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Neue Pläne für Nossener Brücke

Der Neubau für die Stadtbahntrasse verzögert sich um Jahre. Im Extremfall müssen zwei Fahrspuren gesperrt werden.

© Sven Ellger

Von Peter Hilbert

Die Stadt hat sich von der Stadtbahn 2020 verabschiedet. Zumindest zeitlich. Das ehrgeizige Verkehrsprojekt von Stadt und Dresdner Verkehrsbetrieben (DVB) soll ermöglichen, dass Straßenbahnen künftig von Löbtau bis Strehlen rollen. Die Stadt nutzt die Chance, um einen besonderen Schwachpunkt der geplanten Trasse zu erneuern – die Nossener Brücke. Zu dem rund 700 Meter langen Verkehrszug gehören vier Brücken, die weit über 60 Jahre alt, teilweise von Beton-Krebs zerfressen und verschlissen sind. Geht alles nach Plan, könnten Straßenbahnen und Autos 2026 über die neue Nossener Brücke fahren, nennt Straßenbauamtschef Reinhard Koettnitz einen Termin.

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Künftig sollen Straßenbahnen über die Nossener Brücke zur Nürnberger Straße fahren. Doch frühestens in fünf Jahren kann der Bau in diesem Abschnitt beginnen.
Künftig sollen Straßenbahnen über die Nossener Brücke zur Nürnberger Straße fahren. Doch frühestens in fünf Jahren kann der Bau in diesem Abschnitt beginnen. © Damien Jdanoff/virtual-architects.net

Die Vorarbeiten: Bau Zentralhaltestelle beginnt schon dieses Jahr

Der 1,5-Kilometer-Abschnitt zwischen dem Ebertplatz und dem Nürnberger Ei mit separater Gleistrasse schließt sich an das erste Stück mit der Zentralhaltestelle Kesselsdorfer Straße an. Zumindest dort beginnen bald die Arbeiten. Im Juni fängt der Umbau der Anschlüsse der Löbtauer und Tharandter Straße an. „Dabei müssen auch die Gleisanlagen angepasst werden“, sagt Koettnitz. Instandgesetzt werden sollen zudem die Werner- und Hirschfelder Straße, durch die wegen des Baus verstärkt Verkehr rollen wird. Bis Jahresende sollen diese Arbeiten beendet sein, sodass ab 2019 die Zentralhaltestelle gebaut wird.

Das Hauptproblem: Neue Brücke hoch über der Eisenbahnstrecke

Für den Abschnitt mit der Nossener Brücke liegt erst ein Vorentwurf vor. Die Brücken über die Zwickauer, die Fabrikstraße und das Drewag-Gelände könnten ohne größere Probleme erneuert werden. „Die wichtigste Frage ist, wie die Brücke über die Eisenbahnstrecke gestaltet wird“, so Koettnitz. Auf eine Umstiegsmöglichkeit mit Straßenbahn-Haltestelle und S-Bahn-Haltepunkt hatte der Stadtrat wegen hoher Kosten und zu geringer Nutzung verzichtet.

Die Deutsche Bahn habe eine Brückenhöhe von 7,20 Metern gefordert, die den heutigen Standards entspricht. Derzeit hängen die Fahrleitungen noch an der alten Brücke. Dafür ist eine Umplanung nötig. „Die Untersuchungen und Planungen brauchen viel Zeit“, nennt Koettnitz das Problem. Auch weil die Bahn ihre Anlagen so ertüchtigen muss, dass sie allen modernen Anforderungen entsprechen. Zudem räumt Koettnitz ein, dass es im Straßenbauamt Personalprobleme gibt. So mussten Stellen neu besetzt werden, um überhaupt weiterplanen zu können. Mit der Deutschen Bahn müssten letztlich Vereinbarungen über die Planungsziele und die Kostenteilung vereinbart werden.

Die weiteren Probleme: Neuer Weg für Fernwärmetrasse nötig

„Dann müssen noch weitere Fragen gelöst werden“, sagt der Amtschef. Soll künftig schneller als 50 km/h über die Brücke gefahren werden? Dann reichen Geländer nicht mehr, um einen möglichen Anprall abzufangen. Dafür müssten Leitplanken-Systeme geplant werden, nennt er die Konsequenz. Außerdem müssten Leitungen verlegt werden, darunter eine besonders wichtige Fernwärmetrasse vom Kraftwerk Nossener Brücke in Richtung Südvorstadt. Dafür könnte ein Fernwärmetunnel, ein sogenannter Düker, unter der Bahntrasse gebaut werden.

Die Genehmigung: Läuft alles nach Plan, beginnt der Bau 2023

Koettnitz rechnet damit, dass 2019 das Genehmigungsverfahren beginnen kann. Es könne anderthalb bis zwei Jahre dauern, bis diese sogenannte Planfeststellung genehmigt ist. Erst dann kann gebaut werden. Doch zuvor müsse der Auftrag europaweit ausgeschrieben werden, was bis zur Vergabe ein Dreivierteljahr dauern kann. „Läuft alles gut, können wir voraussichtlich 2023 mit dem Bau beginnen“, sagt Koettnitz. Er rechnet mit einer Bauzeit von drei Jahren. „So ein Vorhaben ist nicht trivial.“ Denn bei der Deutschen Bahn müssten für die wichtigen Arbeiten Sperrzeiten auf der Strecke beantragt werden. „Das müssen wir drei Jahre im Voraus regeln.“ Aus dieser umfangreichen Koordination würden die langen Bauzeiten resultieren. Geht alles nach Plan, könnten 2026 die Straßenbahnen auf der neuen Strecke zum Nürnberger Ei rollen.

Die Notlösung: Im Ernstfall nur noch eine Fahrspur in jede Richtung

Allerdings müssen die alten Brücken noch lange halten. Das ist problematisch. An der Bahnbrücke seien bei der Hauptprüfung Mängel festgestellt worden. So gab es Risse in Schweißnähten des 70 Zentimeter hohen Hohlkastens. Die können zwar repariert werden. Es könnten aber weitere Probleme auftreten. Im Extremfall müsste bis zum Neubau eine Spur in jede Richtung gesperrt werden, sodass nur noch ein Fahrstreifen zur Verfügung steht, nennt Koettnitz die Konsequenz..

Bei der Diskussion zum Doppelhaushalt 2019/2020 werde es auch um die Finanzierung dieses Abschnitts der Stadtbahntrasse gehen. „Wir rechnen mit Kosten von knapp 50 Millionen Euro, davon etwa 35 Millionen für die Brücken.“ Allerdings erwartet die Stadt auch Zuschüsse von 36 Millionen Euro.