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Noch mehr Koseworte aus dem Volksmund

In Dresden gibt es viele Dinge, die besondere Spitznamen verpasst bekommen haben. Leser haben geholfen, die schönsten zu sammeln.

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© Sven Ellger

Von Doreen Reinhard

So schnell vergessen die Dresdner nichts und niemanden. Keine fleckigen Teller in Gaststätten, in denen sie vor Jahrzehnten die letzte Bestellung aufgegeben haben, die Küche aber schon längst kalt ist. Keine wilde Tanzbar, in denen die tollsten Zeiten jene waren, als Frauen noch Petticoats und Herren pomadige Tollen trugen. Manche Dinge sind Legende geworden, mitsamt ihrer Spitznamen, die ihnen der Volksmund verliehen hat, weil sie so eigenwillige Phänomene waren oder sind. Dutzende Leser haben uns nach einem Aufruf in den vergangenen Tagen geschrieben und geholfen, die besten Koseworte zu sammeln. Mit dabei ist auch der mächtigste Bau des Ostrageheges, von dem mittlerweile nur noch eine Ruine übrig geblieben ist, für die man seit Jahren einen neuen Inhalt sucht. Anfang des vorigen Jahrhunderts ist das Gebäude als Teil des Schlachthof-Geländes entstanden, nach Entwürfen vom damaligen Meister-Architekten Hans Erlwein. Weil die Kuppel ziemlich sakral ausfiel, drumherum aber überall Tiere quiekten, hatte Dresden fortan den ersten „Schweinedom“ der Welt.

Weitere Dresdner Spitznamen

Reste-Essen im „Dreckschen Löffel“ Von Sterne-Gastronomie war man in der DDR Lichtjahre entfernt. Bodenständigere Küchen haben sich einen Namen gemacht, manchmal einen zweifelhaften. Auch im Selbstbedienungslokal „Picknick“ auf der heutigen Grunaer Straße wurde serviert, was die sozialistische Küche hergab: Soljanka, Jägerschnitzel, Krautsalat – und der ein oder andere verkrustete Speiserest vom Vortag. Der klebte der Legende nach oft am HO-Geschirr, denn mit der Hygiene soll man es nicht ganz so genau genommen haben. Heute ist das Haus eine Ruine, an der aber noch immer der Spitzname „Dreckscher Löffel“ haftet.
Reste-Essen im „Dreckschen Löffel“ Von Sterne-Gastronomie war man in der DDR Lichtjahre entfernt. Bodenständigere Küchen haben sich einen Namen gemacht, manchmal einen zweifelhaften. Auch im Selbstbedienungslokal „Picknick“ auf der heutigen Grunaer Straße wurde serviert, was die sozialistische Küche hergab: Soljanka, Jägerschnitzel, Krautsalat – und der ein oder andere verkrustete Speiserest vom Vortag. Der klebte der Legende nach oft am HO-Geschirr, denn mit der Hygiene soll man es nicht ganz so genau genommen haben. Heute ist das Haus eine Ruine, an der aber noch immer der Spitzname „Dreckscher Löffel“ haftet.
Landlust in „Kuh-Löbte“ und „Frosch-Cotta“ Früher gab es im Westen nicht besonders viel. Am meisten Acker, Vieh und herbe Landluft. Da, wo sich heute die Stadtteile Löbtau (siehe Foto) und Cotta ausbreiten, stand vor Jahrhunderten nur eine Handvoll Bauerndörfer, gesäumt von Wald und Wiese. Längst ist das Gebiet eingemeindet und urbanisiert worden. Die Fachwerkhäuschen, Dorfkirchen und Ställe verschwanden, die Supermärkte, Döner-Buden und Spielotheken kamen. Nach Landlust muss man heute ein bisschen länger suchen – und findet sie am ehesten, wenn man das Spitznamen-Gedächtnis der Bewohner befragt. Die wissen genau, dass ihr Viertel im Volksmund „Kuh-Löbte“ heißt, weil die vielen fruchtbaren Weiden das weiche Fundament ihres Stadtteils sind. Und auch die Nachbarn, die ein paar Straßen weiter wohnen, sprechen bis heute von „Frosch-Cotta“, denn als ihr Viertel noch menschenfeindliches Sumpfgebiet war, zeugte nur lautes Quaken von einer lebhaften Besiedlung.
