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Nossen macht Dorf-Kindergarten trotz Protestes zu

Monatelang war um die Zukunft der Kita Ilkendorf gestritten worden – dann ging alles ganz schnell. Nun sind andre am Zug.

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© Claudia Hübschmann

Von Christoph Scharf

Keine drei Minuten brauchten die Nossener Stadträte, um über den Punkt 2 der Tagesordnung abzustimmen: den „Beschluss zur Schließung der Kindertageseinrichtung Ilkendorf“. Wortmeldungen gab es keine, das Ergebnis fiel eindeutig aus: 15 Stadträte stimmten für das Kita-Aus, drei dagegen, vier enthielten sich. Dabei war um das Thema lange erbittert gestritten worden – mit Protestplakaten, Unterschriftensammlungen, Hintergrundgesprächen. „Die Argumente wurden ausgetauscht, das Thema reichlich diskutiert“, sagt Bürgermeister Uwe Anke (parteilos).

Einer der Hauptgründe für das Aus ist laut Stadtverwaltung die schwache Auslastung. Von 54 Plätzen waren zuletzt nur 30 belegt. Den Anmeldezahlen nach zu urteilen, würden ab September weniger als 20 Kinder in das Dorf zwischen Raußlitz, Katzenberg und Nossen kommen. Zudem reichen laut Stadtverwaltung die Kapazitäten der verbliebenen Nossener Kitas für alle Kinder aus – wenn die Geburtenrate sich in den nächsten zehn Jahren nicht ändert. Drittens stünden in dem von einem Wasserschaden schwer mitgenommenen Haus Reparatur- und Instandsetzungsmaßnahmen von mehr als 200 000 Euro an.

Eine Chance für die Eltern

Elternvertreter argumentieren anders: Ihrer Ansicht seien die Anmeldezahlen für Ilkendorf nur deshalb so gering, weil die Eltern schon lange eine bevorstehende Schließung der Einrichtung fürchteten. Außerdem werde die Versicherung den Wasserschaden am städtischen Gebäude ohnehin zahlen. Und die Betreuungsqualität in einer überschaubaren Kita sei eine ganz andere, als in einer 200-Kinder-Einrichtung wie in Nossen. Dazu kommen die weiten Wege, die Familien auf dem Land drohen – für Kita-Kinder fährt kein Schulbus, fast alle Kinder werden per Auto gebracht.

Diese Argumente ließen auch die Mehrheit im Stadtrat nicht unbeeindruckt. Deshalb ließen die Räte mit einem zusätzlichen Beschluss die Zukunft der Kita Ilkendorf doch noch ein kleines Stück offen – und spielten den Ball gleichzeitig an die Eltern weiter. Demnach behält Nossen beziehungsweise die städtische Wohnungsgesellschaft die Immobilie ein Jahr lang für eine mögliche Weiternutzung als Kindertagesstätte im Bestand. Beispielsweise könne ein Elternverein das Haus mit einem alternativen Konzept weiter betreiben.

„Das Zugeständnis ist ein gutes Zeichen“, sagt Tobias Stange von der Elterninitiative, die 500 Unterschriften für den Erhalt der Kita gesammelt hatte. Tatsächlich gäbe es unter den Eltern deutliches Interesse, die Zukunft der Einrichtung in die eigenen Hände zu nehmen. „Wir haben uns schon bei ähnlichen Einrichtungen in Bieberstein und Hirschfeld umgehört“, sagt der Vater. Denkbar sei etwa ein Weiterbetrieb als Waldkindergarten – bei dem die Kinder einen Großteil der Zeit gemeinsam im Grünen verbringen. Voraussetzung sei allerdings eine Unterstützung durch die Kommune – und der Erhalt des Standorts im Bedarfsplan, damit weiterhin Zuschüsse dafür fließen können. „Wir wollen zeitnah ein Konzept als Elternverein vorlegen“, sagt Tobias Stange. Findet sich innerhalb eines Jahres kein neuer Betreiber für die Kita Ilkendorf, wird das Haus wohl für Wohnungen umgebaut. „Bedarf dafür ist in Nossen vorhanden – und die Lage ist toll“, sagt CDU-Stadtrat Andreas Eckert.