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Neue Gastronomen starten im Görlitzer Zentrum

Ein Syrer verkauft in der Elisabethstraße vegetarische Speisen aus seiner Heimat. Am Postplatz hingegen gibt es nun ein weiteres Döner-Lokal.

© Nikolai Schmidt

Von Ingo Kramer

Görlitz. Einen Laden hatte Ghassan Yassin schon in seiner syrischen Heimat. „Ich habe Spielzeug verkauft und Schulsachen“, sagt der 45-Jährige, der aus der Stadt Idlib kommt, nur etwa 50 Kilometer südwestlich von Aleppo. Vor zwei Jahren ist er mit seiner Familie nach Deutschland geflohen, kam zuerst nach Leipzig, dann ins Lager in Kollm, nach Weißkeißel und schließlich vor einem Jahr mit Frau und fünf Kindern nach Görlitz. Hier fühlt er sich wohl – und hier hat er vorigen Mittwoch wieder einen Laden eröffnet. Doch statt Spielzeug gibt es syrische Speisen. „Kochen war schon lange mein Hobby“, sagt er. Sein 17-jähriger Sohn Mohammad pflichtet sofort bei, dass der Vater sehr gut kochen könne.

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Ali Acibucu hat diese Woche seinen Döner-Imbiss „Peperoni“ am Postplatz 16 eröffnet. Dank Eröffnungsangeboten war der Laden gleich richtig voll.
Ali Acibucu hat diese Woche seinen Döner-Imbiss „Peperoni“ am Postplatz 16 eröffnet. Dank Eröffnungsangeboten war der Laden gleich richtig voll. © Nikolai Schmidt

Obwohl er selbst auch Fleisch isst, setzt er in seinem Imbiss „Falafel Rima“ ausschließlich auf vegetarische Speisen, die zwischen zwei und vier Euro kosten. „Falafel wird auch in Syrien ohne Fleisch gegessen“, sagt er. Falafel, das sind Bällchen aus Erbsen, Zwiebeln, Kräutern und Gewürzen. Außerdem bietet er Foul an, also dicke Bohnen, und Hummus, eine orientalische Spezialität, die aus pürierten Kichererbsen oder Ackerbohnen, Sesam-Mus und anderen Zutaten hergestellt wird. Die Speisen werden mit Salat und Fladenbrot gereicht.

Die Rezepte hat Ghassan Yassin aus Syrien mitgebracht, die Zutaten bekommt er in Dresden und Berlin. Besonders auffällig in Geschmack und Aussehen ist eine pinkfarbene Zutat, die in Deutschland kaum bekannt ist. „Das ist Liffid“, sagt Sohn Mohammad, der jetzt in den Schulferien seinem Vater hilft. Liffid sei ein Gemüse, ähnlich wie Gurke, aber eingelegt in Essig und Salz. Das sorgt für den markanten Geschmack. Ab nächste Woche geht Mohammad wieder in die Oberschule. Dann wird stattdessen seine Mutter mit im Imbiss helfen. Sie besucht derzeit noch einen Deutsch-Kurs an den Euro-Schulen.

Dass Ghassan Yassin in den einstigen Räumen von Janny’s Eis und der späteren Bubble-Tea-Bar ein Lokal eröffnen konnte, hat er auch vielen Helfern zu verdanken. Vor allem hat Ghassan Yassin die Beratungsangebote im Café Hotspot am Obermarkt genutzt. „Beim Papierkram und den Formalitäten hat mir Julia Schlüter vom Hotspot sehr geholfen“, sagt er. Das Geld für die Ladeneinrichtung hat er sich bei einem Cousin geliehen, der seit 30 Jahren in Belgien lebt. „Aber so teuer war es nicht, wir haben vieles selbst gebaut“, sagt er. Manches sei auch schon im Laden vorhanden gewesen, er konnte es übernehmen. Geöffnet ist nun täglich von 9 bis 19 Uhr, nur am Sonntag bleibt „Falafel Rima“ geschlossen. „Die meisten Gäste kommen zur Mittagszeit“, sagt Sohn Mohammad Yassin. Er hofft, dass es auch am Nachmittag und frühen Abend noch mehr werden.

Dieses Problem hat Ali Acibucu nicht. Auch er hat einen neuen Imbiss eröffnet, am Dienstag nach Ostern. „Peperoni“ heißt er – und bietet am Postplatz Döner, Dürüm, Pizza und Pasta an. Fünf Männer, die alle in der Türkei geboren wurden, arbeiten hier. Und das im Akkord: Das neue Lokal war die ganze Woche voller Leute, mittags wie abends. „Das liegt am Eröffnungsangebot“, sagt Ali Acibucu. Noch bis Sonntag bietet er Döner, Dürüm und Salat für drei Euro an. Ab nächster Woche gelten dann die normalen Preise, dann wird es sicher ruhiger werden. Statt zu fünft werden die Männer dann auch nur noch zu dritt sein: „Zwei sind nur Aushilfen für die erste Woche.“

Der 35-Jährige lebt schon seit 16 Jahren in der Region, hat in Rothenburg ein Lokal geführt, aber auch in Görlitz in einigen Döner-Imbissen gearbeitet, im City-Center, bei Marktkauf, auf der Berliner Straße. Ein eigenes Lokal wollte er schon lange führen: „Ich suche seit über zehn Jahren nach einem guten Laden.“ Am Postplatz 16, kurz hinter der Ecke zur Berliner Straße, ist er nun fündig geworden. Die zentrale Lage sei gut, der Ausblick durch die großen Glasscheiben auf den Platz gefällt ihm. Hier gab es früher einen Asia-Imbiss und ein Nagelstudio. Ali Acibucu hat beide Läden gemietet und vor sieben Monaten mit dem Umbau begonnen. Die Zwischenwand hat er herausgerissen und stattdessen einen großen Stahlträger eingezogen.

Der Name „Peperoni“ klingt einfach gut und bleibt lange im Gedächtnis hängen, findet Ali Acibucu. Einen anderen Grund für die Namenswahl gibt es nicht, die Gerichte sind nicht schärfer als anderswo. „Aber wer es scharf mag, bekommt es natürlich scharf“, sagt der Inhaber. Zudem lege er großen Wert auf die Qualität des Fleisches. Drei Spieße drehen sich bei ihm. „Einer davon ist Kebab, also 100 Prozent Fleisch“, sagt er. Geöffnet ist sieben Tage die Woche, von 10 bis 22 Uhr.