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Streit um Katastrophenschutz-Fahrzeug

Moritzburg lässt das Boxdorfer Feuerwehrauto reparieren. In dieser Zeit soll eigentlich das neue Fahrzeug aus Steinbach zum Einsatz kommen.

Vor gut vier Wochen war das neue Katastrophenschutz-Fahrzeug an seinem derzeitigen Standort in Steinbach getauft worden. Jetzt sorgt es für Aufregung.
Vor gut vier Wochen war das neue Katastrophenschutz-Fahrzeug an seinem derzeitigen Standort in Steinbach getauft worden. Jetzt sorgt es für Aufregung. © Norbert Millauer

Moritzburg. Ist der Brandschutz im Moritzburger Ortsteil Boxdorf in Gefahr? In einer am Montagabend in der Gemeinderatssitzung von Bürgermeister Jörg Hänisch (parteilos) verlesenen Stellungnahme widerspricht Gemeindewehrleiter Wolfgang Voigt entsprechenden Behauptungen. Auslöser für diese ist der Umstand, dass das Boxdorfer Feuerwehrauto derzeit repariert wird. Drei bis vier Wochen steht es daher nach Auskunft des Bürgermeisters den Boxdorfer Kameraden nicht zur Verfügung.

Stattdessen sollte in dieser Zeit das vor gut einem Monat in Steinbach vorgestellte neue Katastrophenschutz-Fahrzeug im Boxdorfer Gerätehaus für den Einsatzfall in Bereitschaft stehen. So die Überlegung der Gemeinde. Wie der Bürgermeister sagt, habe es mit dem Kreisbrandmeister entsprechende Absprachen gegeben. Denn das vom Bund gekaufte Fahrzeug ist zwar in der Gemeinde Moritzburg stationiert – derzeit in Steinbach, nach Fertigstellung des neuen Moritzburger Gerätehauses dann dort – die Verfügung über das 223.000 Euro teure Auto liege aber beim Landkreis. Gedacht ist das Fahrzeug in erster Linie für größere Brände, etwa im Wald. Es kann aber auch innerhalb der normalen Aufgaben der Feuerwehr eingesetzt werden.

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In der vergangenen Woche sollte das Katastrophenschutz-Fahrzeug von Steinbach nach Boxdorf umgesetzt werden. Doch daraus wurde nichts. Der Steinbacher Wehrleiter Marco Hoffmann schickte seinen Boxdorfer Kollegen Jens Klotzsche unverrichteter Dinge wieder nach Hause. Zu dessen Überraschung und auch der des Bürgermeisters. Denn aus seiner Sicht gab es klare Absprachen, aber möglicherweise auch mangelnde Kommunikation. „Das Fahrzeug gehört ja nicht den Steinbachern.“

Marco Hoffmann erklärte am Dienstag auf Nachfrage der SZ seine Entscheidung. „Es ist richtig, dass das Fahrzeug nicht zur Steinbacher Feuerwehr gehört. Und damit aber auch nicht der Gemeinde Moritzburg.“ Wäre das der Fall, hätte er das Auto übergeben. „Dem Fahrzeug ist vom Landkreis als Standort aber klar Steinbach zugeordnet worden“, so der Wehrleiter weiter. Das könne man auch einer entsprechenden Auflistung der Katastrophenschutz-Fahrzeuge im Internet entnehmen. „Ich habe bisher weder eine Nutzungsvereinbarung zu sehen bekommen, noch ein Papier vom Landkreis, dass ich das Auto an Boxdorf übergeben soll.“

Kreisbrandmeister Ingo Nestler ist derzeit im Urlaub. Wie der Steinbacher Wehrleiter sagt, habe er aber im Rahmen der gescheiterten Übergabe den zuständigen Sachbearbeiter für den Katastrophenschutz im Landratsamt angerufen: „Auch dieser hatte keine entsprechende Information.“ Das Telefon habe er daraufhin an den Boxdorfer Wehrleiter weitergereicht.

Marco Hoffmann sieht sich daher zu Unrecht in die Rolle des Buhmanns gedrängt. Er sei mal ermahnt worden, weil er ein paar Stiefel für 100 Euro ohne ein Schriftstück herausgegeben habe. „Da mache ich das doch jetzt nicht mit einem Fahrzeug, das fast eine Viertelmillion kostet.“

Zudem gab es nach seinen Worten noch ein ganz anderes Problem, das gegen eine zeitweilige Umsetzung des neuen Autos nach Boxdorf sprach. „Die Kameraden haben an diesem seit Ende Juli zwar schon zahlreiche Ausbildungsstunden absolviert, bisher ist das Katastrophenschutz-Fahrzeug aber noch gar nicht funkmäßig zugelassen.“ Das heißt: „Es kann bei Bedarf noch gar nicht zum Einsatz ausrücken.“ Das war zumindest der Stand bis Dienstagnachmittag. Inzwischen sei die Funkprobe erfolgt und das Katastrophenschutz-Fahrzeug damit einsatzbereit.

Ein weiteres Problem bleibt indes. In Boxdorf gebe es nur einen dem Katastrophenschutz zugeordneten Kameraden, ergänzt Marco Hoffmann. „Wer soll also dort mit dem Fahrzeug ausrücken.“ In Steinbach sind es dagegen 20 und in Moritzburg 13 Kameraden.

Bei dem für Donnerstagabend anberaumten Treffen des Bürgermeisters mit Gemeindewehrleitung und Ortswehrleitern will der Steinbacher daher eine andere Lösung vorschlagen: „Wir geben unser reguläres Fahrzeug für die Reparaturzeit an die Boxdorfer Wehr und dafür bleibt das neue Fahrzeug in Steinbach. Dann brauchen wir den Landkreis nicht einschalten.“

Unabhängig vom Ergebnis der Zusammenkunft am Donnerstag ist der Brandschutz in Boxdorf dennoch gesichert. Denn wie Wolfgang Voigt erklärt, gebe es für den Fall, dass ein Fahrzeug vorübergehend aus dem Einsatzdienst genommen werden muss, eine klare Regelung: In der zuständigen Leitstelle in Dresden wird über entsprechend ausgearbeitete Rückfallebenen im Leitstellenrechner im Einsatzfall ein anders Fahrzeug für diesen Bereich aktiviert.

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