Landlust in „Kuh-Löbte“ und „Frosch-Cotta“ Früher gab es im Westen nicht besonders viel. Am meisten Acker, Vieh und herbe Landluft. Da, wo sich heute die Stadtteile Löbtau (siehe Foto) und Cotta ausbreiten, stand vor Jahrhunderten nur eine Handvoll Bauerndörfer, gesäumt von Wald und Wiese. Längst ist das Gebiet eingemeindet und urbanisiert worden. Die Fachwerkhäuschen, Dorfkirchen und Ställe verschwanden, die Supermärkte, Döner-Buden und Spielotheken kamen. Nach Landlust muss man heute ein bisschen länger suchen – und findet sie am ehesten, wenn man das Spitznamen-Gedächtnis der Bewohner befragt. Die wissen genau, dass ihr Viertel im Volksmund „Kuh-Löbte“ heißt, weil die vielen fruchtbaren Weiden das weiche Fundament ihres Stadtteils sind. Und auch die Nachbarn, die ein paar Straßen weiter wohnen, sprechen bis heute von „Frosch-Cotta“, denn als ihr Viertel noch menschenfeindliches Sumpfgebiet war, zeugte nur lautes Quaken von einer lebhaften Besiedlung.
Katzenwäsche unter der „Panzerdusche“ 2008 bekam der Postplatz ein Kunstwerk verpasst: ein Wasserspiel, zusammengelötet aus groben, roten Stangen. Das Ganze kam mächtig gewaltig daher, versprühte aber aufgrund ständig neuer technischer Probleme nicht die erwarteten Wassermassen, sondern nur ein paar klägliche Tröpfchen – wenn überhaupt. Stattdessen ergoss sich der Spott der Dresdner über das kränkelnde Gebilde. Das funktioniert mittlerweile halbwegs und heißt offiziell „Waterscreen“, aber darum schert sich kaum jemand, denn in der langen Trockenzeit ist der viel schönere Spitzname „Panzerdusche“ entstanden.
Katzenwäsche unter der „Panzerdusche“ 2008 bekam der Postplatz ein Kunstwerk verpasst: ein Wasserspiel, zusammengelötet aus groben, roten Stangen. Das Ganze kam mächtig gewaltig daher, versprühte aber aufgrund ständig neuer technischer Probleme nicht die erwarteten Wassermassen, sondern nur ein paar klägliche Tröpfchen – wenn überhaupt. Stattdessen ergoss sich der Spott der Dresdner über das kränkelnde Gebilde. Das funktioniert mittlerweile halbwegs und heißt offiziell „Waterscreen“, aber darum schert sich kaum jemand, denn in der langen Trockenzeit ist der viel schönere Spitzname „Panzerdusche“ entstanden.
Rendezvous „unterm Strick“ Mit Galgenhumor ist der Spitzname eines einst beliebten Treffpunkts im Hauptbahnhof entstanden. Anlass war ein einziges loses Kabel, das jahrzehntelang von der Decke der Kuppelhalle herabbaumelte und zum Code Tausender Verabredungen wurde. Alle trafen sich „unterm Strick“: Verliebte beim ersten Date, Wanderer, die gemeinsam mit dem Zug in die Sächsische Schweiz reisen wollten, Verwandtschaftsbesuch und Job-Pendler. Bei der Sanierung des Bahnhofs wurde auch der Strick gekappt, mit einem Schnitt eine lange Geschichte beendet. Für Alteingesessene ist der Platz auch ohne ihn ein Treffpunkt geblieben.
