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Neues Zugpferd für Garnison-Verein

Eine Sonderschau in der Jägerkaserne Löbau zeigt die Rolle von Pferden im Krieg. Die Oberlausitz war ihr Trainingslager.

© Matthias Weber

Von Markus van Appeldorn

Löbau. Wenn man heute im Fernsehen Original-Aufnahmen aus dem 2. Weltkrieg sieht, dann rasseln da nur so die Panzerketten. Jagdflieger schneiden die Luft und stolze Kriegsschiffe feuern aus allen Rohren. Was vielen Menschen dabei heute gar nicht mehr so bewusst ist: Das sind natürlich alles Aufnahmen der nazigeführten Wehrmacht – und diese Aufnahmen verfolgten einen Propagandazweck. Sie sollten das Bild einer hochgerüsteten, technisch überlegenen und unschlagbaren Armee zeigen.

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In Wahrheit war die Wehrmacht in weitaus bescheidenerem Ausmaß motorisiert. Tatsächlich wurde der Krieg zu einem großen Teil auf dem Rücken von Pferden ausgetragen – und das in jeder Hinsicht. Gut drei Millionen Pferde setzte die Wehrmacht im 2. Weltkrieg ein. Etwa die Hälfte von ihnen verendete an Erschöpfung oder erfror. Pferde transportierten schwere Geschütze aufs Schlachtfeld oder brachten den Nachschub. Und sie waren motorisierten Lkw weit überlegen. Beim Fortkommen im russischen Schlamm und ja, auch in der „Haltbarkeit“. Das Oberkommando des Heeres errechnete damals, dass die durchschnittliche Überlebensdauer eines Pferdes vier Jahre betrug. Lastwagen waren im letzten Kriegsjahr dagegen schon nach wenigen Wochen Schrott – und gleichzeitig Reifen und Kraftstoff immer schwerer zu beschaffen.

Der Verein Garnison Löbau widmet diesem tierischen Kriegseinsatz ab Sonntag, 27. Mai, die Sonderausstellung „Pferde beim Deutschen Militär im 19. und 20. Jahrhundert“. Die Sonderausstellung befasst sich überwiegend mit dem 1. und 2. Weltkrieg. „Man kann die Geschichte von Militärpferden ja bis Cäsar oder weiter zurückverfolgen“, sagt Vereins-Vorstand Danilo Baumgarten. „Es war höchste Zeit, dieses Kapitel zur sächsischen und regionalen Militärgeschichte näher zu betrachten“, erklärt Baumgarten.

Ein Jahr hat er zu dem Thema recherchiert und Exponate gesammelt. „Ich bin mir sicher, dass es keine vergleichbare Ausstellung zu diesem einzigartigen Thema in der Oberlausitz gibt“, sagt Baumgarten. Ihn fasziniere, welch hohen Stellenwert das Pferd beim Militär hatte, wie es gehalten und genutzt worden sei.

„Erst das Pferd – dann der Mann“, erläutert Danilo Baumgarten das Motto, das bei der Wehrmacht im Umgang mit Pferden galt. Schautafeln zeigen und erklären etwa die Einrichtung von Pferdelazaretten und Sammelplätzen für verwundete Pferde und der Bedeutung des Veterinärwesens in der damaligen Wehrmacht. So praktisch sie waren, verschärften die Pferde allerdings auch das Nahrungs-Nachschub-Problem der Truppe. Der Futterbedarf eines Tieres betrug 10 bis 15 Kilo täglich – das Zehnfache eines Soldaten. Auch grausige Statistiken sind auf Schautafeln aufgeführt. So der Bericht eines Kommandeurs, dass zwischen Dezember 1941 und März 1942 180 000 Pferde im Russlandfeldzug verendet waren. Auch die Darstellung des Militärpferdes in der Kunst findet sich. So sind Pferdebilder des aus Hoyerswerda stammenden Malers Hardy Schneider-Sato ausgestellt. Sie entstanden während seines Aufenthalts in einem Gefangenenlager bei Moskau.

Die Sonderausstellung befasst sich auch mit einem speziellen Oberlausitzer Aspekt des Militärpferdewesens, den sogenannten Remonte-Depots. „Unter Remonten versteht man junge Pferde in der Militär-Ausbildung“, erklärt Danilo Baumgarten. Auf Geheiß des damaligen Kriegsministeriums wurden 1905 in Sachsen vier Remonte-Depots errichtet, zwei davon in der Oberlausitz, nämlich in Obersohland und Berthelsdorf. So diente das Zinzendorfschloss einst als pferdemilitärische Kaderschmiede, ebenso wie die alten Rittergüter in Herwigsdorf. Pferde sind Fluchttiere. Als Remonten lernten sie daher etwa, nicht davonzulaufen, wenn die Kanonen donnern. „Aus taktischen Gründen bevorzugte man beim Militär schwarze Trakehner“, sagt Danilo Baumgarten. Ein lebensgroßes Modell ziert die Sonderausstellung.

Garnisonverein Löbau, Jägerstraße 2. Ausstellung geöffnet an jedem letzten Sonntag im Monat. Eintritt: 3 Euro.