 Kinder gezeugt hat, wird enttäuscht werden. 

An dem Bild, das wir heute von dem strahlenden Sachsen-Kurfürsten haben, hat dieser zu Lebzeiten übrigens schon kräftig mitgearbeitet. Egal, ob er sich als Herkules inszeniert oder in der Pose und Ausstattung eines römischen Kaisers als „Goldener Reiter“ verewigen ließ.

Überraschend ist da schon, dass man inmitten all der glorifizierenden Mythenbildung in der Ausstellung auch auf eine ganz andere Einordnung der Person August des Starken trifft, die vor allem im 19. Jahrhundert die Sicht auf ihn bestimmte. Diese reduzierte ihn auf einen Verschwender und Schürzenjäger ohne Anstand und Moral. Noch bis zum Sonntag ist die Ausstellung „350 Jahre Mythos August der Starke - Geschichte. Macht. Ihr.“ täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Danach schließt das Schloss Moritzburg für drei Wochen. In dieser Zeit soll unter anderem mit der Firma Histovery am geplanten HistoPad für Moritzburg gearbeitet werden.

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Statt der traditionellen Winterschau zum Kultfilm „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“, die für dieses Jahr coronabedingt abgesagt wurde, wird vom 21. November 2020 bis 28. Februar 2021 die Barockausstellung wieder Besucher empfangen. Dann aber ohne die Mythen um den starken August.

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