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Nachtfang an der Elbe

Mit Lampe und Laken bewaffnet warten Naturfreunde auf Insekten. Die kommen, aber auch ungebetene Gäste.

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© Udo Lemke

Von Udo Lemke

Meißen. Ob Labkrautspanner, Nesselschabeleule oder Zimtbär – alle sind sie an diesem Mittwochabend gegen 21 Uhr gekommen. Die Rede ist von Nachtfaltern, die sich, angelockt von einer starken Speziallampe auf einem weißen Laken niederlassen. Aufgespannt hat es Bernd-Jürgen Kurze im Garten der Familie Mühl auf der Elbtalstraße hinter der Knorre. Eingeladen hat die Nabu-Regionalgruppe Meißen zum Nachtfang an die Elbe. Sinn und Zweck der Übung: Die durch das Licht angelockten Insekten sollen bestimmt werden.

Kerstin Horn aus Nieschütz ist freiberufliche EDV-Dozentin und ist zum ersten Mal bei einer solchen Aktion dabei. Ihr Weg zu den Fliegen, Käfern, Wanzen und Schmetterlingen ist verschlungen. In ihrer Freizeit hat sie angefangen, mit Marionetten zu spielen. Sie will ein Stück für Kinder schreiben, irgendetwas mit einem Schmetterling darin – damit war der Weg zum Nabu-Nachtfang vorgezeichnet. „Ich bin völlige Anfängerin, seit einem Jahr beobachte ich, was so auf meinem Grundstück fliegt, und ich finde das unheimlich interessant.“

Das ist es auch, was Bernd-Jürgen Kurze in einer kurzen Einführung den Anwesenden – immerhin 15 Naturfreunde sind erschienen, sogar aus Dresden sind sie gekommen – zu berichten hat. In Deutschland fliegen nachts mehr als 1 000 verschiedene Falterarten. „Ein Spezialist kann ungefähr 1 000 Arten überblicken“, seien es nun Falter oder Käfer. Zum Vergleich: In Sachsen gibt es ungefähr 25 000 verschiedene Insektenarten, weltweit geht man von etwa einer Million aus, es könnten aber auch doppelt so viele sein. . .

Die ersten Boten des Herbstes

Bernd-Jürgen Kurze erklärt, dass jetzt im August die zweite Generation der Nachtfalter fliegt – „das sind die ersten Boten des Herbstes“. Davon will an diesem lauen Augustabend natürlich niemand etwas wissen. Dann schon eher davon, wie man mit altem Käse Schmetterlinge fängt. Und das geht so, erzählt Bernd-Jürgen Kurze. Nicht der Segelfalter ist der größte heimische Tagfalter, sondern der Große Eisvogel. Ein Schmetterling, der im Wald lebt und der, wie viele andere Arten nicht nur auf Süßes steht, sondern auch auf Saures. Viele Schmetterlinge saugen an verfaultem Obst oder gar an Tierkot, um ihren Bedarf an Mineralien zu decken. Früher haben Entomologen, also Insektenkundler, alten Käse ausgelegt, um die Schmetterlinge anzulocken. „Wenn man heute historische Insektenkästen öffnet, dann riecht es manchmal noch nach altem Käse.“

Das Laken unter der Lampe ist inzwischen über und über mit Insekten bedeckt. Die meisten sind kleiner als zwei Zentimeter. Darunter sind grau-braune Zwergzikaden, die in der Vergrößerung wunderschöne bunte Körpermuster zeigen, es gibt schlichte Wanzen und golden schillernde Kleinschmetterlinge. Und manchmal kommt auch ein größerer Nachtfalter. Er verschwindet im Glas und wird im Schein der Stirnlampe im Bestimmungsbuch gesucht. Dem von Bernd-Jürgen Kurze sieht man an, dass es schon viele nächtliche Exkursionen hinter sich hat. Übrigens gibt es im Elbtal das Jahr über 200 bis 300 verschiedene Nachtfalterarten zu beobachten. Allerdings ist noch immer nicht wissenschaftlich geklärt, warum sie eigentlich ins Licht fliegen. Klar ist etwas anderes: Die Hornissen, die versuchen, das Laken zu kapern, sind ungebetene Gäste, sie werden gefangen und weggebracht.