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„Nikotin und Alkohol sind die Einstiegsdrogen“

Eltern sollten mehr auf ihre Kinder achten, fordert die Polizei und kritisiert: Der Umgang mit einigen Drogen ist zu lasch.

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Riesa gilt im Landkreis Meißen als Drogenhochburg. Mit 120 Rauschgiftdelikten im vergangenen Jahr führt die Elbestadt die Statistik vor Meißen, Radebeul und Großenhain an. Im ganzen Landkreis summieren sich die Fälle auf 460 Fälle, in denen vor allem der Drogenbesitz eine Rolle spielte, aber auch Handel und Anbau. In den meisten Fällen stellte die Polizei Crystal und Cannabis sicher. Polizeihauptmeister Henry Polster ist deshalb im gesamten Landkreis an Oberschulen, Gymnasien, Förder- und Berufsschulen unterwegs, um über die Gefahren des Drogenkonsums aufzuklären. Dabei spricht er bereits Siebtklässler an, aber vor allem auch die Eltern.

Ein Mann raucht einen Joint mit Marihuana. Um über die Risiken des Konsums von Tabak, Alkohol und illegalen Drogen aufzuklären, setzt die Polizeidirektion Dresden auf Präventionsangebote wie Schulprojekte und Elternabende. Foto: Daniel Karmann/dpa
Ein Mann raucht einen Joint mit Marihuana. Um über die Risiken des Konsums von Tabak, Alkohol und illegalen Drogen aufzuklären, setzt die Polizeidirektion Dresden auf Präventionsangebote wie Schulprojekte und Elternabende. Foto: Daniel Karmann/dpa © picture alliance / Daniel Karman

Herr Polster, Riesa gilt in der Polizeidirektion Dresden nach der Stadt Dresden als Schwerpunkt für Rauschgiftdelikte. Warum?

Im vergangenen Jahr wurden in Riesa 120 Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz registriert. Das liegt zu einem kleinen Teil daran, dass auch Fälle, die die Bundespolizei im Zug Leipzig-Dresden aufnimmt, statistisch dem Revier Riesa zugeordnet werden. Deutlich mehr Fälle resultieren allerdings aus der hohen Zahl an Verkehrskontrollen, bei denen Drogen festgestellt werden.

Die Aufklärungsquote bei Drogendelikten ist aber auch recht hoch, oder?

Ja, sie beträgt etwa 95 Prozent. Das liegt jedoch unter anderem daran, dass es sich hier um eine sogenannte Holkriminalität handelt. Nur wenn die Polizei kontrolliert, werden derartige Straftaten festgestellt. Gibt es mehr Kontrollen, gibt es auch mehr Feststellungen.

Jetzt tauchen in Riesa immer wieder Gerüchte auf, dass sogar schon vor Schulen gedealt wird. Stimmt das?

Das will ich nicht komplett ausschließen, aber die Dealer scheuen sich in der Regel vor öffentlichen Einrichtungen. Da gibt es zu viele Augen und Ohren. Die Tatorte befinden sich vorwiegend im Wohnungsbereich, oft auch im Kinderzimmer.

Es gibt auch Beschwerden, dass Jugendliche mittlerweile ganz offen vor der Schule rauchen.

Rauchen in der Öffentlichkeit ist erst ab 18 erlaubt. Alkohol bereits ab 16, gebrannter Alkohol ab 18. Alles andere ist ein Verstoß gegen das Kinder- und Jugendschutzgesetz – da werden dann diejenigen zur Rechenschaft gezogen, die die Stoffe zugänglich gemacht haben. Also zum Beispiel die Eltern oder die Verkaufseinrichtungen.

Wie sollte man reagieren, wenn man Jugendliche beim Rauchen beobachtet?

Es gibt durchaus Kontrollen vor Schulen. Aber da ist auch jeder gefragt, die Jugendlichen einfach mal anzusprechen. Und die Zuständigkeit der Schule endet zwar am Schulzaun, aber die Schulleiter könnten zum Beispiel den Bürgerpolizisten anrufen, dass der gezielt vor einer Einrichtung kontrolliert. Nikotin hat ein erhebliches Suchtpotential. Davon wieder loszukommen, ist schwer.

Nikotin gilt als Einstiegsdroge.

Nikotin und Alkohol. Da muss auch in der Gesellschaft insgesamt dringend ein Umdenken passieren. Denn danach geht es mit Marihuana und Hasch weiter, das ist leider zu leicht zu beschaffen. Crystal kommt dann eher jenseits der 18 dazu.

Die Polizei bietet auch Präventionsveranstaltungen für Eltern an. Warum?

Das Umfeld und die Persönlichkeit spielen eine große Rolle beim Thema Drogen. Hat mein Kind Probleme, ist es überlastet? Wo bewegt es sich? Zeigt es Anzeichen von Drogenmissbrauch? Das sollte man als Eltern schon wissen, das ist kein Schnüffeln.

Sie zeigen bei diesen Elternabenden unter anderem bunte Blättchen…

Das ist LSD. Das zeige ich aber nur zur Information. LSD liegt im Bereich der Halluzinogene, genau wie die Zauberpilze. Meist geht es jedoch um Stimulanzien wie Crystal, um zum Beispiel bei der Arbeit oder in der Schule durchzuhalten, oder um narkotische Drogen wie Cannabis, um wieder runterzukommen oder zu chillen.

Gerade bei Cannabis gibt es ja viel Diskussionen über die Legalisierung.

Es ist leider zu beobachten, dass mit dem Thema Hanf sehr lax umgegangen wird. Einige denken vielleicht, der ist legal – aber der medizinische Hanf und der Hanf zum Kiffen sind zwei verschiedene Kisten. Bei Hanf, der mittlerweile oft in Gewächshäusern hergestellt wird, steigt die Konzentration von THC schon mal auf 20 Prozent. Das sind richtig harte Drogen.

Die Drogenkonsumenten sind laut Statistik zum Teil gerade erst 14 Jahre alt.

Und wer schon in jungen Jahren Drogen konsumiert, dazu zähle ich auch die legalen wie Nikotin und Alkohol, der entwickelt sich nicht mehr normal. Das sind ja alles Gifte. Unsere Zielgruppe bei der Drogenprävention ist deshalb die siebente, achte Klasse. Mit den neunten und zehnten Klassen veranstalten wir dann Projekttage, bei denen auch die Suchtberatung und ein Arzt dabei sind. Bei den Podiumsdiskussionen wie zuletzt im Stern erfahren die Schüler außerdem auch mal direkt von Häftlingen der JVA Zeithain, was die Drogen mit ihnen gemacht haben. Denn wenn wir über Drogen reden, gehören die Themen Kriminalität und sozialer Abstieg dazu.

Das Gespräch führte Antje Steglich.