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Murks mit Maschendrahtzaun

Der alte Zaun am Wachauer Schlosspark ist weg. Das nutzen Hühner gnadenlos aus.

© Thorsten Eckert

Von Thomas Drendel

Wachau. Der gemeine Maschendrahtzaun hat es schon zu einiger Berühmtheit gebracht. Entertainer Stefan Raab beispielsweise landete mit seinem Maschendrahtzaun-Lied einen Nummer-1-Hit in den deutschen Charts. Bekanntlich hatte sich Regina Ziegler aus dem Vogtland darüber beschwert, dass ein Knallerbsenstrauch ihren Zaun beschädigt. Sie forderte in ihrem unnachahmlichen Dialekt den Nachbarn auf, ihn zu beseitigen. Ohne Erfolg.

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Jetzt hat auch Wachau seinen Maschendrahtzaun-Fall. Der liegt etwas komplizierter. Begonnen hat alles vor einigen Monaten. Die Gemeinde Wachau entschied sich, den Schlosspark wieder in Ordnung bringen zu lassen. Neue Bäume, neue Sträucher, neue Wege und auch ein neuer Zaun wurden geplant. Natürlich musste der alte Maschendrahtzaun dem neuen aus Metallstreben weichen. Als der neue dann stand, wurde das Dilemma offenbar: Hühner können ungehindert in den Schlosspark spazieren. Bisher wurden sie durch den Maschendrahtzaun davon abgehalten. Die Metallstreben stehen aber soweit auseinander, dass das Federvieh ungehindert durchschlüpfen kann. Außerdem klafft zwischen Erdboden und Zaun eine Lücke von 30 bis 40 Zentimetern. Der Zaun ist praktisch für die Tiere nicht vorhanden. Kurz ducken und durch, so ihr Motto.

Was die Hühner freut, ärgert die Anwohner. So kam das Thema jetzt vor den Gemeinderat. Ein Wachauer beklagte, dass die Hühner nicht nur im Schlosspark spazieren gehen, sondern auch auf seinem Grundstück. „Im Park ist ja noch nichts zu holen. Dort wird ja noch gearbeitet und es gibt keine Wiese. Deshalb kommen sie auf mein Land und picken. Auf die Dauer geht das nicht“, sagte Hartwig Dextor.

Steffen Jakob, der unmittelbar am neuen Zaun sein Grundstück hat, auf dem der Verein Wunder Land auch Hühner hält, fühlte sich überrumpelt. „Wir haben ja erst gesehen, als der neue Zaun stand, dass Zwischenräume zwischen den Streben so groß sind. Bis dahin sind wir davon ausgegangen, dass er hühnerdicht ist wie der alte.“ Gemeinderäte wie Anwohner sind sich einig, eine Lösung muss her. Am einfachsten wäre es doch, am neuen Metallzaun bis zu einer gewissen Höhe einen kleinen Maschenzaun anzubringen. Die Tiere könnten dann nicht mehr durchschlüpfen. Nein, aus Gründen der Gewährleistung kann dort kein Drahtgeflecht anmontiert werden, sagte die Wachauer Kämmerin Ramona Ernst.

Zweiter Zaun am Schlosspark?
Bleibt die Möglichkeit, vor dem schönen neuen Zaun einen zweiten Hühnerzaun zu errichten, mit zehn Zentimetern Abstand vielleicht. Der muss ja nicht ganz so hoch sein. Drüber flattern darf aber auch nicht sein. Es könnte also passieren, dass gleich zwei Zäune um den Wachauer Schlosspark führen, ein großer für die Menschen und ein kleiner für die Tiere.

Glücklich wäre Steffen Jakob mit dieser Lösung nicht. „Im Sommer wächst dann Unkraut zwischen den Zäunen. Das sieht sicher nicht sehr schön aus.“ Inzwischen hat es Gespräche zwischen der Gemeinde und Anwohnern gegeben. „Der Bürgermeister hat mir zugesichert, dass die Gemeinde eine Lösung findet, damit die Hühner nicht frei im Park herumspazieren können“, sagt Steffen Jakob. Wie die genau aussehen wird, weiß noch keiner.

Die Begrenzung um den Wachauer Schlosspark hatte vor einigen Tagen bereits für Aufsehen gesorgt. Es ist der gleiche, der an Kasernen der Bundeswehr und am Militärhistorischen Museum in Dresden steht. Dunkelgrau, mit viereckigen Stäben, oben abgeschrägt, sodass eine kleine Spitze entsteht. Anwohner fanden ihn unpassend an einem barocken Park. Die Untere Denkmalbehörde verteidigte ihn. „Es handelt sich um einen schlichten Zaun, der vorher auf seine Denkmalverträglichkeit geprüft wurde“, sagt Sabine Rötschke vom Landratsamt in Bautzen. Im Schlosspark selber gehen jetzt die Arbeiten weiter: Sträucher und Bäume werden gepflanzt und Rasen wird ausgesät. Der Park soll bei der Eröffnungsfeier zum Jubiläum „800 Jahre Wachau“ am Freitag, dem 17. August 2018, festlich eingeweiht werden.