Rendezvous „unterm Strick“ Mit Galgenhumor ist der Spitzname eines einst beliebten Treffpunkts im Hauptbahnhof entstanden. Anlass war ein einziges loses Kabel, das jahrzehntelang von der Decke der Kuppelhalle herabbaumelte und zum Code Tausender Verabredungen wurde. Alle trafen sich „unterm Strick“: Verliebte beim ersten Date, Wanderer, die gemeinsam mit dem Zug in die Sächsische Schweiz reisen wollten, Verwandtschaftsbesuch und Job-Pendler. Bei der Sanierung des Bahnhofs wurde auch der Strick gekappt, mit einem Schnitt eine lange Geschichte beendet. Für Alteingesessene ist der Platz auch ohne ihn ein Treffpunkt geblieben.
Damenwahl im „Café Röckchen hoch“ So mancher verheiratete Mann soll verzweifelt auf seinen Ehering geschaut haben, wenn seine Kumpanen ihn zum Schwof ins Café Heiderand mitnehmen wollten. Denn das Tanz-Lokal am Ullersdorfer Platz war früher berühmt-berüchtigt für Nächte, die mit eindeutigen Angeboten anfingen und in Schieflagen endeten. Und so tuschelten vor allem Singles über das Haus, das seinerzeit weit über die Stadtgrenzen hinaus als „Café Röckchen hoch“ bekannt war. Verkuppelt wird hier immer noch, allerdings ist die Kundschaft ebenso wie das Lokal gereift. Unsere Archiv-Aufnahme aus dem Jahr 2008 zeigt den mittlerweile legendären Sonntags-Tanztee für Senioren, inklusive Sektchen und Schlagermusik. Nicht, dass die Kundschaft vergessen hätte, wie man ordentlich feiert. Gezwinkert und geflirtet wird am Stadtrand von Dresden immer noch. Aber mit den Jahren sind die Röckchen länger und weiter geworden. Und sie werden schon lange nicht mehr für jeden gelüftet.
Damenwahl im „Café Röckchen hoch“ So mancher verheiratete Mann soll verzweifelt auf seinen Ehering geschaut haben, wenn seine Kumpanen ihn zum Schwof ins Café Heiderand mitnehmen wollten. Denn das Tanz-Lokal am Ullersdorfer Platz war früher berühmt-berüchtigt für Nächte, die mit eindeutigen Angeboten anfingen und in Schieflagen endeten. Und so tuschelten vor allem Singles über das Haus, das seinerzeit weit über die Stadtgrenzen hinaus als „Café Röckchen hoch“ bekannt war. Verkuppelt wird hier immer noch, allerdings ist die Kundschaft ebenso wie das Lokal gereift. Unsere Archiv-Aufnahme aus dem Jahr 2008 zeigt den mittlerweile legendären Sonntags-Tanztee für Senioren, inklusive Sektchen und Schlagermusik. Nicht, dass die Kundschaft vergessen hätte, wie man ordentlich feiert. Gezwinkert und geflirtet wird am Stadtrand von Dresden immer noch. Aber mit den Jahren sind die Röckchen länger und weiter geworden. Und sie werden schon lange nicht mehr für jeden gelüftet.
Klassenkampf im „Blutschen Rudi“ Auch die Jugendklubs der DDR mussten Haltung zeigen, zumindest nach außen. Die Lokalitäten, in denen der Nachwuchs bei Bier und Beatmusik Spaß haben sollte, hießen damals nicht schnöde „Musikpark“ oder „Fun“, sondern bekamen staatstragende Namen verpasst. Auch jener Backsteinbau in Dresden-Trachau, in dem ab Ende der 50er-Jahre ein Jugendklub untergebracht war, benannt nach dem kommunistischen Widerstandskämpfer Rudi Arndt. Eigentlich sollte das lediglich eine mahnende Geste sein, ein Zeichen für den Frieden. Ernst genommen hat das keiner. Im Klub sollen nach dem einen oder anderen Glas zu viel so häufig die Fäuste geflogen sein, dass das Haus bald unter dem Spitznamen „Blutscher Rudi“ stadtbekannt war. Längst ist an der Kurve der Leipziger Straße Ruhe eingekehrt, die Zeiten sind nun wirklich friedlich geworden. Krach gibt es nur noch auf der Bühne, wenn die Akteure des heutigen Theaterhauses dramatische Stoffe proben.
