merken

Mutter Courage der Pestalozzi-Schule

Elternrätin Steffi Krenzien kämpft für einen besseren Ruf der Löbauer Schule – und fordert härtere Schritte gegen Störenfriede.

© www.foto-sampedro.de

Von Markus van Appeldorn

Anzeige
Symbolbild Anzeige

Was? Ein Suzuki? Klar, ist cool!

Viel Esprit und frischer Charme - deshalb ist das Energiebündel Suzuki Swift so beliebt.

Löbau. Manchmal ist Steffi Krenzien regelrecht fassungslos: „Da stehen Mütter zukünftiger Fünftklässler vor uns und erzählen weinend, dass ihr Kind jetzt auf diese Schule gehen muss.“ Steffi Krenzien ist Vorstandsmitglied im Elternbeirat der Pestalozzi-Oberschule. Seit ihr ältester Sohn vor sechs Jahren dort eingeschult wurde, engagiert sich die Ebersdorferin für dieses Gremium. Sie ärgert sich wie andere Eltern über den schlechten Ruf, dem die Pestalozzi-Oberschule ausgesetzt sei. „Man hört immer nur Gerüchte“, sagt sie. Von Prügeleien sei da die Rede, Hänseleien oder Schwänzen. Und sie will den Gerüchten auch einen gewissen Wahrheitsgehalt gar nicht absprechen: „Die Pesta ist die größte Oberschule Sachsens. Wo 500 Kinder zusammenkommen, kommt so etwas natürlich vor.“ Sie beklagt sich vielmehr darüber, dass Gerüchte und schlechte Nachrichten schnell Verbreitung finden, Erfolgsnachrichten dagegen weniger.

Jetzt in den Tagen der Neuanmeldungen für Fünftklässler will Steffi Krenzien gemeinsam mit dem Elternrat und der Schulleitung das Image der Schule steigern. Bei einer Gesamtelternrats-Sitzung am Mittwoch hat sie einen Brief des Vorstands verlesen und zählt das Engagement der Schule und die Erfolge auf: „Sieben erste und fünf zweite Plätze beim letzten landesweiten Schülerwettbewerb, dazu ein dritter Platz in Mathe, Informatik-, Schreib- Video- und Fotowettbewerben.“ Im Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten stelle die Schule einen Landessieger. Dazu kämen viele ausgezeichnete sportliche Leistungen von Schülern der Pestalozzi-Oberschule.

In einem Glaskasten vor dem Schuleingang ist eine Auflistung von über 20 Ganztagsangeboten (GTA) ausgehängt. Die Spanne reicht von Naturwissenschaften und Sprachen über Sport, Film und Kochen bis zu Musik und Tanz. Steffi Krenzien selbst leitet ein Theater-GTA, bei dem sie die Schüler mit einem selbst geschriebenen Stück schon zu den Theatertagen nach Bautzen gebracht hat. „Bei diesen Leistungen und diesem Angebot – worin liegt der schlechte Ruf der Schule begründet?“, fragt sie. Auch den Schülerrat hat sie befragt, was der sich als Verbesserung für die Schule wünsche. „Die Antwort war: Mehr Respekt für alle, mehr Konsequenzen und einen besseren Ruf für unsere Schule.“

Sie und der Elternrat haben bei der Sitzung auch konkrete Maßnahmen vorgeschlagen und gefordert. So sollten in allen Klassen die Eltern aufgefordert werden, ihre Rechte und Pflichten bei der Bildung der Kinder wahrzunehmen. Außerdem solle gemeinsam mit den Schülern in den Klassen Strategien entwickelt werden, wie man mit Störenfrieden umgehe. Auch wenn es bildungs- und erziehungsresistente Schüler an der Pestalozzi-Oberschule gebe, stellt der Brief fest: „Der weitaus größte Teil der Schüler will lernen. Die Fleißigen und Engagierten sollten uns viel häufiger auffallen. Bildung muss wieder einen hohen Wert bekommen.“ Und der Brief des Elternrats fordert auch: „Wir müssen Bildung nicht jedem auf Teufel komm raus hinterherschmeißen. Wer nicht lernen will, bitte, der kann gehen.“ Steffi Krenzien fordert, dass es leichter möglich sein müsse, Störer vom Unterricht auszuschließen.

Nach einem Bericht des Schulleiters Hans-Jürgen Gerk würden etwa 50 Kinder an der Schule in die Kategorie „Störenfried“ fallen. „Der Schulleiter hat berichtet, dass in einer 5. Klasse 30 Prozent der Schüler als Verhaltensnote eine 4 oder 5 haben, eine 6. Klasse komme auf einen Anteil von 27 Prozent“, sagt Steffi Krenzien. Schulleiter Gerk bestätigt der SZ auf Anfrage die Schilderung von Steffi Krenzien. „Ich finde es gut, dass sich Eltern um die öffentliche Meinung über unsere Schule kümmern“, sagt er. Auch einige der geforderten Maßnahmen gegen Störer begrüßt er. „Mit gemeinsam mit den Schülern in den einzelnen Klassen entwickelten Strategien hatten wir auch schon Erfolg“, sagt er.

Steffi Krenzien kennt auch ein ermutigendes Beispiel dafür, dass die Pestalozzi-Oberschule ganz offensichtlich besser ist als ihr Ruf: „Eltern aus Bernstadt haben mir erzählt, dass sie sich ganz spontan für die Pesta entschieden haben, weil sie am Tag der offenen Tür ein fremder Schüler spontan freundlich begrüßt habe. Das hat sie überzeugt, dass an dieser Schule eine gute Atmosphäre herrscht.“