Partner im RedaktionsNetzwerk Deutschland
Merken

Nur noch Porzellan

Meissen stellt erstmals spülmaschinenfeste und preiswerte Dekore vor. Die teuersten Sammlerstücke sind ausverkauft.

Teilen
Folgen
NEU!
© Robert Michael

Von Peter Anderson

Meißen. Keine Uhren, keine Kleidchen, keine Möbel – dafür Porzellan über Porzellan. Die Manufaktur Meissen hat bei der Präsentation ihrer Neuheiten im Dresdner Taschenbergpalais jetzt deutlich gemacht, dass sie es mit der Rückkehr zum Kerngeschäft mit dem Weißen Gold ernst meint.

„Vor allem die große Vielfalt der Angebote wurde von unseren Händlern in den vergangenen Tagen gelobt“, sagt Geschäftsführer Tillmann Blaschke. Der 53-Jährige greift zu einem blendend weißen Teller. Die Form ist reduziert und edel, den Rand zieren Schneeballblüten. Der Speiseteller des bislang namenlosen Services soll 90 Euro kosten. Eine weitere Variante mit gedruckten Streifen gibt es für 135 Euro. Wer es lieber handbemalt mag, kann eine modernisierte und farbige Version des Zwiebelmusters für 190 Euro erwerben. Die drei neuen Angebote haben zwei Dinge gemeinsam: Sie sind erstmals spülmaschinenfest und auch von der Bruchfestigkeit der Kanten her für die Maschine geeignet. Zudem liegen sie preislich mindestens die Hälfte unter handbemalten Formen des bisherigen Einsteiger-Services Wellenspiel.

Meissen-Chef Blaschke hebt warnend beide Hände. Das neue Service solle keine Missverständnisse aufkommen lassen. Die Zukunft der Manufaktur liege nicht im bedruckten Porzellan. Diese Technik werde – wie bei symmetrischen und geraden Mustern – nur angewendet, wenn Handarbeit letztlich keinen Sinn ergebe. Dadurch würden die Teller sonst nur unnötig teuer.

Exklusive Vorlieben

Dass die Manufaktur weiterhin ganz exklusive Vorlieben von Sammlern bedienen kann, zeigt sich in einem der nächsten Räume. Auf einem Podest in der Mitte prangt eine fast 60 Zentimeter hohe Vase. Das Prunkstück wurde vermutlich für die Weltausstellung 1900 in Paris geschaffen. Es ist mit üppigem Rosenschmuck versehen. Der Preis liegt bei 95 000 Euro. Trotzdem sei die auf zehn Stück limitierte Auflage bereits verkauft, sagt Blaschke. Zweieinhalb Jahre werde es dauern, bis der letzte Kunde eine der für ihn persönlich hergestellten Vasen erhalten haben wird.

Das Sammlerstück gehört zu einer Edition von insgesamt 54 limitierten Kunstwerken, die vor allem die betuchte und mit Meissen schon länger bekannte Kundenklientel ansprechen sollen. Neben Neuauflagen historischer Vorbilder sind wieder deutlich mehr zeitgenössische Künstler vertreten – beginnend bei Meisterschülerin Maria Walther mit ihrer Figur „Hüterin des Schatzes“ bis hin zu Wandgemälden des 88-jährigen Heinz Werner. Dem früheren Leiter der künstlerischen Entwicklung im Unternehmen Peter Strang ist eine umfangreiche Geburtstagsedition gewidmet. Viele Stücke daraus sind ebenfalls verkauft. Blaschke möchte die Rückkehr Strangs nach jahrelanger Ignoranz durch sein Stammhaus als Signal verstanden wissen. „Wir haben in den vergangenen Jahren einige Themen nach draußen abgegeben, die holen wir jetzt langsam zurück“, sagt er. So näherten sich die Manufaktur und die Gestalterin des Services Wellenspiel Sabine Wachs an. Er hoffe, dies helfe, den Streit um die durch einen abstrakten Farbkringel verdeckte Fassade des Besucherzentrums zu lösen. Unter dem Klecks verbergen sich wichtige Arbeiten von Sabine Wachs.

Dritte Säule der Messe – neben Geschirr und Kunstwerken – ist der Schmuck. Dem Muster des erfolgreichen Mops-Anhängers folgend hat die Manufaktur einen Zoo an Porzellan-Tieren geschaffen – vom Panda-Bären bis zur Eule, mal mit mehr, mal mit weniger Farbe. Der Verkauf gestalte sich schon jetzt sehr erfreulich, so Geschäftsführer Blaschke. Zahlen zu Umsätzen will er nicht nennen. Die ersten Bestellungen zur Hausmesse hätten mindestens das Volumen von 2015 erreicht. Und dieses sei das beste in den vergangenen Jahren gewesen.

Die guten Porzellan-Umsätze könnten helfen, das Unternehmen wieder in die schwarzen Zahlen zu bringen. Der fehlgeschlagene Umbau zu einem internationalen Luxuskonzern hatte in den letzten beiden Jahren Verluste von insgesamt 32 Millionen Euro verursacht.