Klassenkampf im „Blutschen Rudi“ Auch die Jugendklubs der DDR mussten Haltung zeigen, zumindest nach außen. Die Lokalitäten, in denen der Nachwuchs bei Bier und Beatmusik Spaß haben sollte, hießen damals nicht schnöde „Musikpark“ oder „Fun“, sondern bekamen staatstragende Namen verpasst. Auch jener Backsteinbau in Dresden-Trachau, in dem ab Ende der 50er-Jahre ein Jugendklub untergebracht war, benannt nach dem kommunistischen Widerstandskämpfer Rudi Arndt. Eigentlich sollte das lediglich eine mahnende Geste sein, ein Zeichen für den Frieden. Ernst genommen hat das keiner. Im Klub sollen nach dem einen oder anderen Glas zu viel so häufig die Fäuste geflogen sein, dass das Haus bald unter dem Spitznamen „Blutscher Rudi“ stadtbekannt war. Längst ist an der Kurve der Leipziger Straße Ruhe eingekehrt, die Zeiten sind nun wirklich friedlich geworden. Krach gibt es nur noch auf der Bühne, wenn die Akteure des heutigen Theaterhauses dramatische Stoffe proben.

Dresdner Spitznamen

Vitamine aus der „Kohlrabisiedlung“ Die Straßennamen sind echt und ziemlich einmalig: Am Anfang, Baumzeile, Kurzer Schritt, Lange Zeile, und natürlich – Am Ende. Die Grunaer Gartenheimsiedlung ist ein architektonisches Kleinod, erbaut in den 20er-Jahren. Beim Entwurf schaute man gen Norden, auf das große Gartenstadt-Vorbild in Hellerau, jene kunstvoll verzahnte Einheit aus Arbeit, Wohnen und Kultur. Auch die Grunaer bekamen ihr kleines Stückchen heile Welt. Hübsche Häuschen mit grünen Fensterläden, als Krönung des Idylls gab es für jeden Mieter ein Stück Land dazu. Quasi als Anregung, sich nebenbei auch um die Selbstversorgung zu kümmern. Nett gemeint, aber in der Realität waren die Parzellen so knapp bemessen, dass die Bewohner ihrem neuen Zuhause schnell den spöttischen Spitznamen „Kohlrabisiedlung“ verpassten. Eine begehrte Adresse ist die Anlage bis heute – aber immer noch nicht bekannt für rekordverdächtige Ernte-Erfolge.
Vitamine aus der „Kohlrabisiedlung“ Die Straßennamen sind echt und ziemlich einmalig: Am Anfang, Baumzeile, Kurzer Schritt, Lange Zeile, und natürlich – Am Ende. Die Grunaer Gartenheimsiedlung ist ein architektonisches Kleinod, erbaut in den 20er-Jahren. Beim Entwurf schaute man gen Norden, auf das große Gartenstadt-Vorbild in Hellerau, jene kunstvoll verzahnte Einheit aus Arbeit, Wohnen und Kultur. Auch die Grunaer bekamen ihr kleines Stückchen heile Welt. Hübsche Häuschen mit grünen Fensterläden, als Krönung des Idylls gab es für jeden Mieter ein Stück Land dazu. Quasi als Anregung, sich nebenbei auch um die Selbstversorgung zu kümmern. Nett gemeint, aber in der Realität waren die Parzellen so knapp bemessen, dass die Bewohner ihrem neuen Zuhause schnell den spöttischen Spitznamen „Kohlrabisiedlung“ verpassten. Eine begehrte Adresse ist die Anlage bis heute – aber immer noch nicht bekannt für rekordverdächtige Ernte-Erfolge.
