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Neuanfang mit Schinken und Würsten

Im Wachauer Wunderlandverein ist Direktvermarkter Gunter Fröhlich mit seinen Schaffleischprodukten gern gesehen.

Von Bernd Goldammer

Gunter und Margit Fröhlich lachen gern. Das sind sie ihrem guten Namen schuldig. Auch wenn das Leben nicht immer so lief, wie es geplant war. Im Jahr 1972 hat Fleischerssohn Gunter mit der Ausbildung begonnen. Sein Vater machte ihn zum Gesellen. Unmittelbar nach der Lehre ging er dann in die Meisterschule. Altmeister wollten die Nachfolge in guten Händen wissen.

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Gunter Fröhlich im Sommerstress. Bevor er aus Schafen Bratwurst für die Grillmeister macht, hat er schon 120 von ihnen gefüttert. Und nach dem Wurstmachen geht es auf der Koppel weiter. Der Fleischermeister ist der Meinung das aus Schafen noch viel mehr z
Gunter Fröhlich im Sommerstress. Bevor er aus Schafen Bratwurst für die Grillmeister macht, hat er schon 120 von ihnen gefüttert. Und nach dem Wurstmachen geht es auf der Koppel weiter. Der Fleischermeister ist der Meinung das aus Schafen noch viel mehr z

1983 übernahm Gunter Fröhlich das Geschäft. Es lief gut und nach der Wende ging es noch viel besser. „In Spitzenzeiten hatten wir 17 festangestellte Mitarbeiter“, erinnert sich Gunter Fröhlich. Verkaufswagen seiner Firma standen auf Märkten und vor Kaufhallen. In Kamenz hatte der Fleischermeister ein zweites Geschäft eröffnet. Wurst aus Gersdorf hatte viele Fans. Das Leben war schön, doch Zeiten ändern sich auch. Wegen Lehrstellenmangels gingen viele Jugendliche weg.

Und weil lernfreudige, belastbare Jugendliche überall gern eingestellt werden, gründeten sie ihre Familien anderswo. Und die heimische Kundschaft nahm ihre Fleischerzeugnisse beim Einkauf in der Stadt gleich mit. „Das war eine schwere Zeit. Sich von liebgewordenen Mitarbeitern zu trennen, um die Fortexistenz des eigenen Geschäftes zu sichern, ist bitter“, sagt Gunter Fröhlich heute.

In dieser Zeit war seine Margit ihm besonders wichtig. Frau, Freundin, Mitarbeiterin, Beraterin und Ermutigerin war sie ihm. Die Einwohnerzahl ging immer schneller zurück. Mutige Entscheidungen mussten her. Die Arbeitsweise in Fröhlichs Fleischerei wurde von Grund auf verändert. „Wir sind viel gereist und haben dabei eine neue Nische gesucht. Irgendwann kamen wir auch nach Salem in Baden-Württemberg.“ Dorf fanden gerade die deutschen Schafschur-Meisterschaften statt. Dort sprang der Funken zum neuen Beruf als Selbstvermarkter über. „Das wurde unser Einstieg in die Szene“,erinnert sich Gunter Fröhlich.

Zur inneren Zufriedenheit war es noch ein weiter Weg. Mit der Schafzucht hatte man nur wenig Erfahrung. Doch das sollte sich rasch ändern. Begeisterung kann Berge versetzen. 120 Schafe wurden angeschafft, Weideflächen mussten gepachtet werden. „Manchmal haben wir bis zu 200 Tiere aufgezogen. Nach einem guten Leben haben wir sie geschlachtet und verarbeitet.“ Viele Menschen schätzen den Geschmack des Schaffleisches. Mehr als anfangs gedacht. „Ich habe Knacker, Schinken, Hackepeter hergestellt – und bin mit meinen neuen Erzeugnissen auf viele Märkten gereist“, sagt er. So konnte er mit den Kunden ganz zwanglos ins Gespräch kommen.

Immer wieder deckte die Presse Fleischskandale auf. Politik spielte die Gefährlichkeit herunter. Das Misstrauen wuchs, viele Menschen wollten Alternativen. Dann entdeckten die Medien Tierquälerei bei der Aufzucht und der späteren Massenschlachtung. Eine andere Verbrauchskultur entstand. „Das war meine neue Chance“, erinnert sich Fröhlich. In der Dresdener Neustadt spürte er, was seine Kunden wollen. Zuerst wollen sie kosten – und gleich darauf geht es um die Haltungsbedingungen. Fast jede Woche kamen Besucher nach Gersdorf, um sich alles anzusehen. Mit Geschmacksproben konnte er sie interessieren, mit den Haltungsbedingungen überzeugte er sie dauerhaft.

Flatterband und Weidezäune

„So entstand mein neuer Kundenkreis.“ Und am liebsten ist er im Wachauer Wunderlandverein. Dort trifft er Gleichgesinnte. Das sind modern eingestellte Hobby-Schafzüchter. „Wir unterhalten uns darüber, wie wir dem Wolf ein Schnippchen schlagen können und trotzdem Schafzucht betreiben können. Es geht“, lautet sein vorsichtiges Fazit. „Freilich habe ich meine Schafkoppel an die gültigen Förderauflagen angepasst. Das hat viel Geld gekostet, das ich mir aber über Fördermittel des Freistaates zurückholen konnte.

Seit 2005 betreibt Gunter Fröhlich Schafzucht und bis heute wurde seine Zuchtanlage im Freien noch nicht von Wölfen angegriffen. Die Weidezäune sind 1,20 m hoch und darüber wird noch sehr viel Flatterband gespannt. Geblieben ist eine gewisse Angst. Besonders in Zeiten, wenn Wölfe Nachwuchs zu versorgen haben. „Offensichtlich greifen die Sicherheitsvorkehrungen.“ Sagt er und klopft dabei auf Holz. Gunter Fröhlich glaubt, es könnte noch viel mehr aus Schafen gemacht werden. Im Wunderland gibt es eine Hobbykäserei, die Schafsmilch variantenreich verarbeitet. Bei Wachaus 800-Jahr-Feier bekommen Besucher einen Einblick.

Die Wunderländer haben Schafscherer, und an den Spinnrädern zeigen Omas ihren Kindern wie die Fäden für Pullover, Mützen, Handschuhe oder Decken entstehen. Der Bedarf steigt. Schafe machen wenig Arbeit. Sie holen sich ihr Futter dort, wo es wächst. Aus ihrer Wolle lassen sich auch natürliche Dämmstoffe machen, die überdies schwer entflammbar sind. Fazit: Wenn Züchter zusammenfinden, haben sie eine Zukunft ...

www.wunderland-wachau.de