merken

Nudeln ohne Kleber

Die Teigwaren Riesa bringen glutenfreie Nudeln auf den Markt. „Super“, findet eine Expertin – aber nicht für alle Kunden.

© Lutz Weidler

Von Britta Veltzke

Anzeige
Symbolbild Anzeige

Zinsen auf Talfahrt – aber wie lange noch? 

Handeln sie jetzt und finanzieren die geplante Anschaffung! Machen Sie vorher unbedingt einen Kreditvergleich, denn zu hohe Raten belasten unnötig ihr Haushaltsbudget.

Riesa. Andere Nudelhersteller haben es vorgemacht – jetzt ziehen die Teigwaren Riesa nach: In den nächsten Wochen kommen glutenfreie Nudeln von der Döllnitz deutschlandweit in die Supermärkte. Im Internet und im Nudelladen am Werk sind sie bereits zu haben. „Wir wollen Kunden mit Glutenunverträglichkeit und denen, die aus anderen Gründen auf Gluten verzichten möchten, eine Alternative anbieten“, erklärt Vertriebsleiter Oliver Freidler. Seinen Informationen zufolge leidet etwa ein Prozent der Deutschen unter Glutenunverträglichkeit – oder Zöliakie wie die Erkrankung im Fachjargon heißt.

Betroffene vertragen das Klebereiweiß, das in Getreidearten wie Weizen, Dinkel, Roggen, Gerste und Hafer vorkommt, nicht. Laut der Deutschen Zöliakie-Gesellschaft kämpfen die Erkrankten mit Bauchschmerzen oder Blähungen, nachdem sie den „verbotenen“ Stoff gegessen haben. Ursache ist eine Entzündung der Darmschleimhaut. Manch bewusster – und im Grunde gesunder – Esser verzichtet aber auch freiwillig auf viele Produkte mit Gluten, da es sich vergleichsweise schwer verdauen lässt.

Wie aber kommt das Gluten nun aus der Nudel? „Die Frage ist falsch gestellt“, sagt Freidler. „Denn die Rohstoffe, die wir für die glutenfreien Nudeln verwenden, sind von vornherein glutenfrei. So wie Mais oder Kichererbsenmehl.“ Dadurch lasse sich der Teig aber auch schwerer verarbeiten. Er sei einfach unflexibler als andere Teige. Für die Standardformen aber reicht´s allemal. So bieten die Teigwaren Riesa die glutenfreie Variante in Form von Spaghetti, Rigatoni und Spirelli an. Im Vergleich zu Hartweizennudeln sind sie gelber – goldgelb. Der Geschmack geht laut Freidler ins süßliche: „Das kommt vom Mais.“ Die heimische Zubereitung der Nudeln funktioniere aber genau wie bei den Herkömmlichen. „Nur, wer die Glutenfreien später noch einmal aufwärmen will, wird einen Unterschied feststellen. Denn dann kann es passieren, dass die Nudeln aneinander kleben“, erklärt Oliver Freidler.

Die Riesaer Ernährungsberaterin Doreen Janz befürwortet das neue Produkt aus Riesa. „Für die Betroffenen wirkt sich mehr Konkurrenz auf dem Markt der glutenfreien Lebensmittel sicher positiv aus, indem sie günstiger werden. Inzwischen sind die Produkte ja auch schon in den Supermärkten zu haben und nicht mehr nur im Reformhaus“, so Janz. Die – teureren – glutenfreien Teigwaren würde sie aber nicht jedem empfehlen.

Etwa 50 Prozent teurer

„Gluten zu vermeiden, ist vor allem für die Menschen wichtig, die unter Zöliakie leiden.“ Nur aus Gründen einer gesunden Ernährung die glutenfreien Nudeln in den Einkaufswagen zu packen, hält sie für unnötig. „Wer sich ausgewogen ernähren will, sollte sich das Geld lieber sparen und stattdessen nur einmal in der Woche einen richtigen Teller Nudeln essen und ansonsten Reis oder Kartoffeln“, meint Doreen Janz. Laut Teigwaren-Vertriebsleiter Oliver Freidler kosten die glutenfreien Nudeln etwa 50 Prozent mehr als die anderen Sorten. Den Trend, zu glutenfreien Lebensmitteln zu greifen, vergleicht Doreen Janz mit Chiasamen, die derzeit „in aller Munde“ seien. „Die sind zwar gesund, aber auch nicht viel gesünder als zum Beispiel Leinsamen oder Haferflocken.“

Die Produzenten von glutenfreien Lebensmitteln profitieren auch davon, dass die Diagnose heutzutage öfter gestellt wird als früher. Die Ursachen liegen laut der Deutschen Zöliakie-Gesellschaft „in der Einführung der Antiköpertestungen und der weitergehenden Sensibilisierung für das Krankheitsbild.“ Um Betroffenen die Auswahl im Supermarkt zu erleichtern, hat die Gesellschaft ein Symbol für Lebensmittel ohne Gluten entwickelt: eine durchgestrichene Ähre. „Einfach so“ können Lebensmittelhersteller das Symbol aber nicht auf ihren Packungen abbilden. Die Zöliakie-Gesellschaft führt die Rechte an dem Logo als eingetragenes Warenzeichen und vergibt es, nachdem sie das Produkt überprüft hat. Auch auf den Packungen der glutenfreien Nudeln aus Riesa wird die durchgestrichene Ähre zu sehen sein.