Dienstleistungen unter der „Käseglocke“ Man könnte vom „früheren Service-Rondell der Verkehrsbetriebe“ sprechen oder vom „pavillonartigen Gebäude auf dem Postplatz“. Oder aber man nennt das Ding bei seinem Spitznamen, und jeder Dresdner weiß, was gemeint ist: Käseglocke. Das Haus sieht zwar wie eine aus, aber Milchprodukte hat es in seiner fast hundertjährigen Geschichte nie behütet, dafür haben unter seiner geschwungenen Haube jahrzehntelang Bahn-Pendler Schutz vor Wind und Wetter gesucht. Seit Neuestem gibt es hier tatsächlich Lebensmittel, allerdings noch immer keinen Käse, sondern Kaffee mit Milchhaube.
Dienstleistungen unter der „Käseglocke“ Man könnte vom „früheren Service-Rondell der Verkehrsbetriebe“ sprechen oder vom „pavillonartigen Gebäude auf dem Postplatz“. Oder aber man nennt das Ding bei seinem Spitznamen, und jeder Dresdner weiß, was gemeint ist: Käseglocke. Das Haus sieht zwar wie eine aus, aber Milchprodukte hat es in seiner fast hundertjährigen Geschichte nie behütet, dafür haben unter seiner geschwungenen Haube jahrzehntelang Bahn-Pendler Schutz vor Wind und Wetter gesucht. Seit Neuestem gibt es hier tatsächlich Lebensmittel, allerdings noch immer keinen Käse, sondern Kaffee mit Milchhaube.
Abtauchen im „Bermudadreieck“ In der Neustadt kann man leicht verloren gehen. Es ist sogar bekannt, wo das am häufigsten passiert: an der Ecke Görlitzer/Louisenstraße. Vor einigen Jahren ist die Straßenkreuzung zum beliebtesten Treffpunkt des Viertels geworden – und zur zuverlässigen Einnahmequelle für die benachbarten Spätshop-Betreiber. In diesem „Bermudadreieck“ ankert vor allem Jungvolk, um bei einem kühlen Getränk die wichtigen Dinge des Lebens zu besprechen. Und weil das manchmal ganz schön lange dauern kann, macht man es sich überall bequem, auf Schaufensterbänken und Fußwegen. Wenn in den warmen Monaten tatsächlich Hundertschaften im „Bermudadreieck“ abtauchen wollen, weicht man auch mal aufs Straßenpflaster aus. Eine derart hohe Menschendichte gibt es sonst nur zu Zeiten der „Bunten Republik“, und so ist der Treffpunkt ohne Öffnungszeiten mittlerweile eine Sehenswürdigkeit und das Ziel vieler Stadtführungen geworden.
Abtauchen im „Bermudadreieck“ In der Neustadt kann man leicht verloren gehen. Es ist sogar bekannt, wo das am häufigsten passiert: an der Ecke Görlitzer/Louisenstraße. Vor einigen Jahren ist die Straßenkreuzung zum beliebtesten Treffpunkt des Viertels geworden – und zur zuverlässigen Einnahmequelle für die benachbarten Spätshop-Betreiber. In diesem „Bermudadreieck“ ankert vor allem Jungvolk, um bei einem kühlen Getränk die wichtigen Dinge des Lebens zu besprechen. Und weil das manchmal ganz schön lange dauern kann, macht man es sich überall bequem, auf Schaufensterbänken und Fußwegen. Wenn in den warmen Monaten tatsächlich Hundertschaften im „Bermudadreieck“ abtauchen wollen, weicht man auch mal aufs Straßenpflaster aus. Eine derart hohe Menschendichte gibt es sonst nur zu Zeiten der „Bunten Republik“, und so ist der Treffpunkt ohne Öffnungszeiten mittlerweile eine Sehenswürdigkeit und das Ziel vieler Stadtführungen geworden.
