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Neißebrücke bei Görlitz verträgt jetzt schnellere Züge

Für knapp sieben Millionen Euro hat die polnische Bahn das 170 Jahre alte Bauwerk saniert. Ab heute fahren hier mehr Güter- als Personenzüge.

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© dpa

Von Tilo Berger

Görlitz. Eine der wichtigsten Verkehrsadern zwischen Deutschland und Polen ist wieder fit für die nächsten Jahrzehnte: Die Bahnbrücke über die Neiße zwischen Görlitz und Zgorzelec wurde für rund 6,6 Millionen Euro saniert. Die Federführung für die Arbeiten lag bei der polnischen Bahngesellschaft PKP Polskie Linie Kolejowe, deren Projektleiter Zbigniew Gzik gestern in Görlitz die Brücke als „Ausnahmeobjekt“ bezeichnete. Das 437 Meter lange und gut 35 Meter hohe Bauwerk mit seinen 29 Pfeilern war ab 1844 aus Granit gebaut worden. Im Zweiten Weltkrieg wurden Teile der Brücke zerstört und 1953 aus Beton wieder aufgebaut. Diesen Beton wuschen mit der Zeit Regen- und Tauwasser aus. Zuletzt konnten Züge nur noch über die Brücke schleichen, unter ihr sorgten heruntergefallene Steine für Sperrungen.

Seit September 2012 erneuerten polnische Baufirmen die abgenutzten Teile und die Entwässerungstechnik. Auch Brückenplatte, Schotter, Gleise, Kabel und Signaltechnik sind jetzt neu. Teile des Geländers wurden ebenso ersetzt, ihre historische Form aber beibehalten. Trotz der Bauarbeiten konnten jederzeit Züge rollen. Erst wurde ein Gleis erneuert und ging im Juli 2013 in Betrieb, vor kurzem dann das zweite. Lokführer können jetzt auf der Brücke wieder bis auf Tempo 80 beschleunigen.

Ab heute überqueren hier täglich nicht nur die sechs Personenzüge der Verbindung Dresden–Wroclaw (Breslau) die Neiße, sondern auch zehn bis 15 Güterzüge. Bisher nutzten diese Züge, die vor allem polnische Steinkohle aus dem oberschlesischen Revier nach Deutschland bringen, die Neißebrücke bei Horka weiter nördlich. Diese Brücke wird jetzt saniert und ausgebaut – wie die gesamte Niederschlesische Bahnmagistrale zwischen Hoyerswerda und der Neiße. Voraussichtlich ab 2017 sollen hier Güterzüge zweigleisig und mit Tempo 160 fahren können. Bis dahin überqueren sie die Neiße entweder in Görlitz, Forst oder Frankfurt (Oder).

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Bis 2017 will die polnische Bahn die gesamte Strecke zwischen Wroclaw und Zgorzelec elektrifizieren. Der Görlitzer Oberbürgermeister Siegfried Deinege (parteilos) bat die Nachbarn gestern, doch gleich auch noch die wenigen hundert Meter bis in den Bahnhof der östlichsten deutschen Stadt unter Strom zu setzen. Dann könnten Reisende in Görlitz in die schnellen polnischen Triebzüge umsteigen. Denn auf eine baldige Elektrifizierung der Strecke zwischen Dresden und Görlitz hofft offenbar niemand mehr. Auf deutscher Seite liefen grenzüberschreitende Schienenprojekte „leider allzu häufig beschämend langsam“, nahm der Geschäftsführer der Allianz pro Schiene, Dirk Flege, den gestrigen Festakt in Görlitz zum Anlass für Kritik.