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Müder Start in Görlitz

Willes sind mit dem Zirkus in der Stadt. Die Premiere zog wenig Publikum, aber Artisten und Domteure sind optimistisch.

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© Pawel Sosnowski/80studio.net

Von Matthias Klaus

Görlitz. Manchmal hat auch ein weißer Löwe einen schlechten Tag. „Es geht den Tieren eben wie den Menschen.“ Manuel Will zuckt mit den Schultern. Wenn nicht dann nicht. „Man sollte das Tier dann einfach in Ruhe lassen“, sagt er. Manuel Wille muss es wissen. Er ist Dompteur im Zirkus William, der gerade in Görlitz Station macht. Raubtiere, darauf hat sich Manuel Wille spezialisiert. Weiße Tiger und Löwen gehören dazu, elf Raubtiere gehören zum Zirkus. Manuel Wille kennt sie alle. Wie die beiden jungen Tiger zum Beispiel, die gerade durchs Gehege toben. „Sie wurden im vergangenen Jahr auf Usedom geboren“, erzählt Manuel Wille. Er war selbst bei der Geburt dabei. „Als Hebamme“, lacht der Dompteur. Das klingt einfach, war es aber offensichtlich nicht. „Experten haben ihm abgeraten, selbst bei der Geburt dabei zu sein. Es hätte gefährlich werden können“, erzählt Manuels Bruder Manolito Wille. Aber die Liebe zu den Tieren war offensichtlich stärker.

Die Tierschau ist ein Höhepunkt des Zirkus Wille. Besucher können auch bei den Proben mit den Tieren schon mal zugucken.
Die Tierschau ist ein Höhepunkt des Zirkus Wille. Besucher können auch bei den Proben mit den Tieren schon mal zugucken. © Pawel Sosnowski/80studio.net

Die wurde den Brüdern Wille, die den Zirkus William in der siebenten Generation betreiben, bereits vom Vater in die Wiege gelegt. „Wir haben schon als Kinder gelernt, Verantwortung für die Tiere zu übernehmen“, sagt Manolito Wille. Pferde striegeln, Hufe auskratzen – Alltag für die Wille-Sprösslinge. Dass man neben gerade geborenen Tieren schlief, um sie zu wärmen, wie Manuel Wille es bei den Tigern auf Usedom tat, auch das gehört dazu. Der heutige Raubtier-Domteur begann seine Karriere in jungen Jahren mit einer Hunde-Dressur. Heute fressen ihm Tiger und Löwen im wahrsten Sinne des Wortes aus der Hand. „Mit Gewalt, schlagen oder lautem Geschrei kann man nicht mit Tieren arbeiten“, sagt Manuel Wille. Er setzt darauf, dass die Tiere Spaß daran haben, was sie machen, dass sie es freiwillig tun. Die Tierdressur ist eines der großen Standbeine des Zirkus aus Müncheberg, östlich von Berlin. Markus und Roberto Wille etwa sind Experten, was die Arbeit mit Pferden betrifft. Die Willes sind stolz auf ihre Herkunft. Die Flagge mit dem Wappen des Ortes weht mit dem Zirkuszelt. „Der Bürgermeister hat sie uns geschenkt“, sagt Manuel Wille.

Rund 40 Mitarbeiter hat der Zirkus. Zuhause, in Müncheberg, gibt es ein eigenes acht Hektar großes Gelände. Ältere Tiere verbringen dort ihren Lebensabend, junge werden aufgezogen. Außer den Raubtieren. Die müssen schon in jungen Jahren mit auf Tour, sich an das Zirkusleben gewöhnen. „Einen festen Bezugspunkt zu haben, ist wichtig“, sagt Manolito Wille. Noch bis zum 27. März gastiert der Zirkus in Görlitz auf dem Festplatz Kidrontal. Der Auftakt war etwas schwierig, sagt Manolito Wille. Nur etwa 70 Gäste schauten sich zur Premiere das Programm an, die Einnahmen deckten noch nicht einmal die Kosten. „Wir waren vorher in Malschwitz bei Bautzen. Dort kamen immerhin ein paar Hundert Zuschauer“, sagt Manolito Wille. Er hofft aber, dass die Görlitzer sich als Zirkusfreunde erweisen und die nächsten Vorstellungen besser besucht werden. Das große Zelt hat Platz für genau 1000 Zuschauer.

Der Zirkus Wille hat sogar schon einen Fernsehstar hervorgebracht. Deniro Wille, Neffe von Manolito, schaffte es in der RTL-Fernsehsendung Deutschland sucht den Superstar 2014 Dieter Bohlen und Bruce Darnell von seinen Fähigkeiten auf dem Schlappseil zu überzeugen. „Es ist schon Wahnsinn, was er auf dem Seil macht“, sagt Manolito Wille. Zwar hat Deniro in der Fernseh-Show einen Stern bekommen, aber zum ganz großen Sieg hat es nicht gereicht. Manuel Wille sieht das ganz pragmatisch. „Einen Sänger oder einen Komiker für die breite Masse zu vermarkten, ist einfacher. Bei einem Artisten wird es schon schwierig“, findet er und widmet sich wieder seinen Tieren. Ein paar Streicheleinheiten für den weißen Löwen, für die jungen Tiger. Die wachsen im Zirkus gemeinsam auf. „Sie sind es nicht anders gewöhnt“, sagt Dompteur Manuel Wille. Nur beim Fressen, da ist jedes Tier für sich allein. Damit es keinen Futterneid gibt.