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Teichwirtschaft Moritzburg drosselt Karpfen-Produktion

80 Tonnen waren 2020 ein historisch schlechter Ertrag. In diesem Jahr plant der Betrieb mit dieser geringen Menge, obwohl die Teiche gut mit Wasser gefüllt sind.

Zwar wurden die ersten Karpfen bereits aus dem Wasser geholt, das Abfischen der großen Teiche startet aber erst zur Monatsmitte.
Zwar wurden die ersten Karpfen bereits aus dem Wasser geholt, das Abfischen der großen Teiche startet aber erst zur Monatsmitte. © Arvid Müller

Moritzburg/Bärnsdorf. Lehrling Niclas Hänsch hat in einer der Garagen der Teichwirtschaft in Bärnsdorf gerade einen einsamen Job. Er flickt eines der großen Netze, mit denen die Fische in den nächsten Wochen aus den Teichen geholt werden.

Doch auch auf dem Gelände am Ortseingang gibt es einiges zu tun. Denn am 4. September findet dort wieder das Hoffest statt. Mit diesem wird traditionell am ersten Sonnabend im September die Hofladen-Saison eröffnet. Natürlich gibt es dort dann auch wieder frischen Karpfen zu kaufen. Zwei kleine Teiche - der Luisen- und der untere Autobahnteich - wurden dafür in der vergangenen Woche bereits abgefischt. Mitte September folgen dann die ersten großen Gewässer, die von den Bärnsdorfern bewirtschaftet werden. So der Niedere Großteich gleich oberhalb der Hälteranlage, der Frauen- und der Mittelteich.

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Was selbst der Laie sieht: Anders als in den vergangenen drei, vier Jahren mangelt es diesmal nicht am Wasser. Das kommt ausschließlich durch Regen und Schnee in die sogenannten Himmelsteiche. „Ein bisschen wärmer hätte es sein können, dann wachsen die Karpfen besser. Aber die Teiche waren diesmal die ganze Zeit über sehr gut gefüllt“, bestätigt auch Henry Lindner, der Geschäftsführer der Teichwirtschaft Moritzburg GmbH. So wurden auch die Schilfgürtel endlich mal wieder richtig nass und die Fische hatten ausreichend Rückzugsmöglichkeiten. „Hinzu kam, dass die Teiche 14 Tage zugefroren waren.“

Fischräuber wie der Kormoran konnten daher nicht so viel Schaden anrichten wie in den vergangenen Jahren. Allerdings waren auch deutlich weniger der großen schwarzen Vögel da, sagt der Teichwirt. Möglich, dass der Grund dafür die geringeren Aussichten auf eine erfolgreiche Jagd waren. „Oder wir hatten diesmal einfach nur Glück.“

Tierische Fischräuber und Dumpingpreise

In der vergangenen Saison war das anders gewesen. In zwei großen Gewässern hatten die Fischer fast Totalverluste zu verzeichnen. Statt der erhofften 30 Tonnen lag der Ertrag im Niederen Großteich gerade mal bei einer halben. Fast noch härter waren die Einbußen am Niederen Waldteich. Dort sollten die kleinen Karpfen heranwachsen, die dann in diesem Jahr zum Verkaufsgewicht gefüttert worden wären. Auch dort wurden nur 500 Kilo statt der erhofften 15 Tonnen aus dem Wasser geholt.

Der Teichwirtschaft bescherten die Einbußen durch die Kormorane und Fischotter 2020 am Ende gerade mal eine Ernte von 80 Tonnen. „Das war mit Abstand der schlechteste Ertrag, den wir je hatten“, sagt der Geschäftsführer. In den Jahren davor waren es zwischen 130 und 150 Tonnen gewesen. In sehr guten Jahren sogar 180.

Die Verluste des vergangenen Jahres wirken aber auch in diesem Jahr. Weil von den eigenen sogenannten Satzfischen fast nichts mehr übrig war, musste Henry Lindner zweijährige Karpfen von anderen Betrieben hinzukaufen. „Damit ist allerdings immer das Risiko verbunden, sich Krankheiten in die Teiche zu holen.“ Wie die gefürchtete Koi-Herpes.

Mit Garn und einer Netznadel schließt Lehrling Niclas Hänsch Löcher in dem mit 100 Meter größten Netz der Teichwirtschaft Moritzburg.
Mit Garn und einer Netznadel schließt Lehrling Niclas Hänsch Löcher in dem mit 100 Meter größten Netz der Teichwirtschaft Moritzburg. © Arvid Müller
anders als in den vergangenen trockenen Jahren ist diesmal nicht nur der Moritzburger Schlossteich randvoll mit Wasser gefüllt.
anders als in den vergangenen trockenen Jahren ist diesmal nicht nur der Moritzburger Schlossteich randvoll mit Wasser gefüllt. © Arvid Müller

Dass die Teichwirtschaft Moritzburg nur fünf Tonnen Satzfische dazu gekauft hat und damit voraussichtlich wieder nur 80 Tonnen Karpfen vermarkten kann, hat aber auch noch andere Gründe. Zum einen, so Henry Lindner, sei ja nicht klar gewesen, ob diesmal mehr Wasser in den Teichen ist. „Die Fische zu kaufen und zu füttern, um am Ende zu sehen, dass den Großteil die Kormorane holen, ist wirtschaftlich nicht sinnvoll.“ Zudem bereitet den Teichfischern auch ein anderes Problem Sorgen, das bereits im Vorjahr den Absatz erschwert hat. „Aus Tschechien werden erhebliche Mengen Karpfen zu Dumpingpreisen an den Großhandel geliefert. Lebend lassen sich unsere Fische da nur noch schwer verkaufen“, ergänzt Henry Lindner.

Er will daher künftig eher weniger Karpfen produzieren und diese dann als höherwertiges Produkt verkaufen. Etwa als Filet oder geräuchert. Vieles davon soll direkt im Hofladen verkauft werden, anderes an Gaststätten oder den Großhandel geliefert werden. Abnehmer von Moritzburger Karpfenfilet seien beispielsweise Rewe und Edeka. „Im Hofladen halten sich beim Verkauf schon jetzt küchenfertig vorbereitete Karpfen und Filet in etwa die Waage.“

Eine Tonne Mini-Karpfen

Damit auch in den nächsten Jahren wieder ausreichend Karpfen aus den Moritzburger Teichen geholt werden können, wurden mehrere große Exemplare als Laichfische eingesetzt. Klappt alles wie geplant, will Henry Linder im Herbst rund eine Tonne Mini-Karpfen fischen. Diese wiegen um die 50 Gramm das Stück. Aus diesen könnten im nächsten Jahr um die 500 Gramm schwere sogenannte K2-Exemplare werden, bevor sie dann 2023 in ihrem dritten Sommer das gewünschte Verkaufsgewicht von 1,5 bis zwei Kilo erreichen.

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Wie viele bis dahin vom Kormoran oder vom Otter gefressen werden, weiß Henry Lindner nicht. „Wir brauchen einen langen Atem und auch ein bisschen Glück.“

Am Sonnabend lädt die Teichwirtschaft Moritzburg von 10 bis gegen 15 Uhr zum Hoffest nach Bärnsdorf ein. Der Hofladen ist bereits ab 3. September geöffnet: immer freitags von 10 bis 17 Uhr und samstags von 9 bis 12 Uhr.

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