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Ole sendet jetzt von der Ostsee

Der Elch, der 2015 in Görlitz von sich reden machte, wird weiter per GPS verfolgt. Von der Neiße zog er nach Osten und Norden.

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Von Kay Haufe

Ole macht wieder von sich reden. Diesmal sind es positive Schlagzeilen über den Elch, der 2014 und 2015 in Dresden und Görlitz regionale Berühmtheit erlangte. Damals war der Jungbulle in einer Siemens-Kantine in der Landeshauptstadt gestrandet, bekam einen GPS-Sender verpasst. Im September 2015 tauchte Ole dann in Klingewalde auf, trabte in das Wäldchen neben der Feuerwehr. Nur wenige Tage später überquerte das Tier die Neiße gen Polen. Die Brunft ließ ihn wieder nach Polen ziehen.

Doppelter Ole: Das große Foto entstand am 3. Oktober in Polen und zeigt das deutlich gewachsene Geweih vom Elchbullen. Auf dem kleinen Bild war der Jungelch im August 2014 mehr als unglücklich in das Kantinengebäude von Siemens in Dresden geraten. Fotos:
Doppelter Ole: Das große Foto entstand am 3. Oktober in Polen und zeigt das deutlich gewachsene Geweih vom Elchbullen. Auf dem kleinen Bild war der Jungelch im August 2014 mehr als unglücklich in das Kantinengebäude von Siemens in Dresden geraten. Fotos:

Nun sind drei Elch-Fans erneut ganz dicht an Ole herangekommen. Michael Striese, Mark Nitze und Andrzej Krysztofinski haben den inzwischen stattlichen Bullen mit dem bemerkenswerten Geweih am 3. Oktober nahe der polnischen Ostseeküste aufgespürt, wo er sich offenbar sehr wohlfühlt. Möglich macht dies der Sender, mit dem Ole damals in Dresden ausgestattet wurde. Dreimal täglich bekommen die Wildbiologen Michael Striese und Mark Nitze seitdem eine SMS mit den Koordinaten, wo Ole gerade ist. „Das ist äußerst spannend für uns, denn so können wir auch die Geschwindigkeit berechnen, mit der der Elch unterwegs ist“, sagt Striese. Die durchschnittliche Strecke, die das Tier an einem Tag bewältigte, beträgt rund 31 Kilometer. In zehn Tagen sind das etwa 300 Kilometer. „Der ist ganz schön flott unterwegs“, sagt Striese. Vor allem in der Brunftzeit, die jeweils im September beginnt, konnten lange Wanderungen von Ole nachverfolgt werden. In Westpolen gibt es im Vergleich zu den östlichen Landesteilen relativ wenige Elche. Ole musste also lange nach einem paarungsbereiten Weibchen suchen. Ob er es getroffen hat, bleibt offen. Denn der Sender informiert nur über die Route, die das Tier zurücklegt.

Doch auch die war für die beiden Biologen und Jagdpächter Andrzej Krysztofinski, der als dritter in der Elch-Runde mitwirkt, sehr interessant. Nachdem Ole 2014 von seiner Betäubung auf dem Truppenübungsplatz erwachte, machte er sich auf den Weg nach Polen, wurde dabei in der Nähe von Bad Muskau gesehen. Bis April 2015 blieb er in der Niederschlesischen Heide, um von dort nach Görlitz und Niesky zu kommen. Seine Route ist auf der benachbarten Karte nachvollziehbar. Heute lebt Ole in den Wäldern nahe der polnischen Ostsee-Insel Wolin. „Ein Fernsehsender ermöglichte uns, am 2. und 3. Oktober zu Oles Aufenthaltsort zu fahren. Wir sind dem Signal gefolgt und haben ihn tatsächlich beobachten können. Das war ein unbeschreibliches Gefühl“, sagt Striese. Das Kamerateam hat die Begegnung aufgezeichnet. Doch die drei Elch-Fans haben nun ein Problem. Der Akku des GPS-Senders in Oles Halsband hält nur bis zum Frühjahr 2017. Um ihn erneuern zu können, müssten sie den Elch von einem polnischen Tierarzt betäuben lassen. Rund 4 500 Euro wären für Narkose und den neuen Sender fällig.

Doch die Elchbeobachtung ist ein rein privates Hobby der drei. Zwar wurde der Sender 2014 vom Land Sachsen gestellt, doch schon die Auswertung der Daten haben die drei ehrenamtlich übernommen. Die Kosten für die Signal-SMS tragen sie allein. „Wir haben zwar in Andrzej einen guten Partner, der uns Kontakte zu den Polen herstellt. Doch die haben genügend Elche und unterstützen unser Projekt nicht“, sagt Biologe Striese. Er hofft, dass sich private Unterstützer für das Projekt finden. Denn das Interesse am Elch in Sachsen ist groß. Zwar nicht bei Sachsenforst, weil Elche aufgrund ihrer Nahrungsvorlieben große Schäden an jungen Bäumen verursachen, wohl aber bei naturinteressierten Menschen. Immer wieder bekommt Striese Meldungen, wo Elche gesichtet wurden. „Vielleicht können wir Ole ja doch noch weiter beobachten.“

[email protected]

Der Beitrag über Elch Ole läuft in der Sendung

„W wie Wissen“ am 5. November um 16 Uhr in der ARD