Bettgeflüster in „Fickpieschen“ Keinen anderen Spitznamen lassen sich die Dresdner so genüsslich auf der Zunge zergehen, begleitet von verdruckstem Kichern. So ist das bei Dingen, die unter die Gürtellinie gehen, und dabei gehören sie zur Identität eines ganzen Stadtteils. Jedenfalls wenn man auf den Volksmund hört, der die Straßen zwischen Altem Schlachthof und Straßenbahnhof Mickten einfach nur „Fickpieschen“ nennt. Warum, darüber gibt es diverse Legenden, aber alle enden im Bett. Eine Version berichtet von Arbeiterfamilien, die einst das Viertel bevölkerten und dort Scharen von Kindern gezeugt haben sollen. Eine andere handelt vom Rotlichtbezirk, der Pieschen bis heute sein soll. Und weil das eigentlich brave Dresden auch ein bisschen verrucht sein will, geraten Pieschener Wohnungen mit geschlossenen Gardinen schnell in Verdacht, heimliche Bordelle zu sein. Und jeder Barbesitzer, der Hausfrauen strippen lässt, wird freimütig zum Rotlicht-König geadelt.
Bettgeflüster in „Fickpieschen“ Keinen anderen Spitznamen lassen sich die Dresdner so genüsslich auf der Zunge zergehen, begleitet von verdruckstem Kichern. So ist das bei Dingen, die unter die Gürtellinie gehen, und dabei gehören sie zur Identität eines ganzen Stadtteils. Jedenfalls wenn man auf den Volksmund hört, der die Straßen zwischen Altem Schlachthof und Straßenbahnhof Mickten einfach nur „Fickpieschen“ nennt. Warum, darüber gibt es diverse Legenden, aber alle enden im Bett. Eine Version berichtet von Arbeiterfamilien, die einst das Viertel bevölkerten und dort Scharen von Kindern gezeugt haben sollen. Eine andere handelt vom Rotlichtbezirk, der Pieschen bis heute sein soll. Und weil das eigentlich brave Dresden auch ein bisschen verrucht sein will, geraten Pieschener Wohnungen mit geschlossenen Gardinen schnell in Verdacht, heimliche Bordelle zu sein. Und jeder Barbesitzer, der Hausfrauen strippen lässt, wird freimütig zum Rotlicht-König geadelt.
Schnäppchenjagd auf der „Beutelwiese“ Freitags werden Waren gehortet: Gemüse vom Gärtner des Vertrauens, Hausschlachtenes vom Bauernhof, Filzpantoffeln aus dem Erzgebirge, Haushaltshelfer vom Vertreter. Ab dem frühen Morgen drängelt sich beim größten Wochenmarkt auf der Lingnerallee die Kundschaft, natürlich bewaffnet mit allerlei Tragebehältnissen, denn der Dresdner denkt praktisch. Die Beutel sind eine Mode für sich – vom VEB-Relikt aus Dederon bis zum Rotkäppchen-Korb. Und weil man das Gelände garantiert mit vollen Taschen verlässt, wird das Open-Air-Einkaufsparadies praktischerweise „Beutelwiese“ genannt.
Schnäppchenjagd auf der „Beutelwiese“ Freitags werden Waren gehortet: Gemüse vom Gärtner des Vertrauens, Hausschlachtenes vom Bauernhof, Filzpantoffeln aus dem Erzgebirge, Haushaltshelfer vom Vertreter. Ab dem frühen Morgen drängelt sich beim größten Wochenmarkt auf der Lingnerallee die Kundschaft, natürlich bewaffnet mit allerlei Tragebehältnissen, denn der Dresdner denkt praktisch. Die Beutel sind eine Mode für sich – vom VEB-Relikt aus Dederon bis zum Rotkäppchen-Korb. Und weil man das Gelände garantiert mit vollen Taschen verlässt, wird das Open-Air-Einkaufsparadies praktischerweise „Beutelwiese“ genannt.
