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Niederschmetternd

Acht Hochsitze wurden jetzt im Wald bei Naundorf zerstört. Jäger Andreas Wockatz ist entsetzt.

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© Uwe Soeder

Madeleine Siegl-Mickisch

Naundorf. Der Hochsitz ist nur noch ein windschiefes Gebilde. Was dem Jäger bis vor Kurzem auf etwa fünf Meter Höhe Aussicht bot, liegt jetzt desolat auf der Wiese. Rostige Nägel ragen aus herausgerissenen Holzlatten. „Da ist nichts mehr zu verwenden“, sagt Andreas Wockatz. Der 56-Jährige geht seit mehr als 20 Jahren im Gebiet zwischen Naundorf, Cossern, Diehmen und Neukirch auf die Jagd. Aber so etwas hat er noch nicht erlebt. Am Gickelsberg wurden gleich acht seiner Hochsitze an nur einem Tag umgeworfen und dabei schwer beschädigt.

Am Dienstag voriger Woche war noch alles in Ordnung, sagt Wockatz. Da sei sein Neffe durchs Jagdgebiet gefahren, um nach dem Rechten zu sehen. Am Donnerstag habe ihn dann der Eigentümer eines Teiches angerufen und mitgeteilt, dass einer seiner fahrbaren Hochsitze im Wasser liegt. „Den kriegen zwei Mann nicht fort.“ Doch die Täter zogen ihn von seinem Standort wohl mehr als 50 Meter weit, um ihn dann ins Wasser zu werfen.

An anderer Stelle rollten sie ein Fass einen Hang hinab. Das ist normalerweise mit einer Kette festgemacht. Drin sind Maiskörner oder Erbsen, die aus kleinen Löchern rieseln, wenn Wildschweine dagegenstupsen. Das wie auch die drei Wildäcker, die Wockatz in seinem Jagdgebiet extra angelegt hat, soll die Schwarzkittel von den Feldern abhalten.

War es eine Schar Jugendlicher?

Ganz ließen sich Wildschäden an den landwirtschaftlichen Flächen zwar nicht vermeiden. „Aber wir haben eine gute Zusammenarbeit mit den Landwirten“, sagt Wockatz, der mit einem Jagdkollegen das 560 Hektar große Gebiet gepachtet hat. Auch mit den Jägern aus den benachbarten Gebieten helfe man sich gegenseitig.

Will ihm bewusst jemand eins auswischen? An militante Jagdgegner, die anderenorts immer wieder durch angesägte oder zerstörte Jagdeinrichtungen auf sich aufmerksam machen, glaubt Wockatz nicht. Er vermutet eher eine Schar Jugendlicher. Zumal sein Bruder am Donnerstagnachmittag eine Truppe von acht bis zehn jungen Leuten gesehen habe, die aus dem Wald kamen. „Den Spuren nach müssen sie von Neukirch gekommen und hier herübergezogen sein“, sagt Andreas Wockatz. Auch der Jäger im benachbarten Neukircher Jagdgebiet habe zwei umgeworfene Hochsitze zu beklagen.

Kriminalpolizei ermittelt

Am Sonnabend ist Wockatz sein gesamtes Gebiet abgefahren und hat alle beschädigten Dinge fotografiert und dann der Polizei gemeldet. Er glaubt zwar nicht so recht daran, dass die Tat aufgeklärt wird. „Die Polizei hat sicher Wichtigeres zu tun.“ Andererseits: Vielleicht gebe es ja doch noch Hinweise zu den Tätern. Schließlich seien auf dem Kammweg, der durch das Gebiet führt, auch immer Spaziergänger und Wanderer unterwegs. „Die Ermittlungen der Kriminalpolizei dauern an. Neue Erkenntnisse gibt es bislang nicht“, teilt die Polizeidirektion Görlitz mit.

Lothar Jentschel, der Vorsitzende des Kreisjagdverbandes Bautzen, weiß von einem Fall bei Milkel, wo vor ein paar Wochen die Leitern von drei Hochsitzen angesägt wurden. Auch das sei bei der Polizei angezeigt worden. „Denn das ist schon kriminell. Die Täter nehmen ja in Kauf, dass sich jemand verletzt.“ Jentschel rät daher allen Jägern, aber auch Spaziergängern, die es reizt, mal auf so einen Hochsitz zu klettern, immer erst zu kontrollieren, ob alles in Ordnung ist. Anders als beispielsweise in Niedersachsen, wo sich militante Tierschützer immer wieder an Jagdeinrichtungen zu schaffen machen, sei die Region hier bisher von solchen Aktionen verschont geblieben. Es komme eher vor, dass zum Beispiel am Männertag alkoholisierte Übermütige etwas kaputt machen. „Da guckt man auch mal drüber hinweg. Aber das hier ist eine andere Dimension“, sagt Jentschel mit Blick auf die Fälle bei Milkel und jetzt bei Naundorf.

Ansitze werden gebraucht

„Das tut richtig weh“, sagt Andreas Wockatz, der schon als Kind mit seinem Vater bei Putzkau zur Jagd ging. Ihn ärgert nicht nur der finanzielle Schaden von etwa 3 500 Euro. Es wird auch einige Zeit dauern, bis er alles repariert beziehungsweise neue Hochsitze gebaut hat. Schließlich ist die Jagd „nur“ sein Hobby. Seine Brötchen verdient er als Selbstständiger im Baugewerbe. Aber die Ansitze werden gebraucht, vor allem wenn es im Herbst wieder auf Drückjagd geht. „Aber wir schießen nicht nur. Zur Jagd gehöre auch die Liebe zur Natur.“