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Nur 127 junge Störche in Sachsen

Sachsen verzeichnet das schlechteste Weißstorch-Brutergebnis seit 1950. Schuld ist vor allem der nasskalte Frühsommer.

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© dpa

Martin Fischer

Dresden. Noch nie seit Beginn der Aufzeichnungen vor 63 Jahren sind so wenig junge Weißstörche aus Sachsen in den Süden gezogen wie in diesem Jahr. Nur 127 Jungstörche seien ausgeflogen, teilte Sylvia Siebert vom Artenschutzprogramm Weißstorch am Mittwoch in Dresden mit. Fast drei Viertel aller brütenden Storchenpaare hätten keinen Erfolg gehabt. Die bereits im Frühsommer geäußerte Befürchtung, dass es durch das nasse und kalte Wetter in diesem Jahr nur wenig Storchennachwuchs gebe, habe sich damit noch erheblich schlimmer bestätigt.

Obwohl sich in diesem Jahr mit 328 Brutpaaren 11 mehr angesiedelt hätten als vor einem Jahr, habe die Zahl der erfolgreichen Brutpaare nur bei 32 Prozent des Vorjahreswertes gelegen. „Das ist gemessen an der Vermehrungsrate das schlechteste Ergebnis seit Beginn der Nachkriegs-Aufzeichnungen im Jahre 1950“, sagte Siebert. Das letzte sogenannte „Störungsjahr“ 1997 sei mit 341 erfolgreichen Brutpaaren und durchschnittlich einem Jungen pro Paar weit besser gewesen.

Mehr als 200 tote Jungvögel wurden bislang gezählt. Häufigste Todesursache sei die Witterung gewesen. „Die Jungtiere sind durch die anhaltenden Starkregen Ende Mai und Anfang Juni gefolgt von arktischen Kälteeinbrüchen im Horst ertrunken, erfroren oder später an einer Lungenentzündung gestorben“, sagte Siebert. Wegen des langen Winters habe die Brutsaison erst spät begonnen, und so hätten die Küken im Mai noch keine wasserabweisenden Federn gehabt. Außerdem könnten Altstörche mit durchweichtem Gefieder keine langen Strecken fliegen, um Nahrung zu beschaffen.

Normalerweise könnten Weißstörche solche Brutmisserfolge in der folgenden Brutsaison wieder ausgleichen. „Wichtig ist, dass die durchschnittliche Anzahl der Jungen über einen längeren Zeitraum stimmt.“ Die sogenannte Nachwuchsziffer, die den Wert Jungtier pro Horstpaar angibt, habe in Sachsen in den vergangenen Jahren bei 1,7 bis 1,9 gelegen. Für einen Erhalt der Population müsste sie aber größer als 2,0 sein. (dpa)