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Oldtimer am Weidaer Dreieck

Zum elften Mal fand in Riesa ein Oldtimer-Rennen statt – mit begeisterten Fans und steinalten Motorrädern.

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© Lutz Weidler

Von Kevin Schwarzbach

Riesa. Das Motorrad wirkt mit seinen fein ausgearbeiteten Speichen eher wie ein Fahrrad. Doch als Reinhart Päßler mit seiner Maschine namens Rovin Tour de France an den Start geht, richten sich alle Blicke auf ihn. Fast ein Jahrhundert ist die Maschine alt, 1924 wurde sie gebaut. Und nun rast sie laut knatternd davon. Sie läuft rund, noch immer.

Im Fahrerlager werden die Maschinen beiseite gestellt und die dicken Jacken abgelegt. Bei 30 Grad in der Sonne kann die Haut schnell braun werden.
Im Fahrerlager werden die Maschinen beiseite gestellt und die dicken Jacken abgelegt. Bei 30 Grad in der Sonne kann die Haut schnell braun werden. © Lutz Weidler

Bereits zum elften Mal fand am vergangenen Wochenende das Oldtimer-Rennen „Weidaer Dreieck“ zwischen Mautitz und Weida statt. Hunderte Fahrer gingen mit ihren historischen Maschinen in verschiedenen Kategorien und Klassen an den Start.

Immer dabei: die Stimme von Lutz Weidlich. Ein Name, der vielen Zuschauern, zumindest aber allen Fahrern, bekannt ist: Weidlich war einst Streckensprecher am Lausitzring. Jahrelang war die Stimme auf der Schipkauer Rennstrecke, begleitete zudem viele andere Rennen. Und auch im Rentenalter kommentiert er noch immer gern Motorsport-Veranstaltungen.

Ganz zur Freude der Zuschauer. „Der Moderator sorgt für eine erstklassige Veranstaltung“, sagt Rene Kreider. „Er unterhält die Zuschauer mit seiner lockeren Art und informiert sie mit seinem riesigen Fachwissen.“ Erst plaudert Weidlich von seinem ersten Rennen 1950, dann erklärt er die Regeln für den Bergpreis.

Und die sind verzwickt: Es gewinnt nicht der Fahrer, der die 2,4 Kilometer lange Strecke zweimal am schnellsten fährt, sondern der, der die Strecke zweimal so ähnlich wie möglich abschließt. Sprich: Wer am Ende den geringsten Unterschied zwischen seiner ersten und zweiten Streckenzeit hat, gewinnt das Rennen.

Knatternd springen die Motoren an, mit jedem Tritt aufs Gaspedal steigt der Lautstärkepegel. Für den Laien einfach nur ein eindringliches Geräusch, für den Experten ein charakteristischer Klang. „Da kommt ein Vierzylinder-Eintakt-Motor“, frohlockt Lutz Weidlich. Und Experten gibt es beim Weidaer Dreieck viele. Unter den Zuschauern tummeln sich unzählige Besucher, die verwaschene T-Shirts ehemaliger Motorsport-Veranstaltungen tragen. Mancher hat sich gar eine Rennstrecke unter die Haut tätowieren lassen.

Rene Kreider gehört zu denen, die im abgetragenen T-Shirt gekommen sind. „Formel 3 Meisterschaft 1976“ ist darauf zu lesen. „Ich bin seit meiner Jugend ein großer Motorsport-Fan, mit 15 bin ich mit Freunden zu den ersten Rennen gegangen“, erzählt Kreider. Der heute 76-Jährige lebt in der Nähe von Dresden und besucht regelmäßig Motorrad- und Autorennen in der Umgebung. „Besonderen Gefallen finde ich an Oldtimer-Rennen. Deswegen komme ich seit fünf Jahren immer wieder zum Weidaer Dreieck.“

Auch viele Fahrer kehren Jahr für Jahr nach Mautitz zurück, um beim hiesigen Oldtimer-Rennen an den Start zu gehen. „Ich finde es immer wieder grandios, dass die Fahrer ihre alten Maschinen mit so viel Liebe pflegen und sie stets in sehenswerter Verfassung an den Start bringen“, lobt Lutz Weidlich. Die Zuschauer nicken, stilles Einverständnis. Ihr Blick richtet sich auf die Strecke. Dort hat soeben der zweite Wertungslauf für den Bergpreis begonnen. Ein weiteres Mal setzt sich die älteste Maschine mit der Startnummer 129 in Bewegung. Reinhart Päßler düst mit seinem 92 Jahre alten Gefährt davon.