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Neuer Anlauf für besseren Hochwasserschutz

Die Fluten der Sebnitz sollen schon an den Zuflüssen in Tschechien gestoppt werden. Experten untersuchen jetzt, wie.

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© Dirk Zschiedrich

Von Dirk Schulze

Sebnitz. Wasser kennt keine Landesgrenzen. Wenn die Sebnitz über die Ufer tritt, dann kommt ein wesentlicher Teil der Fluten aus Tschechien. Denn das Einzugsgebiet des Flusses liegt überwiegend auf dem Gebiet des Nachbarlandes. Das ist seit Langem bekannt. Nach dem verheerenden Hochwasser vom August 2010 wurde deshalb eine binationale Hochwasserkonferenz mit Vertretern von beiden Seiten der Grenze ins Leben gerufen. Die tagte im Dezember 2013 zum bislang letzten Mal, danach war von dem Projekt in der Öffentlichkeit vorerst nichts mehr zu hören.

Jetzt kommt wieder Bewegung in die Sache. Die Landestalsperrenverwaltung Sachsen in Pirna und der tschechische Staatsbetrieb Povodi Ohre in Chomutov starten eine gemeinsame Machbarkeitsstudie zum Hochwasserschutz im Schluckenauer Zipfel. Deutsche und tschechische Wasserwirtschafts-Experten werden dabei das Einzugsgebiet des Sebnitzbaches und des Vilemovsky potok (Wölmsdorfer Bach), wie der Fluss jenseits der Grenze heißt, gemeinsam untersuchen. Das Ziel ist es, geeignete Hochwasserschutzmaßnahmen für die tschechischen Orte im Oberlauf des Flusses zu entwickeln, die schließlich auch der Stadt Sebnitz zugute kommen.

Die Studie wird bereits seit Längerem vorbereitet. Mitte Juni gab es nun die Zusage über 200 000 Euro von der Europäischen Union für das grenzübergreifende Projekt. Im Moment werden die letzten Vertragsmodalitäten zwischen der Sächsischen Aufbaubank und dem tschechischen Partner Povodi Ohre geklärt. Sobald das Papier unterzeichnet ist, kann das Projekt starten. Das soll noch in diesem Sommer passieren, erklärt Britta Andreas, Sprecherin der Landestalsperrenverwaltung Sachsen. Mit den Ergebnissen ist Ende 2018 zu rechnen.

Großes Becken zu teuer

Für die Studie müssen zunächst die hydrologischen Daten erfasst werden. Dazu wird das gesamte Gebiet wasserwirtschaftlich kartiert, erklärt Britta Andreas. Die Experten sammeln sämtliche verfügbaren Informationen über Wassermengen und Gewässer. Die Daten werden in zwei Modellen zusammengefasst: zum einen ein Niederschlags-Abfluss-Modell, das zeigt, wohin und wie stark der Regen abfließt. Zum anderen ein Wasserspiegel-Lagenmodell. Das verdeutlicht die Auswirkungen auf den Pegelstand der Gewässer. Aus diesen Modellen können die Experten dann ableiten, welche Schutzmaßnahmen am effektivsten sind und wo sie errichtet werden müssen.

Ideen für den Flutschutz oberhalb der Stadt Sebnitz gab es in der Vergangenheit bereits mehrere. Ursprünglich war ein großes Rückhaltebecken im Sebnitzer Wald vorgesehen. Das sollte eine Million Kubikmeter Wasser fassen und hätte die Stadt vollständig vor einem neuen Hochwasser bewahrt. Die geschätzten Kosten lagen jedoch bei zehn Millionen, die Finanzierung war fraglich. Zudem hätte das Großprojekt erst nach 2020 beginnen können.

Drehbuch für Hochwasser-Alarm

Die Stadt Sebnitz, ihre tschechischen Nachbargemeinden und die Wasserwirtschafts-Experten beider Länder sprachen sich deshalb für einen kleinteiligen Flutschutz aus. Die Pläne sehen acht bis zehn kleinere Rückhaltebecken vor, die an den Zuflüssen zum Vilemovsky potok errichtet werden. Das hätte den Vorteil, dass sowohl Sebnitz als auch die grenznahen Gemeinden im Schluckenauer Zipfel vor Hochwasser geschützt sind. Zusammen würden die Dämme rund 1,5 Millionen Kubikmeter Wasser zurückhalten. Wie tragfähig diese Pläne sind und ob die kleineren Rückhaltebecken den vorgesehenen Zweck erfüllen, das soll die jetzt startende grenzüberschreitende Machbarkeitsstudie herausfinden.

Im Sebnitzer Stadtrat hatte Linken-Fraktionschef Rainer Böhme zuletzt nachgehakt, wie es denn mit dem grenzüberschreitenden Flutschutz stehe und wann sich die deutsch-tschechische Arbeitsgruppe zur nächsten Hochwasserkonferenz treffe. Oberbürgermeister Mike Ruckh (CDU) erklärte, dass ein neues Treffen erst dann sinnvoll sei, wenn es neue Fakten zu beraten gebe. Die soll die nun startende Machbarkeitsstudie bringen. Sobald erste Ergebnisse vorliegen, werde die Konferenz wieder tagen. Ruckh verwies zudem darauf, dass nach dem Hochwasser von 2013 ein umfangreiches Drehbuch für Alarmierungsketten in Zusammenarbeit mit den tschechischen Behörden entstanden sei.

Im Stadtgebiet von Sebnitz wurde in den vergangenen Jahren umfassend gebaut, um das Flussbett der Sebnitz sicherer zu machen. Zuletzt mit neuen Stützmauern an der Böhmischen Straße, am Neustädter Weg, im Gewerbegebiet sowie der neugestalteten Böschung am Busbahnhof. Zuvor wurde der Bachlauf entlang der Langen Straße komplett umgestaltet.