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Neue Studiobühne für die Semperoper

In dem umgebauten Saal des Funktionsgebäudes sind ab Oktober Kammeropern zu sehen. Es gibt auch schon andere Ideen.

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© Christian Juppe

Von Nora Domschke

Kein Geringerer als Kulturpalast-Architekt Wolfgang Hänsch verlieh Mitte der 1980er-Jahre den beiden Funktionsgebäuden der wiederaufgebauten Semperoper ihr charakteristisches Aussehen. Typisch für diese Zeit sind bronzefarbenen Sonnenschutz-verglasungen. Blickfang sind auch die vier großen Sandsteinmasken des Bildhauers Peter Makolies an den Ecken. Nun soll das südliche der beiden Gebäude schon bald als Studiobühne genutzt werden.

Seit zwei Jahren wird das Haus umgebaut. Dafür musste die Küche ins Erdgeschoss umziehen. Dort eröffnet der Dresdner Sternekoch Stefan Hermann im Oktober eine neue Kantine mit 120 Sitzplätzen. Ende August wird er die Räume übernehmen und einrichten. Das werden auch die Künstler und Bühnentechniker tun. Wo früher gespeist wurde, findet am 16. Oktober die erste Premiere auf der Studiobühne statt. Auf 330 Quadratmetern haben Schauspieler und 160 Zuschauer Platz. Das Besondere: „Der gesamte Raum kann als Bühne genutzt werden“, erklärt Ludwig Coulin, Niederlassungsleiter des Staatsbetriebs Sächsisches Immobilien- und Baumanagement. Insgesamt sechs Millionen Euro investiert der Freistaat in den Umbau und die Sanierung des Funktionsgebäudes. Ziel ist es, mit der Studiobühne mehr junge Menschen für Kammeropern zu begeistern.

Weil es keine festen Stuhlreihen gibt, kann der Raum aber auch für andere Veranstaltungen genutzt werden. Coulin verrät, dass wohl auch die Organisatoren des Semperopernballs schon ein Auge auf das Objekt geworfen haben. Die Gäste bewegen sich dann hier auf teurem Untergrund: Allein der hölzerne Theaterboden kostet rund 70 000 Euro.

Musenfries kehrt zurück

Um dem Saal die nötige Höhe – etwa für Bühnenbilder – zu geben, haben sich die Planer entschieden, die Decke zu entfernen. Das Ergebnis: ein 6,30 Meter hoher Raum und eine umlaufende Galerie, Überbleibsel der Zwischendecke. An dem Geländer werden künftig Scheinwerfer befestigt, um die Bühne zu beleuchten. Der Saal kann mit schwarzen Vorhängen verdunkelt werden. Bleibt er offen, haben die Besucher einen schönen Blick auf den Zwingerteich. Den gibt es auch von der Kantinenterrasse im Erdgeschoss. Der Zugang ins Foyer ist vom Theaterplatz über eine Treppe möglich. Viele Details des 1985 eröffneten Hauses mussten erhalten werden, erklärt Coulin. Denn die beiden Funktionsgebäude stehen als bauhistorische Zeugnisse ihrer Entstehungszeit seit 2013 unter Denkmalschutz. Coulin ist von der Qualität der Handwerksarbeit begeistert. So sei die strukturierte Sandsteinfassade nach 30 Jahren noch bemerkenswert gut erhalten. „So etwas wäre heute kaum bezahlbar.“

Und noch ein weiteres Schmuckstück hat im Haus der künftigen Studiobühne nun wieder seinen Platz bekommen: Das Musenfries des Dresdner Bildhauers Christian Gottlieb Kühn. Er schuf das Relief 1826 ursprünglich für die Fassade seines Elternhauses in der Pillnitzer Straße 26. Als das Gebäude 1945 ausbrannte, konnte das Fries gerettet, 1952 dann restauriert und eingelagert werden. 1985 bekam es einen Platz im Treppenaufgang zum damaligen Opernrestaurant. Nun können die Besucher der Studiobühne das Kunstwerk im neuen Treppenhaus bestaunen.