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Stadt setzt Kinder vor die Tür

Der Verein Musaik bringt deutsche und ausländische Kinder in Prohlis zusammen. Doch das gemeinsame Musizieren ist gefährdet, weil die Stadt ein altes Schulhaus über den Winter schließt.

© Sven Ellger

Von Nora Domschke

Seit vergangenem Jahr engagiert sich der Verein Musaik im Wohngebiet in Prohlis, bringt hier dreimal in der Woche Kindern aus sozial benachteiligten Familien das Violine- und Cello-Spiel bei. Nun könnte es eng werden für das Projekt „Grenzenlos musizieren“ – und dass im wahrsten Sinne des Wortes. Denn die Stadt hat die weitere Nutzung der Räume im ehemaligen Schulgebäude auf der Boxberger Straße untersagt. Aus wirtschaftlichen Gründen.

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Oberbürgermeister Dirk Hilbert wendet sich im Namen Dresdens an die Angehörigen der Verstorbenen – Urnenhain Tolkewitz als öffentlicher Ort für die Trauer.

Der Altbau soll abgerissen werden und damit Platz machen für den Neubau eines Berufsschulzentrums. Zwar steht der Abriss noch nicht unmittelbar bevor, aber die Stadt liefert dennoch eine Begründung für den Rausschmiss: Weil die Volkshochschule bislang ebenfalls eines der beiden alten Schulhäuser für Sprachkurse nutzte, habe die Stadt die anderen Räume für Musaik zur Zwischennutzung zur Verfügung gestellt. Nun ist Musaik alleiniger Nutzer und nutze fünf bis sieben Räume für maximal vier bis fünf Stunden am Nachmittag. Über die Wintersaison sei es wirtschaftlich nicht darstellbar, das vierstöckige Schulhaus mit Heizung, Strom und Wasser zu betreiben.

Dagegen regt sich nun heftiger Widerstand im Stadtteil. In einem offenen Brief wenden sich Mitstreiter des Netzwerkes „Prohlis ist bunt“ an Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP). Diese fordern, dass das Schulhaus bis zum Abriss genutzt werden dürfe. „Prohlis gehört aufgrund seiner Wohnungskapazitäten zu den Gebieten der ‚überforderten Nachbarschaften‘. Es trägt in Dresden die höchsten Integrationsleistungen bei bereits vorhandenen multiplen Problemlagen“, heißt es in dem Brief. Mittlerweile haben ihn viele Akteure aus dem Stadtteil unterzeichnet, darunter etwa Stadtbezirksräte von Grünen, SPD und Linke, der Verein Querformat, die Mobile Jugendarbeit, die Kirchgemeinde sowie die Flüchtlingssozialarbeit der Caritas.

Auf SZ-Anfrage teilt die Stadt mit, dass das Musikprojekt stundenweise Räume der 121. Oberschule und 122. Grundschule nutzen könne. Allerdings nicht kostenfrei. Zudem müsse es noch konkrete Absprachen über Räume und Zeiten geben.