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Regen stoppt Mähdrescher und lässt Stroh vergammeln

Weizen und Roggen auf den Feldern der Agrargenossenschaft Radeburg sind reif. Doch die Mähdrescher können nicht ausrücken.

Nasses Stroh liegt in Reihen auf Feldern entlang der Meißner Landstraße bei Radeburg. Seit einer Woche ist weder Ernten noch Strohräumen möglich.
Nasses Stroh liegt in Reihen auf Feldern entlang der Meißner Landstraße bei Radeburg. Seit einer Woche ist weder Ernten noch Strohräumen möglich. © Norbert Millauer

Radeburg. In Reichenberg sind am Donnerstag insgesamt 25 Liter pro Quadratmeter runtergekommen, hat Heiko Hennersdorf gemessen. Das Problem des Feldbauvorstandes der Agrargenossenschaft Radeburg ist allerdings nicht die Menge, sondern, dass es täglich regnet, manchmal sogar mehrmals. „Seit einer Woche stehen die Mähdrescher nun schon. Bei der Ernte geht derzeit gar nichts.“

Dabei steht noch rund die Hälfte des Weizens und Roggens auf den Halmen. Manches liegt auch inzwischen. Was sich dann wieder schwerer ernten lässt. Doch zum Glück hält sich das sogenannte Lagergetreide in Grenzen. „Deswegen mache ich mir keine Sorgen“, ergänzt der Landwirt.

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Problematischer sei, dass langsam die Zeit weglaufe. „Wir haben noch zehn Tage zu dreschen“, sagt Hennersdorf. „Ab 20. August steht dann eigentlich das Rapsdrillen im Plan.“ Doch das wird wohl knapp werden. Denn wenn die Erntemaschinen vom Feld sind, müssen noch das Stroh reingeholt und der Boden bearbeitet werden.

Nur noch als Einstreu geeignet

Bei dem zuletzt geernteten Getreide hat das nicht mehr geklappt. Und so liegt beispielsweise auf Feldern entlang der Meißner Landstraße noch fein säuberlich das Stroh in Reihen, so wie es aus dem Mähdrescher gefallen ist. „Derzeit können wir auch da nichts machen außer auf trockenes Wetter zu warten.“ Dann müssen die derzeit pitschnassen Halme gelüftet werden bis sie dann hoffentlich richtig trocken sind und vor dem nächsten Regen zu Ballen gepresst werden können.

Das bedeutet allerdings nicht nur reichlich mehr Arbeit, sondern auch die Qualität leidet. „Langsam wird das Stroh dunkel und muffig. Als Einstreu für die Ställe lässt es sich aber noch verwenden“, sagt Heiko Hennersdorf.

Zuhause sitzen die Mitarbeiter der Agrargenossenschaft Radeburg derzeit aber trotz des Regenwetters nicht. Denn auf den Ackerflächen, auf denen als erstes die Wintergerste und danach der Raps geerntet wurde, gibt es noch einiges zu tun. Am Freitag wurde so in der Nähe der Humuswirtschaft in Großdittmannsdorf Stalldung auf dem Feld verteilt. Und nicht weit davon in Boden war laut dem Feldbauvorstand die Scheibenegge im Einsatz.

Obwohl die Ernte in diesem Jahr im Vergleich zu den vergangenen hinterherhinkt, liegt sie eigentlich noch im langjährigen Durchschnitt. „Wir waren zuletzt nur etwas verwöhnt, weil die Vegetation insgesamt früher dran war.“

Die Zwangspause wird dennoch genutzt. So auch zum Ausbringen von Stalldung, wie bei Großdittmannsdorf.
Die Zwangspause wird dennoch genutzt. So auch zum Ausbringen von Stalldung, wie bei Großdittmannsdorf. © Norbert Millauer

Beim Ertrag des bereits geernteten Getreides hätten sich leider die Prognosen bestätigt. „Durch die Tage mit über 30 Grad im Mai haben die Pflanzen da schon auf Sommer umgeschaltet und dichtgemacht“, sagt Heiko Hennersdorf. Die Folgen waren bei der Gerste sehr kleine Körner, „die sich leider nur als Futtergetreide eignen.“

Noch schlimmer hat es den Weizen erwischt, der vor allem auf den Kuppen total weiß aussieht. „Nach dem Rohproteingehalt wäre der Weizen zwar Brotgetreide, aufgrund der kleinen Körner bekommen wir ihn allerdings auch nur als Futter los.“

Gute Investition: Mähdrescher mit Raupenketten

Überrascht war der erfahrene Landwirt indes vom Raps. „Der hatte sehr lange und auch sehr schön geblüht, sodass ich mir eigentlich einen ordentlichen Ertrag versprochen hatte.“ Doch am Ende blieb dieser unter dem langjährigen Mittelwert. „Aber wenigsten war der Ölgehalt gut.“

Die Anbauflächen für Raps hat Heiko Hennersdorf in den vergangenen Jahren ohnehin drastisch reduziert. Von ehemals 550 Hektar auf diesmal nur noch 320 Hektar, einschließlich der Flächen in Grünberg. : „Im vergangenen Jahr mussten wir siebenmal mit der Spritze durch den Raps fahren. Das sorgt nicht nur für Fragen und Diskussionen, sondern geht auch richtig ins Geld“, nennt der Landwirt einen Grund. Ein anderer sei, dass Palmöl eine immer größere Rolle spiele, weil es billiger angeboten wird.

Heiko Hennersdorf hofft nun, dass das Wetter - wie von den Meteorologen angekündigt - am Wochenende regenfrei bleibt. „Dann kann die Ernte endlich weitergehen.“ Der vor ein paar Jahren angeschaffte Mähdrescher mit Raupenketten hat sich übrigens bezahlt gemacht. „Ohne diesen wären wir diesmal auch bei Sonne in Bärwalde nicht auf die durchnässten Felder gekommen.“

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