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Neuanfang im Kornhaus

Des einen Leid ist des anderen Freud. Nächstes Jahr schließt die Raiffeisengenossenschaft in Dohna, die Stadt kauft und löst ein Problem.

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© Karl-Ludwig Oberthuer

Von Heike Sabel

Dohna. Wer vom Dohnaer Bauhof was will, kann immer nur an der falschen Stelle landen. An drei Standorten ist er verteilt – in Gorknitz, am Kahlbusch und am Markt in Dohna. Dort gab es bis vor einiger Zeit sogar noch einen vierten Standort. Nun soll das die längste Zeit so gewesen sein. Der Stadtrat hat jetzt beschlossen, das Kornhaus neben dem Bahnhof zu kaufen und zum zentralen Bauhof umzugestalten.

Die Raiffeisengenossenschaft Kornhaus verkauft hier Futtermittel, Brennstoffe und betreibt einen Bauernladen. Schrittweise wird der Betrieb im nächsten Jahr eingestellt, informierte Bürgermeister Ralf Müller (CDU) im Stadtrat. Am längsten bleibt der Laden, er soll Ende Oktober 2017 schließen.

Die Mischfutterproduktion als Schwerpunkt ist bis Mitte nächsten Jahres vorgesehen, sagt Gunter Felbrich. Er ist seit 2004 im Kornhaus, übernahm 2011 die Leitung und hat nun niemanden gefunden, der nach der Rente seine Nachfolge übernimmt. Das Kornhaus zu verkaufen, sei ein schwerer Schritt.

Müller ist froh, dass die Kornhaus-Genossenschaft nur mit der Stadt Dohna über den Verkauf verhandelt. Das Ergebnis legte er jetzt vor – Preis: 240 000 Euro. Damit sind auch die kritischen und auf jeden Euro schauenden Freien Wähler im Stadtrat einverstanden. Doch der Kaufpreis reicht ihnen nicht, sie wollen wissen, was an Kosten insgesamt auf die Stadt zukommt. Und das ist nicht wenig.

Die Planung soll nächstes Jahr 130 000 Euro kosten. 2018 ist mit einer Million Euro dann der größte Posten einzuplanen, in den beiden darauffolgenden Jahren sind es noch einmal jeweils eine halbe Million Euro. Insgesamt will Dohna also mit Kaufen und Planen rund 2,5 Millionen Euro für den neuen Bauhof ausgeben. Zum Vergleich: Der Schulanbau kostet rund 3,5 Millionen Euro, der Kitaanbau rund 1,5 Millionen Euro, die Rathaussanierung etwa drei Millionen. Die einzelnen Bauetappen können aber noch variieren, sagt Müller. Man sei da flexibel. Klar ist jedoch bereits, dass das Steinhaus des Kornhaus-Komplexes erhalten bleiben soll, die anderen Gebäude werden abgerissen.

Das Kornhaus wurde im Zuge des Baus der Müglitztalbahn 1936 eröffnet. Bauern brachten ihr Getreide zum Reinigen hierher, berichtet Ortschronist Kurt Woyack. Zehn Jahre später, nach dem Zweiten Weltkrieg, übernahm das Kornhaus Aufgaben zur Versorgung, begann mit dem Handel und führte ein eigenes Bankgeschäft für die Bevölkerung. 1951 wurde die Bäuerliche Handelsgenossenschaft (BHG) gegründet. Wieder vergingen zehn Jahre bis zur nächsten Veränderung. 1961 begann der Handel mit Baustoffen für die Landwirtschaft und der Kartoffelsortierplatz ging in Betrieb.

Nach der Gründung des agrochemischen Zentrums in Pirna 1976 schloss sich das Kornhaus zwei Jahre später mit der BHG Pirna zusammen. Der 1985 eröffnete Laden „Haus, Hof und Garten“ war für die Dohnaer immer eine wichtige Adresse und ist es bis heute. Die Raiffeisengenossenschaft „Kornhaus Dohna“ hat 1993 die Verkaufsstelle und den Baustoffhandel der ehemaligen BHG übernommen. So ist es bis heute. Für Gunter Felbrich ist der Abschied nicht einfach. Er hofft, dass ihm die Kunden bis zum Schluss treu bleiben.

Die Stadt Dohna hatte sich 2014 drei Jahre gegeben, um das Problem Bauhof zu regeln. Ganz schafft sie diese Vorgabe nun nicht, doch ein Ende der Kleinstaaterei ist in Sicht. Wenn der Dohnaer in vier Jahren mal etwas mit dem Bauhof direkt klären will, gibt es nur noch eine Adresse. Der Standort Gorknitz soll verkauft werden, für das Bauhof-Domizil am Markt gibt es bereits Interessenten und die Kahlbusch-Außenstelle soll geräumt werden.