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Naturcafé mit Selbstbedienung

In der tschechischen Wiesenbar läuft selbst die Bezahlerei ohne Personal. Das klappt besser als erwartet.

© Petr Špánek

Von Steffen Neumann

Tschechien. Das Pärchen genießt den Kaffee unter freiem Himmel. Noch ist es früh genug, dass die Morgensonne nicht so heiß auf Terrasse und Garten in Kamenna Horka (Steinhübel) bei Krasna Lipa (Schönlinde) scheint. Eine halbe Stunde Entspannung, bevor der Tag weitergeht. Später halten zwei Radfahrer und genehmigen sich eine kalte Erfrischung, zahlen und gehen. Was wie ein privates Refugium wirkt, ist in Wirklichkeit eine öffentliche Bar. Jeder kann sich Kaffee machen oder ein Bier nehmen, verweilen und am Ende Geschirr und Müll wegräumen. Auch eine Kleinigkeit zu Essen gibt es. Auch das Bezahlen läuft in Eigenregie. Einen Kellner gibt es nicht. Dafür ist täglich geöffnet.

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Willkommen in der Wiesenbar mit Selbstbedienung, steht auf dem Schild. Miloslav Petrasek ist eigentlich Kunstschmied, die Wiesenbar betreibt er nach der Arbeit – deshalb muss der Gast mit anpacken.
Willkommen in der Wiesenbar mit Selbstbedienung, steht auf dem Schild. Miloslav Petrasek ist eigentlich Kunstschmied, die Wiesenbar betreibt er nach der Arbeit – deshalb muss der Gast mit anpacken. © Petr Špánek
Was fürs Auge ist der höhenverstellbare Grill, Marke Eigenbau.
Was fürs Auge ist der höhenverstellbare Grill, Marke Eigenbau. © Steffen Neumann

Nur ab und zu schaut der Eigentümer vorbei: Miloslav Petrasek. Blonde Haare, blonder Bart, sportliche Kleidung. Petrasek säubert gerade die Wege und sprengt den Rasen. In nur drei Monaten hat er die Freiluftbar schräg gegenüber von seinem Haus gebaut. Seit April ist sie geöffnet und läuft allen Bedenken zum Trotz gut.

„Meine Erwartungen wurden übertroffen“, sagt er. Die Bedenken, jemand würde die Kasse des Vertrauens missbrauchen und nicht zahlen, teilte er ohnehin nicht und fühlt sich nach zwei fast Monaten Betrieb bestätigt. „Die Waren sind ausgepreist, es gibt eine Kasse und Wechselgeld. Das klappt problemlos“, sagt er.

Die meisten Gäste sind bislang Einheimische, aber die ersten Touristen haben schon hergefunden. Leicht ist das nicht. Es gibt kaum Parkplätze. „Unsere Gäste kommen eher mit dem Rad oder zu Fuß“, sagt Petrasek. Während sich die Bar von der einen Seite her öffnet, kann man sie übersehen, wenn man aus dem Kirnitzschtal (Krinice) kommt. Da ist Brennholz gelagert. Der Zugang zur Bar sieht aus wie der Eingang zum Holzschuppen. Nicht, dass sich Petrasek mit seiner Bar verstecken will. Aber er will den Gästen die Chance zum Entdecken geben.

Das gilt auch in der Bar. Petrasek hat an alles gedacht: ein Herd zum Tee- und Kaffeekochen, ein Kühlschrank für Bier, Würste und Hermelin-Käse. Die können an einer Feuerstelle gebrutzelt werden. Daneben liegt Brennholz, darüber die Streichhölzer. Müll wird getrennt. Und wo kann man eigentlich hin, wenn man mal muss? „Die Männer in den Busch“, antwortet Petrasek lakonisch. Dort befindet sich eine zivilisierte Überraschung, daneben steht ein Plumpsklo. Alles sieht aus, als ob Landschafts- und Innenarchitekten Hand in Hand gearbeitet haben. Dabei stammen Idee und Umsetzung allein von ihm. „Ich hatte von Anfang an eine Vorstellung, wie es aussehen soll“, sagt Petrasek.

Eine Bar mit Selbstbedienung ist gewöhnungsbedürftig. Manche Gäste bewegen sich noch vorsichtig, fragen zur Sicherheit nach: Ob der Kaffeesatz in den Müll soll oder gleich in den Ausguss gespült werden kann. „In den Ausguss“, ermuntert Petrasek.

Für ihn ist die Wiesenbar eine willkommene Abwechslung. Eigentlich ist er Kunstschmied. Arbeit hat er mehr als genug. „Aber nach nunmehr 16 Jahren fühlte ich mich ausgebrannt“, gesteht er. Das hat sich mit der Bar geändert.

Sie soll ein origineller Ort sein, wo sich Menschen treffen. „Hier entstehen immer mehr Übernachtungsplätze für Touristen, aber es gibt zu wenig Möglichkeiten zum Einkehren“, hat er festgestellt. Seine Idee kommt gut an, denn an einem Samstag waren hier schon 100 Gäste, wie er sagt. Zwar steht in der Bar alles auf Tschechisch. Aber gedacht ist das Angebot auch für ausländische Gäste. Wörter wie Bar und Kasa für Kasse erschließen sich leicht. Und dass Hunde angeleint sein müssen, versteht sich vielleicht auch von selbst. Auch wenn die Gäste sich selbst bedienen, Arbeit macht die Bar trotzdem. Vorräte wollen eingekauft und nachgefüllt sein, Müllbehälter geleert. „In der Woche muss ich nicht da sein, aber am Wochenende gehen drei Stunden für die Bar weg.“ Doch mit dem Sommer werden zunehmend Gäste auch in der Woche kommen, wenn Petrasek arbeitet. Er will deshalb einen Studenten anheuern.

Petrasek ist gespannt, wie es weiter geht. Ob er die Bar sogar im Winter öffnet? „Wenn Gäste kommen – na klar!“