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New York wählt neuen Bürgermeister

Offiziell heißt die Frage: Bill de Blasio oder Joe Lhota? Inoffiziell aber ist das Rennen längst entschieden.

© dpa

Von Christina Horsten, New York

New York. Eine Wahl der zweiten Chance sollte es dann doch nicht werden: Schon in der Vorwahl warfen die New Yorker den wegen eines Sexskandals aus dem Kongress ausgeschiedenen US-Politiker Anthony Weiner aus dem Rennen um das Amt des Bürgermeisters. Die einzige Frau unter den Kandidaten, die Stadtratsvorsitzende Christine Quinn, musste nach der Vorwahl ebenfalls aufgeben – und so wird auch der 109. Bürgermeister der Millionenmetropole mit Sicherheit wieder ein Mann sein. Blieb also bei der gestrigen Wahl nur noch die Frage: Bill de Blasio oder Joe Lhota?

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Die international relativ unbekannten Kandidaten sind für die New Yorker alte Bekannte: Der Demokrat de Blasio ist derzeit Bürgerbeauftragter, der Republikaner Lhota war bis vor Kurzem Chef der Transportbehörde. Das Charisma des derzeitigen Bürgermeisters Michael Bloomberg, der nach zwölfjähriger Amtszeit große Fußstapfen hinterlässt, hat bislang jedoch keiner der beiden erreichen können. Trotzdem konnten sie die Vorwahlen ihrer Parteien deutlich für sich entscheiden.

In allen Umfragen vor der Wahl sieht de Blasio bereits wie der klare Sieger der Wahl aus: Demnach wollten 68 Prozent der Wahlberechtigten für den Demokraten stimmen und nur 23 Prozent für seinen Gegenkandidaten Lhota, berichtete die „New York Times“.

Vorteile für den Demokraten

Ohnehin sollte ein Kandidat der Demokraten in New York leichtes Spiel haben, schließlich ordnen sich dort sechsmal so viele Menschen den Demokraten zu wie den Republikanern. Trotzdem wählten sie zuletzt zwei Republikaner – erst Rudy Guiliani und dann Bloomberg, der erst 2007 aus der Republikanischen Partei austrat. Aber genau das sei jetzt de Blasios Vorteil, glauben Experten. Die New Yorker wollten endlich wieder einen Bürgermeister, der sich mehr um die Mittelklasse kümmert und die wachsende Armut bekämpft.

De Blasio habe im Wahlkampf zudem eine bessere Verbindung zu den Menschen aufbauen können. Mit seiner charismatischen Frau, der afro-amerikanischen Dichterin Chirlane, und seinen beiden Kindern im Teenageralter, die auf öffentliche Schulen gehen, wirke er auf die multi-ethnische Bevölkerung New Yorks sehr nahbar und sympathisch.

Auch seine Vorschläge kommen bei vielen gut an: Die Errungenschaften aus Bloombergs Amtszeit, die von den meisten positiv beurteilt werden, will er beibehalten – beispielsweise das weitgreifende Rauchverbot, die Wiederbelebung von Parks, Grünflächen und Küstenstreifen und die Verbesserung der öffentlichen Sicherheit. Darüber hinaus will er eine Reichensteuer einführen, für mehr bezahlbaren Wohnraum sorgen und die Standards der Schulen verbessern.

Lhotas Themen sind ähnlich, allerdings will er die Steuern so lassen, wie sie sind. De Blasio habe – anders als er selbst – zu wenig Politik-Erfahrung, wirft Lhota seinem Konkurrenten vor. Außerdem nehme der die Polizeiarbeit nicht ernst genug, die Kriminalitätsrate werde unter seiner Regentschaft wieder steigen. Mit angsteinflößenden Videos, die die Gewalt auf den Straßen der Millionenmetropole aus früheren Tagen zeigen, versuchte Lhota jüngst, auf den letzten Drücker noch Stimmen zu gewinnen. Wohl vergeblich. (dpa)