Gläser rücken in der „Huschhalle“ Genau genommen haben es die Besucher dieser Lokalität oft gar nicht so eilig, wie es der Kosename verheißt. „Huschhalle“, so nennt man jene Imbissbuden, in die man auf ein schnelles Bier einkehrt, hineinhuscht eben. Viele sind in Dresden nicht übrig geblieben, und so ist heute vor allem eine Löbtauer Adresse als „Huschhalle“ bekannt, der „Imbiss am Dreikaiserhof“. Klingt feudal, befindet sich aber in Wahrheit im abgasgeschwängerten Verkehrsrauschen an der Tharandter Straße. In der ehemaligen Wartehalle stranden Verlierer und Vergessene. Meist nicht nur auf ein Bier, sondern zwei bis drei.
Gläser rücken in der „Huschhalle“ Genau genommen haben es die Besucher dieser Lokalität oft gar nicht so eilig, wie es der Kosename verheißt. „Huschhalle“, so nennt man jene Imbissbuden, in die man auf ein schnelles Bier einkehrt, hineinhuscht eben. Viele sind in Dresden nicht übrig geblieben, und so ist heute vor allem eine Löbtauer Adresse als „Huschhalle“ bekannt, der „Imbiss am Dreikaiserhof“. Klingt feudal, befindet sich aber in Wahrheit im abgasgeschwängerten Verkehrsrauschen an der Tharandter Straße. In der ehemaligen Wartehalle stranden Verlierer und Vergessene. Meist nicht nur auf ein Bier, sondern zwei bis drei.
Schwimmende Plattenbauten In keinem Reiseführer der Welt wird erwähnt, dass die beiden jüngsten Dresdner Dampfer eigentlich ganz anders heißen: Die Jünglinge der Flotte haben vom Volksmund die Namen „Gorbitz“ und „Prohlis“  verpasst bekommen.   Kennen auch Sie Spitznamen von besonderen Gebäuden oder Phänomenen in der Stadt? Witzige, gehässige, spöttische Worte, die sich schnell verbreitet haben? Verraten Sie uns Ihre Dresdner Spitznamen! Entweder in einer Mail an sz.dresden@dd-v.de  oder auf einer Postkarte, die an folgende Adresse geht: Sächsische Zeitung, Stadtredaktion, „Betreff: Spitznamen“, Ostra-Allee 20, 01067 Dresden.
Schwimmende Plattenbauten In keinem Reiseführer der Welt wird erwähnt, dass die beiden jüngsten Dresdner Dampfer eigentlich ganz anders heißen: Die Jünglinge der Flotte haben vom Volksmund die Namen „Gorbitz“ und „Prohlis“ verpasst bekommen. Kennen auch Sie Spitznamen von besonderen Gebäuden oder Phänomenen in der Stadt? Witzige, gehässige, spöttische Worte, die sich schnell verbreitet haben? Verraten Sie uns Ihre Dresdner Spitznamen! Entweder in einer Mail an [email protected] oder auf einer Postkarte, die an folgende Adresse geht: Sächsische Zeitung, Stadtredaktion, „Betreff: Spitznamen“, Ostra-Allee 20, 01067 Dresden.

Aufruf an den Volksmund

Kennen auch Sie Spitznamen von besonderen Gebäuden oder Phänomenen in der Stadt? Witzige, gehässige, spöttische Worte, die sich schnell verbreitet haben? Verraten Sie uns Ihre Dresdner Spitznamen! Entweder in einer Mail an [email protected] oder auf einer Postkarte, die an folgende Adresse geht: Sächsische Zeitung, Stadtredaktion, „Betreff: Spitznamen“, Ostra-Allee 20, 01067 Dresden.